Alpaka-Experte Uli Baum macht auf seiner Scher-Tour Halt im Emkental »Das Vlies der Götter« muss runter

Schlangen (WB). Onkel Krischan hat die haarige Prozedur bereits hinter sich. Seinem Stallnachbarn Kuno steht sie noch bevor. Einmal im Jahr geht Uli Baum auf große Scher-Tour. Station macht der 55-Jährige dabei auch im Emkental in Schlangen, um die fünf Alpakas von Diana Lukas und Martin Runte von ihrer mächtigen Haarpracht zu befreien.

Von Klaus Karenfeld
Im fröhlichen Dreiklang (von links): Die Alpakas Anna, Nicki und Anton sind schon fertig. Uli Baum hat sie bereits von der wärmenden Haarpracht befreit. Einmal im Jahr werden die Alpakas geschert. Ihr Fell wird auch das »Vlies der Götter« genannt und ist bei Kunden sehr beliebt.
Im fröhlichen Dreiklang (von links): Die Alpakas Anna, Nicki und Anton sind schon fertig. Uli Baum hat sie bereits von der wärmenden Haarpracht befreit. Einmal im Jahr werden die Alpakas geschert. Ihr Fell wird auch das »Vlies der Götter« genannt und ist bei Kunden sehr beliebt. Foto: Jörn Hannemann

Uli Baum war früher einmal Tierpfleger im Zoo in Hannover. Inzwischen betreibt er im brandenburgischen Seglitz den Alpakahof Ruppiner Land. Im April eines jeden Jahres verlässt er Haus und Hof und geht auf große Scher-Tour durch halb Deutschland. Wer seine Dienste in Anspruch nehmen will, muss sich frühzeitig anmelden. Denn Uli Baum ist ein gefragter Mann.

Baum: »Jährliche Fellschur im Frühjahr ist zwingend notwendig.«

»Die jährliche Fellschur im Frühjahr ist zwingend notwendig«, erläutert der Alpaka-Experte gleich zu Beginn des SZ-Gesprächs: »Ein Sommer ohne Schur wäre für die Tiere eine zu große körperliche Belastung.«

Diana Lukas und Martin Runte halten fünf Alpakas direkt neben ihrem Wohnhaus auf einer etwa einen Hektar großen Weide. Onkel Krischan ist mit acht Jahren der älteste von ihnen, auf gerade einmal zwei Jahre bringt es Nesthäkchen Anton.

Uli Baum ist im Emkental ein gern gesehener Gast. »Seine einfühlsame Art im Umgang mit den sensiblen Tieren beeindruckt mich immer wieder aufs Neue«, lobt Diana Lukas. Aber nicht nur das: Uli Baum verfüge auch über ein umfassendes Fachwissen.

Baum: »Haarkleid gleicht einem Teppich und wird als Vlies bezeichnet«

Und so wird jeder Besuch im Emkental auch zu einer ganz besonderen Lehrstunde. Dabei räumt Uli Baum mit so manchem Missverständnis auf: »Anders als Schafe liefern Alpakas keine Wolle. Ihr dichtes Haarkleid gleicht einem Teppich und wird deshalb zu recht auch als Vlies bezeichnet«, sagt er.

Die Schur selbst wird per Hand mit einer elektrischen Schafschere vorgenommen. Als Erster ist an diesem Nachmittag Onkel Krischan an der Reihe. Diana Lukas, Martin Runte und Uli Baum sind ein seit vier Jahren eingespieltes Team. Ein schneller zupackender Griff genügt, und schon wird Onkel Krischan seitlich auf einen langen Tisch gelegt; anschließend müssen noch seine Beine gestreckt und fixiert werden.

»So gelingt es, das Tier zügig, vor allem aber auch stress- und verletzungsfrei zu scheren«, weiß Uli Baum weiter zu berichten. Zum Abschluss werden noch die Zehnägel geschnitten und wenn nötig auch die Schneidezähne gekürzt.

Nach 45 Minuten ist alles vorbei

Diana Lukas streichelt Onkel Krischan derweil immer wieder beruhigend über den Kopf. Nach 45 Minuten ist alles vorbei. Martin Runte stopft das Vlies vorsichtig in einen blauen Beutel. Der Ertrag ist mit etwas mehr als drei Kilogramm üppig.

In diesem Zusammenhang lässt Uli Baum eines bewusst nicht unerwähnt: »Die Edelfaser der Alpakas zählt neben Kaschmir zu den kostbarsten der Welt.« Nicht ohne Grund werde es gerne auch als »das Vlies der Götter« bezeichnet. Denn: »Es ist antiallergen, temperaturregulierend, nicht fetthaltig und durch den geringen Lanolingehalt bestens für Allergiker und Rheumatiker geeignet.«

Diana Lukas schickt das gesamte Vlies nur wenig später in eine brandenburgische Bettenwarenmanufaktur. Die Weiterverarbeitung dort erfolgt weitgehend in Handarbeit. Doch bevor es dazu kommt, muss die Edelfaser gewaschen und gereinigt werden. »Nur rein pflanzliche Waschmittel kommen dabei zum Einsatz«, betont die Firma. Es folgt ein aufwendiger Trocknungsprozess. Nach dessen Ende werden die losen Fasern kadiert (umgekrempelt) und zu einem Vlies aufgeschichtet. »Und daraus können dann die unterschiedlichen Bettwaren wie Steppbettdecken oder Kopfkissen hergestellt werden«, so Diana Lukas.

Käufer finden sich schnell. »Ich habe bis heute keine große Werbung machen müssen. Schon ein wenig Mund-Propaganda reichte aus, und die ersten Interessenten standen vor meiner Haustür«, weiß die Alpaka-Besitzerin abschließend zu berichten.

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