Vokalensemble Singer Pur gestaltet faszinierendes Passionskonzert in der Eidinghausener Kirche Aus der Finsternis in das Licht

Bad Oeynhausen (WB). Mit Bravour ist es dem Vokalensemble Singer Pur am Samstag gelungen, die hohen Erwartungen der 250 Zuhörer in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen zu erfüllen. Für ein faszinierendes Konzerterlebnis mit dem Titel »Dein Glanz all Finsternis verzehrt – Johann Sebastian Bach und das 21. Jahrhundert« dankten die versammelten Klassikfreunde mit viel Beifall.

Von Malte Samtenschnieder
Unter dem Titel »Dein Glanz all Finsternis verzehrt – Johann Sebastian Bach und das 21. Jahrhundert« haben Claudia Reinhard, Klaus Wenk, Markus Zapp, Manuel Warwitz, Reiner Schneider-Waterberg und Marcus Schmidl ein faszinierendes Konzert in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen gestaltet.
Unter dem Titel »Dein Glanz all Finsternis verzehrt – Johann Sebastian Bach und das 21. Jahrhundert« haben Claudia Reinhard, Klaus Wenk, Markus Zapp, Manuel Warwitz, Reiner Schneider-Waterberg und Marcus Schmidl ein faszinierendes Konzert in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen gestaltet. Foto: Malte Samtenschnieder

»Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, dieses herausragende Vokalensemble für seinen ersten Auftritt nach Bad Oeynhausen zu holen«, sagte Organisator Hartmut Birkelbach zu Beginn. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eidinghausen-Dehme und das Kulturreferat im evangelischen Kirchenkreis Vlotho hätten die Veranstaltung aber nur mit Unterstützung verschiedener großzügiger Sponsoren auf die Beine stellen können.

Bei ihrem Auftritt in Eidinghausen präsentierten die Mitglieder des Ensembles – neben der Sopranistin drei Tenöre, ein Bariton und ein Bass – ein speziell für die Passionszeit zusammengestelltes Programm. Während des 75-minütigen Vortrags verwoben sie großartige Werke von Johann Sebastian Bach mit aparten zeitgenössischen Kompositionen zu einem Gesamtkunstwerk geistlicher Musik.

Fein austarierte Dynamik

Von der ersten bis zur letzten Note machten Claudia Reinhard, Klaus Wenk, Markus Zapp, Manuel Warwitz, Reiner Schneider-Waterberg und Marcus Schmidl deutlich, wie es sich anhört, wenn einzelne Gesangsstimmen im Verlauf einer intensiven langjährigen Zusammenarbeit zu einer homogenen Einheit verschmelzen. Klare Aussprache, fein austarierte Dynamik, dazu ein gemeinsames Grundempfinden sowohl für die Ansprüche der Bachschen Choräle als auch für die Erfordernisse der zeitgenössischen Vokalwerke – die Mitglieder von Singer Pur ließen keine technischen Unsicherheiten aufkommen. Zum einmaligen Erlebnis wurde ihr Vortrag aber erst dadurch, dass sie ihre Herzen bei der Interpretation aller Werke auf der Zunge trugen und den Zuhörern so ein vollständiges Eintauchen in die reichhaltigen, hochemotionalen Klänge ermöglichten.

Anhand bekannter Bach-Choräle führte Singer Pur seine aufmerksamen Zuhörer aus der Dunkelheit (»Komm, o Tod, du Schlafes Bruder«, »O finstre Nacht«) bis ins Licht (»Die güldne Sonne«, »Dein Glanz all Finsternis verzehrt«). Die Kompositionen des Altmeisters bildeten aber nicht nur den roten Faden durch das Konzertprogramm. Zwischen den bisweilen recht avantgardistischen Klangkunstwerken von Arvo Pärt, Wolfgang Rihm, Raitis Grigalis, Laurence Traiger und Hans Schanderl kam ihnen in gewisser Weise eine neutralisierende Funktion zu.

Auch die Bitte des Ensembles, nicht zwischen den einzelnen Stücken zu applaudieren, machte vor diesem Hintergrund Sinn: Die Zuhörer hatten in den Pausen Ruhe, um das Gehörte zu verarbeiten.

Die eingeschobenen Kompositionen aus dem 21. Jahrhundert verliehen dem Konzert eine hohe Farbigkeit. Sowohl bei Pärts »Memento« und »Most Holy Mother of God« als auch bei Rihms »Velum templi« zeigten die Sänger beispielhaft auf, dass die heutige Tonsprache mehr als gewöhnliche Dur-Moll-Harmonik umfasst. Gewagte klangliche und rhythmische Verschiebungen bestimmten Grigalis' »Es sang vor langen Jahren« nach einem Text von Brentano. Sanftes Prickeln auf der Haut vermittelten die Sänger mit Traigers »Süß ist das Licht«, fast geräuschhaft ging es danach bei Schanderls »Einmal wandelt Läuten durch mich hin« zur Sache.

Für den tosenden Schlussapplaus dankten die Sänger mit einem Choral von Heinrich Schütz.

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