Schwerpunkt der Bürgerveranstaltung zur städtebaulichen Planung verschiebt sich – etwa 30 Teilnehmer Erste Flüchtlinge in Britensiedlung

Bad Oeynhausen (WB).  Eigentlich sollte es bei einer Bürgerveranstaltung am Donnerstagabend im Rathaus I um die künftige Nutzung der ehemaligen Britensiedlung gehen. Stattdessen stand aber die aktuelle Flüchtlingssituation in Bad Oeynhausen mit im Mittelpunkt. Der Grund: In drei der fünf von der Stadt angemieteten Wohnhäuser im Areal zwischen Portastraße und Gneisenaustraße waren wenige Stunden zuvor die ersten Flüchtlinge eingezogen.

Von Malte Samtenschnieder
Fünf der 33 Wohneinheiten der ehemaligen Britensiedlung hat die Stadt zur vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Die ersten Asylbewerber sind am Donnerstag in drei der fünf Häuser zwischen Porta- und Gneisenaustraße eingezogen.
Fünf der 33 Wohneinheiten der ehemaligen Britensiedlung hat die Stadt zur vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Die ersten Asylbewerber sind am Donnerstag in drei der fünf Häuser zwischen Porta- und Gneisenaustraße eingezogen. Foto: Claus Brand

Zu Beginn der Versammlung, an der etwa 30 interessierte Bürger teilnahmen, führte Arnold Reeker, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, aus städtebaulicher Sicht in die Planung für die ehemalige Britensiedlung ein. »Die 33 Wohneinheiten mit einer Gesamtwohnfläche von 3150 Quadratmetern wurden in den Jahren 1955 bis 1957 gebaut«, erläuterte Arnold Reeker. Die 18 Doppelhaushälften, zwölf Reihenhäuser und drei Einfamilienhäuser seien auf einer Gesamtfläche von 14000 Quadratmetern angeordnet. Der Fachbereichsleiter: »Das Besondere an der ehemaligen Britensiedlung ist, dass sie ein zusammenhängendes Erscheinungsbild hat.«

Nach dem Abzug der britischen Armee seien die 33 Wohneinheiten in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) übergegangen. Dieser Behörde gegenüber habe die Stadt Bad Oeynhausen ihr Erstzugriffsrecht angemeldet. »Wir haben das damit begründet, dass wir in der ehemaligen Britensiedlung Wohnraum für junges Wohnen schaffen möchten«, erläuterte Arnold Reeker. Derzeit werde ein Wertgutachten für die ehemalige Britensiedlung erstellt, das im Herbst vorliegen solle. »Das dient uns als Entscheidungsgrundlage, ob wir das Erstzugriffsrecht auch ausüben«, sagte der Fachbereichsleiter.

Mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan seien bereits Ende 2014 erste Weichen gestellt worden. »Dieser soll sicherstellen, dass die Struktur des Wohngebietes erhalten bleibt«, sagte Arnold Reeker. Gleichzeitig biete der Bebauungsplan aber auch Spielraum für Überlegungen, wie sich die kleinen Häuser sukzessive erweitern ließen. »Deshalb ist die Britensiedlung auch als Projekt in das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) aufgenommen worden«, betonte der Fachbereichsleiter.

Wolfgang Budde (von links), Arnold Reeker, Gabriele Schmidt und Klaus Mueller-Zahlmann haben bei einer Bürgerversammlung über die Zukunft der Britensiedlung informiert. Foto: Malte Samtenschnieder

Wie Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann erläuterte, handele es sich bei diesen Planungen um langfristige Überlegungen. Bei der Nutzung von derzeit maximal fünf ehemaligen Britenhäusern als Flüchtlingsunterkünfte handele es sich dagegen um ein vorübergehendes Phänomen. »Der Zustrom von Flüchtlingen – auch nach Bad Oeynhausen – nimmt kontinuierlich zu«, sagte Wolfgang Budde, Fachbereichsleiter Jugend, Soziales und Schulen. Hätten 2013 insgesamt 67 Flüchtlinge untergebracht werden müssen, seien es 2014 bereits 134 gewesen. »Für das Jahr 2015 verzeichnen wir bislang 108 Flüchtlinge«, ergänzte Wolfgang Budde. Die Prognose fürs ganze Jahr liege bei »210 Flüchtlingen plus X«.

Da die Gemeinschaftsunterkunft an der Mindener Straße, von der aus die Neuankömmlinge so schnell wie möglich in dezentrale Wohnungen im gesamten Stadtgebiet vermittelt werden, an ihre Kapazitätsgrenzen stoße, sei die Stadt gezwungen, nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen. Zu diesem Zweck seien fünf der 33 Wohneinheiten in der Britensiedlung von der BIMA angemietet worden. »Dass seit heute Flüchtlinge in drei der Häuser untergebracht sind, ist Zufall«, sagte Wolfgang Budde.

Den Vorwurf, die Anwohner seien im Vorfeld nicht ausreichend über die Pläne der Stadt informiert worden, wies Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann zurück. Gleiches tat Fachbereichsleiter Wolfgang Budde mit der Befürchtung eines Versammlungsteilnehmers, durch die von Flüchtlingen genutzten Wohnungen könne es zu einer Ghetto-Bildung kommen. Auch die Betreuung der Asylbewerber sei gewährleistet. Zu diesem Zweck arbeite die Stadt etwa mit dem Diakonischen Werk zusammen.

Klaus Mueller-Zahlmann betonte, dass die fünf Häuser in der Britensiedlung nur für die vorübergehende Betreuung von Flüchtlingen genutzt werden sollen. Eine Anmietung weiterer Häuser zu diesem Zweck könne er nicht ausschließen. »Geplant ist das aber nicht«, betonte der Bürgermeister.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.