Sänger Patrice spricht über sein Leben als Künstler »Wenn ich es nicht fühle, lasse ich es«

Bad Oeynhausen (WB). Wenn es um Musik geht, lässt Reggae-Sänger Patrice seinen Gefühlen freien Lauf. Seit dem Beginn seiner Karriere hat der Weltbürger, der abwechselnd in New York, Paris und Köln lebt, seinen eigenen Stil geprägt. Auf seinen Auftritt beim Parklichter Open Air am Freitag, 7. August, freut sich der 36-Jährige sehr. Warum er sein Leben als Künstler in vollen Zügen genießt, erklärt er im Gespräch mit Redakteur Malte Samtenschnieder.

Der Reggae-Sänger Patrice lässt seinen Gefühlen beim Songschreiben freie Lauf. Er hält nichts von vorgegebenen Konzepten und Formaten. Was bei seiner Art des Komponierens herauskommt, können die Besucher des Parklichter Open Air am 7. August erleben.
Der Reggae-Sänger Patrice lässt seinen Gefühlen beim Songschreiben freie Lauf. Er hält nichts von vorgegebenen Konzepten und Formaten. Was bei seiner Art des Komponierens herauskommt, können die Besucher des Parklichter Open Air am 7. August erleben. Foto: Foto: Amir Nasser

Sie haben kürzlich auf Ihrer Facebook-Seite das folgende Zitat  veröffentlicht: »Nature is the highest form of art. Be natural« – zu  Deutsch: »Natur ist die höchste Form der Kunst. Sei natürlich.« Wie  lässt sich das auf Ihre eigene Musik beziehen? 

Patrice: Musik bietet Künstlern viele Möglichkeiten, sich auszudrücken.  Ich halte nichts davon, mich beim Schreiben neuer Songs nach  vorgegebenen Konzepten und Formaten zu richten oder Dinge stark zu  entfremden. Meine Lieder schreiben sich wie von selbst. Ich lasse meinen  Gefühlen freien Lauf. Daraus ergibt sich eine große Natürlichkeit –  nämlich Lieder, die so wirken, als wären sie immer in dieser Form da  gewesen. So klinge ich echt und authentisch.

Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie ganz verschiedene Musikstile  ausprobiert, sind aber beim Reggae hängengeblieben. Was bietet Ihnen  Reggae, was Sie auf andere Weise nicht aussagen können?

Patrice: Grundsätzlich hat man in jedem Musikstil alle Möglichkeiten,  sich auszudrücken. Ich habe aber festgestellt, dass das bei mir am  besten mit Reggae funktioniert. Obwohl ich ja inzwischen eher meinen  eigenen Mix aus Reggae, R’n’B, Rock und anderen Stilen  umsetze –  je  nachdem, wohin ich mit einem Song will. Ich probiere auch immer wieder  neue Sachen aus. Wenn ich aber merke, dass ich etwas nicht wirklich  fühle, dann lasse ich es bleiben.

Bei einem Blick in Ihre Biografie erkennt man, dass Sie ziemlich schnell  über Deutschland hinaus bekannt geworden sind. Mit 18 Jahren ein Hit in  den nigerianischen Charts, später eine erweiterte Version Ihres  Debütalbums in Japan. Wie erklären Sie sich Ihren internationalen Erfolg? 

Patrice: Der große Zuspruch aus dem Ausland ist schon erstaunlich.  Wahrscheinlich kommt er dadurch zustande, dass meine Musik international  angelegt ist und ich nie Grenzen gesehen habe. Jeder kann sich damit  identifizieren. Ich freue mich sehr, dass meine Songs im Ausland  geschätzt werden. Das gibt mir auch die Möglichkeit, mit meiner Musik zu  reisen. Das habe ich mir immer gewünscht.

Sie sind in diesem Sommer bei vielen Festivals anzutreffen. Sie haben  gerade einen Auftritt in Montreal hinter sich und spielen vor Ihrem  Auftritt am 7. August beim Parklichter Open Air in Bad Oeynhausen unter  anderem noch in Rumänien. Reagiert das Publikum überall gleich? Macht es  einen Unterschied, ob Sie vor 500, 5000 oder 50000 Fans auftreten?

Patrice: Ich mag die kleineren Konzerte sehr. Denn die Distanz zum  Publikum ist geringer, und ich kann in die Gesichter der Fans sehen. Das  ist viel persönlicher und intensiver als bei Stadionkonzerten. Die sind  aber auch toll, weil hier eine viel größere Energie frei wird.  Grundsätzlich mag ich die Mischung aus kleineren und größeren Konzerten.  Zwischendurch bin ich dann noch im Studio. Oder ich reise um die Welt.  Das tolle an meinem Job ist ja nun einmal, dass er so abwechslungsreich  ist und ich nicht auf ein Ding festgelegt bin.

In den deutschen Charts sind im Moment viele deutsche Bands und Künstler  erfolgreich, die auch auf Deutsch singen. Haben Sie auch schon einmal  mit dem Gedanken gespielt, deutsche Reggae-Songs zu veröffentlichen?

Patrice: Eher nicht. Ich habe aber mit 16 Jahren an einem deutschen  Musical mitgeschrieben. Die Songs haben damals dann andere gesungen und  gerappt. Später habe ich einmal mit Max Herre ein Lied auf Deutsch  gesungen. Das war aber ein Freundschaftsdienst. Während meiner ganzen  Karriere hat mich immer Musik auf Englisch inspiriert. Damit war ich  auch früh erfolgreich. Ganz ausschließen würde ich es aber auch nicht.  Irgendwann werde ich vielleicht doch nochmal ausprobieren, etwas auf  Deutsch zu singen.

Sie sind auch als Produzent aktiv. Was bedeutet es Ihnen, junge Künstler  beim Start ihrer eigenen Karriere zu unterstützen? 

Patrice: Es macht mir extrem viel Spaß, junge Talente zu unterstützen  und gleichzeitig einmal hinter den Reglern zu sitzen und nicht vorne  vorm Mikrofon zu stehen. Es ist faszinierend, gemeinsam mit den Künstler  ihre Stärken zu erkennen und daraus eine Musik zu entwickeln, die  Zukunft hat. Mit dem Bild, das etwa durch Casting-Shows vermittelt wird,  hat das allerdings wenig zu tun. Die Casting-Show-Künstler funktionieren  oft nur für ein Album. Hier geht es nicht darum, sie ernst zu nehmen und  für eine lange Karriere aufzubauen. Dafür nehmen sich auch immer weniger  Plattenfirmen Zeit. Ich sehe es dagegen für mich als eine Verpflichtung  an, etwas von dem, was mir selbst wiederfahren ist, auch an andere  weiterzugeben.

Sie  benennen Jimi Hendrix und Bob Marley als Ihre Vorbilder. Warum? 

Patrice: Bob Marleys Musik hat in einer Phase zu mir gesprochen, als ich  Musik zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe. Von ihm waren meine  ersten Platten. Mit seiner Musik hat er mich komplett abgeholt. Jimi  Hendrix war immer anders als alle anderen. Mit seiner Musik hat er sich  in keine der vorhandenen Kategorien einordnen lassen. Auch war er immer  schräg gestylt. Das hat mich inspiriert.

Sie haben 2008 im Vorprogramm für Barack Obamas Wahlkampfauftritt an der  Siegessäule in Berlin gespielt. Würden Sie sagen, Sie sind ein  politischer Mensch?

Patrice: Eigentlich nicht. Ich habe sonst nie vor Politikern oder  Parteien gespielt. Aber Barack Obama galt vor seiner Wahl zum  US-Präsidenten als ein »Heiland« in der Politik. Er hat damals  unglaublich viele Menschen inspiriert. Ich hatte damals die Gelegenheit,  kurz mit Barack Obama zu sprechen. Wir haben auch einige  Erinnerungsfotos gemacht. Ich habe ihn als sehr sympathischen Menschen  in Erinnerung. Gleichzeit gab er sich als routinierter Politprofi, der  genau weiß, in welcher er Situation er wie zu reagieren hat.

Sie haben sich 2014 bei der Neuauflage des Band Aid Projekts in  Deutschland zugunsten der Ebola-Opfer in Afrika zunächst eingebracht,  dann distanziert. Warum?

Patrice: Mein Vater kommt aus Sierra Leone. Das Leid der Menschen  insbesondere in seinem Heimatland hat mich sehr betroffen gemacht. Als  ich gefragt worden bin, ob ich bei Band Aid mitmachen will, habe ich  gedacht, das ist bestimmt eine gute Sache. Ich muss im Nachhinein sagen,  dass ich das nicht gut genug geprüft habe. Über das zum Song entstandene  Video bin ich sehr verärgert. Hier wird zu Beginn eine grausam von Ebola  gezeichnete Frau gezeigt. Ihr wird jegliche Menschenwürde genommen. Im  Video folgen direkt darauf Bilder von Künstlern im Studio, die sich  anlachen. Das ist absurd und  passt für mich absolut nicht zusammen. Und  das habe ich auch anschließend öffentlich gesagt. Ich hätte mir übrigens  gewünscht, dass ich nicht der einzige gewesen wäre.

Bereits seit Sommer 2013 ist Ihr Album »The Rising Of The Son« auf dem  Markt. Sind neue Songs in Arbeit?

Patrice: Ein Album ist in Vorbereitung. Darauf wird es drei neue Songs  geben. Eine erste Single wird hoffentlich Ende August herauskommen. Die  werde ich auch beim Parklichter Open Air – wahrscheinlich ganz am Ende  meines Auftritts  – spielen. Ansonsten sind auf dem Album einige  Klassiker vom Beginn meiner Karriere, die wir neu aufgenommen haben.  Davon unabhängig wird demnächst der Mitschnitt von einem Live-Konzert in  Paris auf CD veröffentlicht.

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