WB-Leserin regt im Internet Debatte über die Qualität der Gastro-Betriebe in der Kurstadt an Die Kirschen des Anstoßes

Bad Oeynhausen (WB). Diese Internet-Diskussion wird einigen Bad Oeynhausener Gastronomen nicht schmecken. Weil WESTFALEN-BLATT-Leserin Laura M. (Name geändert) bei einem Restaurantbesuch in der Kurstadt vor kurzem schlechte Erfahrungen gemacht hat, verschaffte sie in ihrem Ärger auf Facebook Luft. Ein paar Kirschen spielen bei der Online-Debatte eine wichtige Rolle.

Von Daniel Salmon
Ein paar Kirschen haben in einer lokalen Facebook-Gruppe für eine hitzige Debatte über die Qualität der Gastro-Szene gesorgt.
Ein paar Kirschen haben in einer lokalen Facebook-Gruppe für eine hitzige Debatte über die Qualität der Gastro-Szene gesorgt. Foto: Daniel Salmon

Denn die wurden der zweijährigen Tochter von Laura M. zum Nachtisch serviert – mit Vanilleeis und in Alkohol getränkt. »Ich will ja niemanden an den Pranger stellen. Aber so was geht ja wohl gar nicht«, sagt die 35-Jährige, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Dessert mit Alkohol für Zweijährige

Mit Kind und Kegel war die Frau zu einer Familienfeier in einer Gaststätte in einem Bad Oeynhausener Ortsteil eingeladen worden. »Wir merkten gleich, dass viele Gerichte nicht mit frischen Lebensmitteln, sondern mit Tiefkühlware zubereitet waren«, schildert Laura M. und fährt fort: »Das Dessert hat uns die Bedienung dann auch serviert und alles wortlos auf dem Tisch gestellt.« Doch der zweijährigen Tochter schmeckte die Nachspeise nicht – wegen des starken Alkoholgeschmacks. »Als ich die Kellnerin darauf angesprochen habe, meinte die nur: ›Ist doch alles verkocht‹«, sagt die empörte Mutter. Sie ergänzt: »Wenn mir etwas schmeckt, lobe ich das Personal auch. Aber so etwas finde ich unmöglich.«

Im Anschluss an den Restaurantbesuch postete die 35-Jährige in einer regionalen Gruppe des Sozialen Netzwerks Facebook ihre negativen Erfahrungen. »Was bitte ist nur los in der Bad Oeynhausener Gastronomie?«, wollte sie wissen Zahlreiche User beteiligten sich daraufhin an der Diskussion. »Deckt sich leider in breiter Front mit den eigenen Erfahrungen. Die Tüten- und Dosen-Warmmacher scheinen in der Überzahl«, schrieb ein Diskussionsteilnehmer. »Du hast so recht. Vernünftig essen ist hier in der Gegend vorbei«, monierte ein anderer. »Dann musst Du halt einfach etwas mehr Geld investieren und in ein ordentliches Restaurant gehen. Ich hab ganz andere Erfahrungen hier in Bad Oeynhausen gemacht«, so ein weiterer User.

»Auf jeden Fall darf es nicht passieren, dass Kindern Alkohol serviert wird. Da muss das Servicepersonal doch nachfragen. Das ist einfach eine Nachlässigkeit«, sagt Uwe Pape, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) für die Kreise Minden-Lübbecke und Herford. Das Argument der Kellnerin, der Alkohol wäre verkocht, will der 55-Jährige, der in seinem Einzugsgebiet mehr als 500 Gastro-Betriebe und Hotels betreut, nicht gelten lassen. »Wird der Alkohol erst spät zu der Soße hinzu gegeben, verkocht da fast gar nichts!«

Auch zum Vorwurf der WB-Leserin, es seien größtenteils keine frischen Zutaten für das Menü verwendet worden, hat der Experte eine Meinung. »Wenn die Preise sehr niedrig sind, kann sich der Gast schon ausrechnen, dass einige Fertigprodukte zum Einsatz gekommen sind.« Qualität habe schließlich ihren Preis. »Ein frisches Wiener-Schnitzel mit Beilagen gibt es in der Regel nicht für neun Euro. Bei dem Preis kommen die Bratkartoffeln meistens aus der Tüte«, so Pape.

Bezeichnungen auf Speisekarten teils irreführend

Der Fachmann betont aber: »Es ist ja nicht verwerflich, wenn man auch mal Fertigprodukte einsetzt. Viele Gastronomen machen aber den Fehler, dass sie ihre Speisen als ›selbstgemacht‹ anpreisen, obwohl sie es gar nicht sind. Doch wenn der Kartoffelsalat zugekauft aus dem Eimer kommt, geht das natürlich gar nicht!« Auch wenn nur einige Teile des Gerichts mit zugekaufter Ware verfeinert werden, seien derartige Bezeichnungen schlichtweg irreführend. »Da gibt es teilweise blumige Beschreibungen«, weiß der DEHOGA-Kreisgeschäftsführer. In höherpreisigen Restaurants dürfe der Kunde dann davon ausgehen, dass auch tatsächlich ausschließlich frische Zutaten auf den Tellern landen.

Doch was muss man für ein frisch geklopftes Wiener Schnitzel mit selbst geschnippelten und krossen Bratkartoffeln denn nun bezahlen? »16 bis 17 Euro wären ein reeller Preis für ein solches Gericht«, meint Uwe Pape, selbst gelernter Koch.

Kommentare

Ich hab heute morgen beim Fleischer (also nicht Supermarkt) drei Schnitzel und etwas Wurst für 8,75 EUR gekauft. Zugegeben ich muß sie jetzt selbst panieren und braten, was mich noch 2 Eier, etwas Mehl und Paniermehl und etwas Sonnenblumenöl kostet. Die Kartoffeln vernachlässige ich jetzt mal. Jetzt die Frage: Warum sollte ich mit einer Kleinfamilie 51 Euro für 3 Schnitzel mit Bratkartoffeln bezahlen? Etwa weil ich danach nicht abwaschen muß?

Falscher Alarm

»Was bitte ist nur los in der Bad Oeynhausener Gastronomie?«

Diese Frage ist schon ziemlich bescheuert. Die Dame hat in einem Lokal eine für sie schlechte Erfahrung gemacht und will darüber eine Grundsatzdiskussion lostreten, um sich in ihrem Frust bestätigen zu lassen. Aber dazu lässt sich doch überhaupt nichts sagen, weil man nicht weiß, was das Essen kostete, welche Missverständnisse zwischen Gast und Personal es gab etc. Von daher ist auch dieser WB-Artikel recht überflüssig, oder dient er dazu, den Lesern gesunden Menschenverstand beizubringen (z.B.: Wer billig will bekommt auch billig.)?

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