Suizid: Maira Stork will mit ihrem Buch Hinterbliebenen Mut machen »Du wirst wieder glücklich sein«

Schlangen (WB). 2015 erfährt Maira Stork, dass ihre Mutter sich das Leben genommen hat. »Die Nachricht ist der Moment, in dem sich das ganzes Leben ändert«, sagt die Schlängerin heute. Über ihren persönlichen Trauerprozess von diesem Moment an bis zu der Erkenntnis, du wirst wieder glücklich sein, hat die 26-Jährige ein Buch geschrieben.

Von Sonja Möller
Maira Stork hat ihr Buch »Seitdem ist alles anders« in der Schlänger Buchhandlung Nicolibri vorgestellt. Die Schlängerin erzählt darin ihre Geschichte und möchte durch einen Suizid Betroffenen Mut machen, sich ihrer Trauer zu stellen.
Maira Stork hat ihr Buch »Seitdem ist alles anders« in der Schlänger Buchhandlung Nicolibri vorgestellt. Die Schlängerin erzählt darin ihre Geschichte und möchte durch einen Suizid Betroffenen Mut machen, sich ihrer Trauer zu stellen. Foto: Sonja Möller

Das Buch »Seitdem ist alles anders« ist im Bonifatius-Verlag Paderborn erschienen (ISBN 978-3-89710-739-7). Maira Stork schildert darin sehr offen ihre eigene Geschichte. Kapitel für Kapitel spricht sie über alle Phasen von der Nachricht, der Zeit danach, Erinnerungen bis hin zum Weiterleben. Ohne zu beschönigen. Ohne etwas zu verschweigen. Stattdessen macht sie mit sehr viel Einfühlungsvermögen jedem Leser Mut, sich mit seiner Trauer auseinanderzusetzen. Schritt für Schritt.

Maira Stork hat sich bereits drei Wochen nach dem Selbstmord ihrer Mutter Hilfe bei Lydia Willemsen geholt. Sie ist Sozialtherapeutin und Trauerbegeleiterin beim Caritasverband Paderborn. »Ich habe gemerkt, alleine schaffe ich das nicht«, erzählt Stork. Im Buch beschreibt sie Willemsen als ihre Wegbegleiterin.

Noch heute treffen sich die beiden Frauen, wenn Maira Stork Bedarf hat zu reden. Die Schlängerin weiß aber: Nicht jeder hat die Kraft dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. »Es ist ein langer und schwerer Weg, für den man irgendwann den ersten Schritt gehen muss«, beschreibt sie es im Vorwort. Die Autorin möchte ihre Leser mit ihrem Buch auf diesem Weg begleiten.

Die 26-Jährige sieht ihr Buch als Begleiter während der Phase der Aufarbeitung

Ein halbes Jahr nach dem Tod ihrer Mutter besuchte Maira Stork die Jahrestagung des Vereins Agus (Angehörige um Suizid) in Bayern. Dort trafen sich etwa 150 Menschen, die selbst von einem Suizid betroffen waren. Es gab Vorträge und es wurde in kleinen Gruppen gesprochen. »Dabei habe ich gemerkt, wie gut es mir tut, mich mit anderen auszutauschen, die das Gleiche erlebt haben«, erzählt sie. In ihrem Buch beschreibt sie es so: »Egal, in wessen Augen ich schaute, ich wusste, dass er oder sie mich verstand.«

Die Schlängerin fühlte sich für dieses eine Wochenende wieder als Teil einer Gruppe, nicht mehr so, als könne sie nicht dazu gehören. Als wäre sie ein Fremdkörper. »Das tat mir so gut«, erinnert sie sich noch heute.

Damals reifte in ihr der Entschluss, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben und mit anderen Betroffenen zu teilen. Ihnen Mut zu machen, den Weg der Trauerbewältigung zu gehen. Schritt für Schritt. »Ich bin bereits drei Wochen nach dem Tod meiner Mutter zur Trauerbegleiterin gegangen und habe mit ihr zusammen alles aufgearbeitet. Aber nicht jeder kann sofort professionelle Hilfe in Anspruch nehmen«, weiß sie. Jeder gehe seinen eigenen Weg in seinem eigenen Tempo.

Die 26-Jährige sieht ihr Buch als Begleiter während der gesamten Phase der Aufarbeitung. »Es ist nicht ein Buch, dass man in eins durchliest. Es kann gut sein, dass man am Anfang zum Beispiel für das letzte Kapitel ›Weiterleben‹ noch nicht offen ist«, beschreibt sie: »Es macht Sinn, wenn man die Kapitel über einen längeren Zeitraum liest und das Buch auch mal zur Seite legt.«

Pro Jahr gibt es in Deutschland 10.000 Selbstmorde

Die Kapitel sind klar untergliedert. In jedem Abschnitt erzählt Maira Stork ihre eigene Geschichte offen und ohne falsch verstandene Zurückhaltung. »Ich reflektiere, was mir in der Situation geholfen hat. Und ich versuche, Hilfestellungen zu geben«, erzählt sie im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Im Buch finden sich auch viele Übungen, die ihr persönlich weitergeholfen haben. Lektorin Claudia Auffenberg sagt: »Pro Jahr gibt es in Deutschland 10.000 Selbstmorde. Das ist eine der häufigsten Todesursachen. Aber es gibt nicht viel Literatur zu dem Thema. Mairas Buch ist sehr authentisch und persönlich.«

Auch die Autorin ist »total zufrieden« mit dem Ergebnis. Das Buch-Cover ziert ein Bild, das ihre Mutter gemalt hat. »Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Es ist schön zu wissen, dass so viele ihr Bild sehen und überall ein Teil von ihr ist«, sagt sie. Maira Stork möchte mit ihrer Geschichte möglichst viele unterstützen und dabei vor allem eine Botschaft vermitteln: »Du wirst wieder glücklich sein. Und: Du darfst auch wieder glücklich sein.«

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