Proben für »Herrmännchen und der silberne Sand« laufen – Aufführung in Schlangen im Sommer Kinder entwickeln eigenes Musical

Schlangen (WB). Wenn der lippische Hermann und der Protagonist des orientalischen Märchens Aladin aufeinandertreffen, klingt das nach einer ungewöhnlichen Mischung. Und genau das ist der Aufhänger des neuen Musicals »Hermännchen und der silberne Sand« der Offenen Jugendarbeit Schlangen. Seit August laufen die Proben und Vorbereitungen für das neue Stück.

Von Henrik Köplin
Mit Feuereifer haben diese Jungen und Mädchen das Kindermusical »Hermännchen und der silberne Sand« entwickelt und üben ihre Rollen jetzt immer freitags in der Grundschule am Sennerand. Unterstützt werden sie von einigen Erwachsenen.
Mit Feuereifer haben diese Jungen und Mädchen das Kindermusical »Hermännchen und der silberne Sand« entwickelt und üben ihre Rollen jetzt immer freitags in der Grundschule am Sennerand. Unterstützt werden sie von einigen Erwachsenen. Foto: Hendrik Köplin

Die Geschichte haben die Kinder der Klasse 4A der Grundschule am Sennerand selbst entwickelt. Dem Stück zugrunde liegt der Roman »Nassesand« von 1965, der die Glasbläserei in Schlangen thematisiert. Außerdem geht es um die aktuelle Situation in Syrien. Das Musical möchte den Zuzug und das Zusammentreffen mit Migranten thematisieren.

Die Handlung dreht sich um Aladin, der seinem Gin eine neue Lampenbehausung aus Glas besorgen möchte. Glücklicherweise hat Aladin zusammen mit der Öllampe auch eine Schatzkarte gefunden. Hier verbinden sich der Orient und das Lipperland, denn die Schatzkarte zeigt die südlippische Landschaft mit der Glashütte Nassesand und die Kohlstädter Silbersand-Grube. Aladin und der Gin machen sich auf dem fliegenden Teppich auf nach Lippe.

Die Reise endet abrupt, als das Hermännchen den fliegenden Teppich versehentlich mit Pfeil und Bogen vom Himmel holt. Hermännchen und Aladin werden Freunde und Hermännchen hilft natürlich gerne dabei, eine Glaslampe für den Gin zu beschaffen.

Die Handlung haben die Kinder selbst entworfen

»Einerseits vermitteln wir durch den Hermann und die Schlänger Glasbläser Heimatgeschichte, machen die Kinder aber auch mit aktuellen politischen Ereignissen vertraut«, erläutert Joachim Woite, Leiter der offenen Jugendarbeit Schlangen. Die Handlung haben die Kinder selbst entworfen.

Woite betont, dass die Nachwuchsschauspieler für die Proben ihre Freizeit opfern. Denn die Zeit in der Grundschule am Sennerand gehört nicht zum Unterricht. Geprobt wird jeden Freitag von 11.30 bis 13 Uhr.

»Ich finde es besonders toll, dass unser Musical ein Unikat ist. Statt ein bereits vorhandenes Stück nachzuspielen, ist in der Zusammenarbeit mit den Kindern etwas ganz Neues entstanden«, freut sich Woite. Die Handlung und die dazu passende Musik wurde von den Schülern selbst entwickelt. Vor allem die Flexibilität steht im gesamten Projekt im Vordergrund: »In jeder Probe kann etwas Neues passieren und zur Überraschung werden. Der Weg, etwas selber zu entwickeln, ist zwar schwieriger und kleinschrittiger, aber der Einsatz lohnt sich«, sagt Woite, der seit zehn Jahren Kindermusicals organisiert. Im Fokus steht dabei stets die Auseinandersetzung mit der Schlänger Heimatgeschichte.

Auch den Nachwuchs-Protagonisten merkt man an, dass sie mit Feuereifer bei der Sache sind. Nika hat zusammen mit ihrer Freundin das Lied »Ghostbusters« aus dem gleichnamigen Film auf das Hermännchen umgedichtet. »Wir waren von der Idee so begeistert, dass wir schon auf dem Weg nach Hause mit dem Üben begonnen haben«, erzählt die 10-Jährige.

Alle Rollen sind doppelt besetzt

Für das Stück sind zahlreiche Rollen vorgesehen, die alle doppelt besetzt sind. Neben dem Hermännchen, Aladin und dem Gin, der auch der Erzähler des Stücks ist, gibt es Glasbläser und Tänzerinnen. Hannes, der im Musical den Aladin spielt, freut sich besonders auf die Proben und Gesangseinlagen. Auch einige Breakdance-Figuren gehören zu seiner Rolle.

Das Hermännchen werden Neal (9 Jahre) und Lenny (9) darstellen. Ihnen gefällt vor allem die Vielseitigkeit ihrer Rollen. »Das Hermännchen kann mit Pfeil und Bogen umgehen, das hat es im Workshop im Jugendzentrum Domino gelernt«, berichten die beiden.

Lena (9) gefallen besonders der Bauchtanz und das Singen. Die Idee der Kinder: beim Tanz Tücher zu verwenden. Auch die Technik darf nicht fehlen. Finn übernimmt die Lichteffekte. Joachim Woite sagt: »Letztlich wollen wir die Stärken der Kinder fördern und Lernprozesse anregen, indem sie ihre Rollen selbst entwickeln.«

Die Kostüme entstehen zuhause

Die Kostüme werden in Einzelarbeit zu Hause gestaltet. Das Bühnenbild ist eine weiße Wand, auf die per Beamer die passenden Kulissen-Bilder geworfen werden. Unterstützt wird Woite von einem großen Team aus Musikern, Zeichnern, Fachleuten und Eltern. Andreas Lehnert steht als Musical-Fachmann mit Rat und Tat zur Seite: »Es geht auch darum, sich etwas zuzutrauen und Grenzen zu überwinden wie zum Beispiel bei einer Sologesangseinlage.«

Hendrik Schramm am Schlagzeug, Stephan Haase an der Gitarre und Joachim Woite am Bass spielen die Musik bei der Aufführung live ein. Geplant ist die Premiere des Musicals am 13. Juni in der Grundschule am Sennerand und am 15. Juni in der Grundschule Schlangen. Hierzu sind auch die Bewohner des Seniorenzentrums Lüningshof eingeladen.

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