WESTFALEN-BLATT-Leser spenden für todkranke Yvonne Dudding aus Schlangen Die Kämpferin sagt danke

Schlangen (WB). Das Schicksal der krebskranken Yvonne Dudding aus Schlangen (Kreis Lippe) hat viele berührt. Die 29-Jährige hat ein Gallengangskarzinom und nur noch etwa ein Jahr zu leben. So wenig Zeit für all ihre Wünsche. Auch das Geld fehlte der jungen Mutter. Das ist jetzt anders: WESTFALEN-BLATT-Leser haben mehrere zehntausend Euro gespendet.

Von Sonja Möller
Yvonne Dudding ist überglücklich: So viele meist unbekannte Menschen haben der krebskranken Frau Geld gespendet. Damit möchte sie in der ihr verbleibenden Zeit noch möglichst viele Wünsche verwirklichen.
Yvonne Dudding ist überglücklich: So viele meist unbekannte Menschen haben der krebskranken Frau Geld gespendet. Damit möchte sie in der ihr verbleibenden Zeit noch möglichst viele Wünsche verwirklichen. Foto: Besim Mazhiqi

Yvonne Dudding ist überwältigt: »Ich weiß nicht, was ich sagen soll. So viele haben so viel gegeben, obwohl sie mich nicht kennen. Ein Danke reicht da gar nicht aus«, sucht sie nach Worten.

Spenden von mehreren zehntausend Euro gesammelt

Die Frau lebt bis Oktober 2017 mit ihrem Mann Jamie und ihren Söhnen Taylor (4) und Riley (2) in Schlangen ein ganz normales Leben. Die Diagnose »unheilbarer Krebs« trifft sie völlig unvorbereitet. Plötzlich hat sie nur noch ein Jahr. Finanziell vorgesorgt hat die junge Familie nicht. Dank der Hilfe der WESTFALEN-BLATT-Leser muss sich Yvonne Dudding nun um Geld keine Gedanken mehr machen: »Auf meinem Konto ist eine fünfstellige Summe eingegangen. Ich bin sprachlos.«

Die zierliche Frau sieht sehr glücklich aus, als sie von all den Spendern erzählt: »So viele fremde Menschen auch von weiter weg haben Geld überwiesen. Sie kennen mich gar nicht und unterstützen mich. Viele schreiben auch so tolle Sachen dazu.«

Und auf einmal fühlen sich Yvonne Dudding und ihre Familie nicht mehr so allein. Via Facebook kommen aufmunternde Nachrichten, zum Beispiel von ehemaligen Schulkameraden. »Das hat mich besonders berührt. Die habe ich teilweise 15 Jahre oder länger nicht mehr gesehen und dann melden die sich«, erzählt sie.

Gutscheine und Geschenke für die Kinder

Auch persönlich wird Yvonne Dudding angesprochen: »Eine Frau ist vorbeigekommen und hat mir einen Gutschein fürs Essen beim Chinesen gebracht. Und Geschenke für die Kinder.« Nicole Richter hat Handarbeitsartikel für die krebskranke Frau versteigert. Eine andere Frau will der Familie ihr Ferienhaus an der Ostsee zur Verfügung stellen. Die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe »Ja zum Leben – Frauen nach Krebs« haben spontan jeder etwas gegeben und 300 Euro weitergeleitet.

Eine Naturprodukte-Firma aus Paderborn hat Yvonne Dudding und ihre Schwestern zu einem Wellnessabend nach Ladenschluss eingeladen: »Damit wir alle mal ein bisschen verwöhnt werden«, erzählt sie. Einfach mal ein Mädelsabend zum Wohlfühlen. »Goeken backen« hat an zwei Tagen Waffeln für Yvonne Dudding verkauft und hat die Einnahmen gespendet. Die Mitarbeiter haben dafür jeweils eine Stunde umsonst gearbeitet. So sind 2000 Euro zusammengekommen.

»Ich kann gar nicht alle aufzählen, aber ich bin jedem einzelnen von Herzen dankbar«, sagt sie. Eine Welle der Zuneigung und Unterstützung hat die Schlängerin überrollt und ihr eine große Sorge genommen: die um das Geld. »Wenn ich Appetit habe, kann ich Eis essen gehen oder Chinesisch. Ich muss keine Abstriche mehr machen bei meinen Wünschen.«

2000 Euro für Aktiv-Rollstuhl

Yvonne Dudding hat sich einen Aktiv-Rollstuhl bestellt. In Pink. »Ich kann zwar gehen. Aber wenn ich von morgens an unterwegs bin, fällt es mir schwer. Mir fehlt dann die Kraft. Mit dem Rollstuhl kann Jamie mich überall hinschieben«, erzählt sie glücklich. Etwa 2000 Euro wird dieser kosten. »Normalerweise hätte ich mir das nicht leisten können. Dann wäre ich einfach zu Hause geblieben«, sagt sie. Dank der Spender gewinnt die lebenshungrige Frau ein Stück Freiheit zurück.

Und noch etwas hat sich verändert: die ständige Grübelei, wem sie was erzählt bei der Frage »wie geht’s«. »Nach dem Zeitungsartikel wissen jetzt alle Bescheid, und ich muss nichts mehr erklären«, sagt sie. Die 29-Jährige kann sich voll auf ihre Familie und die Behandlung konzentrieren. Derzeit bekommt Yvonne Dudding täglich Bestrahlung. Alle zwei Wochen steht eine zweitägige Chemotherapie an. Seit vergangenen Dienstag ist sie in einer Klinik in Hannover zur Biopsie: »Mein Tumor wird untersucht. Vielleicht kann ich in eine Studie mit einem neuen Medikament aufgenommen werden«, erzählt sie. Auch die Tace, bei der der Tumor direkt mit Chemotherapie beschossen wird, steht erneut an.

Aufgeben kommt für Yvonne Dudding nicht in Frage. Sie kämpft um jeden Tag: »Es geht immer um mehr Zeit. Zeit ist für mich alles. Ich lebe jeden Tag ganz anders als früher. Viel intensiver. Ich schätze alles viel mehr.«

In dieser Woche möchte Yvonne Dudding einen ihrer großen Wünsche verwirklichen: »Wenn es mir gutgeht, fliege ich mit Jamie nach London«, erzählt sie. Dann erkundet sie eine neue Stadt. Wie eine ganz normale 29-Jährige.

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