Verband deutscher Varietétheater und Gema einigen sich auf Gesamttarifvertrag Musikgebührenstreit beigelegt

Bad Oeynhausen (WB). Nach mehr als drei Jahren intensiver Verhandlungen haben sich der Verband deutscher Varietétheater und die Verwertungsgesellschaft Gema erstmals auf einen Gesamttarifvertrag für die deutsche Varietébranche geeinigt. Durch den erzielten Abschluss ergibt sich auch für die sechs GOP-Varietétheater eine wirtschaftlich planbare Situation.

Von Malte Samtenschnieder
Bei vielen Varieté-Programmen spielt Musik eine Rolle. So etwa bei der Show »Lipstick«, die vor einiger Zeit im GOP-Kaiserpalais zu sehen war. Welche Gebühren die Varietétheater für die Nutzung der Musik an die Gema abführen müssen, ist jetzt in einem Gesamttarifvertrag geregelt.
Bei vielen Varieté-Programmen spielt Musik eine Rolle. So etwa bei der Show »Lipstick«, die vor einiger Zeit im GOP-Kaiserpalais zu sehen war. Welche Gebühren die Varietétheater für die Nutzung der Musik an die Gema abführen müssen, ist jetzt in einem Gesamttarifvertrag geregelt.

»Zu Beginn der Verhandlungen lagen unsere Vorstellungen und die der Gema weit auseinander«, sagt Olaf Stegmann. Er ist nicht nur Geschäftsführer der GOP-Unternehmen, sondern hat als Präsidiumsmitglied des Verbandes deutscher Varietétheater an den Verhandlungen teilgenommen. Der Streit habe sich an den unterschiedlichen Auffassungen über die Nutzung von Musik entzündet. »Varietétheater und Diskotheken sollten über einen Kamm geschert werden«, sagt Olaf Stegmann. Dem habe er jedoch entschieden widersprochen. »In der Disko ist die Musik von entscheidender Bedeutung, um dazu zu tanzen. Im Varieté dient sie dagegen meist nur zur Untermalung«, erläutert der Geschäftsführer.

Olaf Stegmann ist Geschäftsführer der GOP-Unternehmen.

Vor Verhandlungsbeginn habe sich die Gema-Gebühr einzig an den Eintrittspreisen und der Raumgröße orientiert. »Als erstes Angebot lag eine Verachtfachung der Gebühren auf dem Tisch«, sagt Olaf Stegmann. Das sei so nicht hinnehmbar gewesen. In der Vergangenheit habe jedes der inzwischen sechs GOP-Varietés pro Jahr bis zu 70000 Euro an Gema-Gebühren gezahlt.  »Daraus wären plötzlich im Jahr bis zu 500000 Euro  pro Varietétheater geworden«, rechnet der Geschäftsführer vor. Stattdessen sehe der neue Gesamttarifvertrag eine moderate Steigerung von zehn bis 20 Prozent vor. Dieses deutlich abweichende Ergebnis sei nur durch zähe Verhandlungen möglich gewesen.  Auch spielten für die Bemessung der Gema-Gebühren künftig erstmals die Auslastung und die Anzahl der Varietéaufführungen eine Rolle.

Olaf Stegmann  sieht die Gema-Gebühren als notwendiges Übel, das die Varietétheater zahlen müssen. Ein direkter Mehrwert für die Zuschauer ergebe sich daraus jedoch nicht. »Wenn wir einen Künstler verpflichten, bringt er in der Regel seine eigene Musik mit. Diese ist fester Bestandteil seiner Darbietung«, erklärt der Geschäftsführer. So müsse für jeden Künstler nicht nur die Gage, sondern auch die Gema-Gebühr einkalkuliert werden. Einen Betrag von künftig   bis zu 80 000 Euro im Jahr pro Varietétheater müsse die GOP-Entertainment-Group auch erstmal erwirtschaften. Auf Subventionen könne das privatwirtschaftliche Unternehmen nicht bauen. Olaf Stegmann: »Wenn es uns gelingt, mit zwei Stunden Live-Entertainment zum erschwinglichen Preis 700 Arbeitsplätze in der Unternehmensgruppe zu erhalten und Steuern zu zahlen, ist das für mich eine ordentliche Leistung.«

Um den Bestand des GOP-Varietés im Kaiserpalais müsse sich niemand sorgen. »Wir haben gerade den Mietvertrag mit dem Staatsbad bis 2020 verlängert«, sagt Olaf Stegmann. Dass die kaufmännische Geschäftsleitung sowie die Abteilungen Grafik, Marketing, Vertrieb und IT in Kürze nach Bielefeld umzögen, habe andere Gründe. »Der Platz im Kaiserpalais ist einfach begrenzt«, betont der Geschäftsführer.

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