Sänger Clueso spricht über den Alltag zwischen Tournee und Studio »Das Privatleben steht hinten an«

Bad Oeynhausen (WB). Über mangelnden Erfolg kann sich Clueso im Moment nicht beklagen. Seit der Sänger, der mit bürgerlichem Namen Thomas Hübner heißt, mit seinem aktuellen Album »Stadtrandlichter« auf Platz 1 der Albumcharts eingestiegen ist, schwimmt er auf einer Erfolgswelle. Am Freitag, 7. August, ist der Erfurter beim Parklichter Open Air im Kurpark dabei. Warum der 35-Jährige trotz seines Lebens im Rampenlicht bodenständig bleibt, schildert er im Gespräch mit Redakteur Malte Samtenschnieder.

Für viele Besucher des Parklichter Open Airs am Freitag, 7. August, im Kurpark Bad Oeynhausen gilt der Auftritt von Headliner Clueso als absoluter Höhepunkt. Nach Angaben des Staatsbades Bad Oeynhausen soll der Auftritt des 35-jährigen Erfurters gegen 22.30 Uhr auf der Hauptbühne vor dem Badehaus II beginnen.
Für viele Besucher des Parklichter Open Airs am Freitag, 7. August, im Kurpark Bad Oeynhausen gilt der Auftritt von Headliner Clueso als absoluter Höhepunkt. Nach Angaben des Staatsbades Bad Oeynhausen soll der Auftritt des 35-jährigen Erfurters gegen 22.30 Uhr auf der Hauptbühne vor dem Badehaus II beginnen. Foto: Christoph Koestlin

Was bedeutet es Ihnen, am Freitag, 7. August,  als Headliner beim Parklichter Open Air in Bad Oeynhausen auf der Bühne zu stehen?

Clueso: Ich habe mich sehr gefreut, als ich davon erfahren habe. Bislang ist Bad Oeynhausen für mich ein grauer Fleck auf der Landkarte. Ich habe aber schon gehört, dass die Stadt sehr schön sein soll. Insbesondere der Kurpark soll ein tolles Ambiente haben. Wenn ich nach Bad Oeynhausen komme, möchte ich dort unbedingt in einem der Cafés einen Espresso trinken – aus einer richtig alten Kaffeemaschine…

Im Moment bleibt Ihnen wenig Zeit zum Chillen. Nicht nur, dass Sie im Sommer von Festival zu Festival unterwegs sind. Sie haben beispielsweise Anfang Juli auch den Paul-Lincke-Preis für außerordentliche Verdienste um die deutschsprachige Musik erhalten. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Clueso: Ich fühle mich sehr geehrt. Als ich von der Auszeichnung erfahren habe, musste ich aber erstmal googlen, wer Paul Lincke überhaupt ist. Er gilt als Vater der Berliner Operette. Und als ich dann erfahren habe, wer den Preis bereits vor mir bekommen hat, habe ich mich sehr stolz gefühlt. Silbermond, Annette Humpe und die Fantastischen Vier gehören zum Beispiel dazu. Die Verleihung des Paul-Lincke-Rings ist auch für Goslar eine gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Menschen zeigen dann mit dem Finger auf die Stadt und sagen: »Hier tut sich etwas für Kultur.«

Außer dem Paul-Lincke-Ring haben Sie beispielsweise auch schon fünf 1Live-Kronen erhalten. Kann man das in Relation setzen?

Clueso: Eigentlich nicht. Beim Paul-Lincke-Ring entscheidet eine Jury über den Preisträger. Die 1Live-Korne ist aber ein Publikumspreis. Hier entscheiden einzig und allein die Fans. Dabei habe ich schon mehrfach ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kollegen erlebt. Wenn man das am Ende erfolgreich für sich entscheiden kann, macht einen das auf eine andere Art stolz.

Mit Ihrem aktuellen Album »Stadtrandlichter« sind Sie im September 2014 direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie davon erfahren haben?

Clueso: Ich war an dem Tag bei der Pro-Sieben-Show »Circus Halligalli« zu Gast. Wir saßen gerade backstage zusammen, als jemand davon erzählt hat. Darauf haben wir erstmal mit Sekt angestoßen. Ich habe aber erst später so richtig realisiert, was da eigentlich passiert ist: Mit dem ersten Album über das neue eigene Label direkt auf Platz 1 der Charts – das ist außergewöhnlich.

Warum haben Sie das Album über Ihr eigenes Label veröffentlicht?

Clueso: Dadurch habe ich die Entscheidungshoheit. Und ich weiß jetzt auch, wie alle Dinge im Hintergrund funktionieren. Viele andere Künstler wollen das vielleicht gar nicht wissen, denn es ist ein Haufen Arbeit. Ich finde es aber cool, immer zu wissen, was passiert. Vorher ist vieles an mir vorbeigegangen.

Sie haben 2011 gemeinsam mit Udo Lindenberg eine Coverversion seines Songs »Cello« eingesungen. Damit waren Sie sehr erfolgreich. Was bedeutet Ihnen die Zusammenarbeit?

Clueso: Dass diese Single später so durch die Decke gehen würde, war vorher nicht absehbar. Mir ging es bei dem Auftritt mit Udo bei seinem MTV-Unplugged-Konzert vor allem darum, in dem Moment gut zu performen und möglichst viel Gefühl in den Song zu packen. Ich hatte Udo erst kurz vorher kennengelernt. Wirklich Zeit zu proben, hatten wir nicht. Wir haben das mehr oder weniger direkt auf der Bühne ausprobiert. Seit unserem ersten gemeinsamen Auftritt begleitet mich »Cello«. Und Udo ist inzwischen zu einem guten Freund für mich geworden. Auf meinem Album hat er auch bei einem meiner Songs mitgesungen.

Sie haben sich bei einem Courage-Konzert in Leipzig gegen Legida beteiligt. Sie unterstützen Wolfgang Niedeckens Afrika-Projekte. Sie machen sich für Erdbebenopfer in Nepal stark. Sie haben 2014 an der Neuauflage des Band Aid Projekts mitgewirkt. Sind sie ein politischer Mensch?

Clueso: Das kann man so nicht sagen. Ich spreche nicht die Sprache der Politik, sondern halte mich eher fern davon. Ich nutze jedoch meine Bekanntheit, wenn mir etwas wichtig ist. Dabei bin ich aber insgesamt zurückhaltend, weil ich bei den Projekten, für die ich mich engagiere, langfristig dran bleiben möchte.

Beim Parklichter Open Air tritt unter anderem Newcomer Joris auf, der auch bei einigen Ihrer Konzerte als Support mit dabei ist. Werden Sie in Bad Oeynhausen etwas gemeinsam singen?

Clueso: Bisher ist nichts geplant. Das ist aber eine gute Idee. Ich glaube, wir sollten mal darüber sprechen. Ich finde Joris – und auch seine Band – ziemlich cool. Ich mag seine Musik.

Beim Konzert in Bad Oeynhausen werden Sie Ihre eigene Band dabei haben. 2009 haben Sie mit der STÜBAphilharmonie zusammengearbeitet. Mit welchen Gefühlen denken Sie an diese Zeit zurück?

Clueso: Mit einem Orchester zu spielen ist einfach großartig. Es ist, als ob man seine eigenen Songs zum ersten Mal hört. Die Auftritte mit dem Orchester waren wahnsinnig emotional. Es ist unfassbar, welche Kräfte frei werden, wenn 80 Musiker als eine Einheit hinter einem stehen. Dabei ist aber Disziplin gefragt. Für Spontanität ist bei der Arbeit mit einem Orchester eher kein Raum.

Im Moment sind viele deutsche Bands und Künstler – wie Sie – mit deutschsprachigen Songs in Deutschland erfolgreich. Haben Sie sich bewusst entschlossen, auf Deutsch zu singen, oder könnten Sie sich vorstellen, einmal etwas auf Englisch zu machen?

Clueso: Die Frage hat sich bisher eigentlich nie gestellt. Ich habe viele Ideen im Kopf, die ich am besten auf Deutsch umsetzen kann. Mein Englisch ist nicht so gut. Wenn ich etwas auf Englisch probieren würde, würde ich mir wahrscheinlich professionelle Unterstützung holen. Spannend wäre es ja schon, herauszufinden, wie erfolgreich ich außerhalb des deutschsprachigen Raumes sein könnte…

Sie sind im Moment ständig auf Achse: Erst ein Gastauftritt bei Udo Lindenberg in Berlin, dann die Teilnahme beim Deichbrand-Festival in Cuxhaven, weitere Konzerte in Karlsruhe und Singen und schließlich der Auftritt bei den Parklichtern. Bleibt da eigentlich Zeit für das Privatleben? Was machen Sie, um zwischendurch  runterzukommen?

Clueso: Bis September steht das Privatleben hinten an. Wie bei einem Sportler geht es für mich während der Festivalsaison vorrangig darum, fit zu bleiben. Schließlich möchte ich dem Publikum Auftritt für Auftritt die gleiche Qualität bieten. Und das ist physisch und psychisch ganz schön anstrengend. Ich kann sehr gut entspannen, wenn ich in meine WG nach Erfurt zurückkomme. Meine Tasche landet dann erstmal in der Ecke, und ich springe in den Baumarkt-Pool im Hof. Außerdem gehe ich gerne mit Freunden und Familie italienisch essen. Das erdet mich.

Worauf dürfen sich die Fans bei den Parklichtern in Bad Oeynhausen freuen?

Clueso: Wir werden für den Abend ein ganz besonderes Set zusammenstellen. Ich kann schon verraten, dass nicht nur Stücke von meinem neuen Album »Stadtrandlichter« zu hören sein werden. Ich freue mich sehr auf den Auftritt. Meine Solo-Konzerte in der letzten Zeit waren alle unfassbar. Ich verspreche den Parklichterfans einen Auftritt mit viel Energie und großartigen Momenten.

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