Regen macht Bauern Sorgen – auch Gülle bleibt im Tank Zu nass zum Säen

Schlangen (WB). Die Landwirte in Deutschland hadern mit dem Wetter. »Die Regenmenge der vergangenen Monate ist schon ungewöhnlich«, meint auch Ortslandwirt Friedel Hörstmeier. Die Folge: Die neue Saat kann erst verspätet ausgebracht werden, ebenso der Dünger.

Von Klaus Karenfeld
Wie bei dieser Wasserlache an der Oberen Straße gut zu sehen ist, sind die landwirtschaftlichen Flächen auch in Schlangen derzeit viel zu nass. Grund hierfür ist der anhaltende Regen, der den Bauern seit Wochen zu schaffen macht.
Wie bei dieser Wasserlache an der Oberen Straße gut zu sehen ist, sind die landwirtschaftlichen Flächen auch in Schlangen derzeit viel zu nass. Grund hierfür ist der anhaltende Regen, der den Bauern seit Wochen zu schaffen macht. Foto: Klaus Karenfeld

Seit dem vergangenen September hat es fast unaufhörlich geregnet. »Die Böden sind so nass, dass an eine Bestellung der Felder bisher nicht zu denken war«, macht Hörstmeier im Gespräch mit dem Westfalen-Blatt deutlich.

Ähnlich sieht das sein Kollege und Obstbauer Wendelin Jelowik: »Obwohl jetzt kalt-trockenes Wetter eingesetzt hat, dürfte es noch etwas dauern, bis die völlig durchnässten Äcker und Felder wieder befahrbar sind.«

Pflanzen sterben aufgrund des Sauerstoffmangels

Auf zahlreichen Flächen haben sich bereits große Wasserlachen gebildet. Mangels Sauerstoff sterben viele Pflanzen in diesen Bereichen ab.

Statt seine Felder zu bestellen, hat Wendelin Jelowik damit begonnen, die Folgen von Orkan »Friederike« zu beseitigen: »Viele Zäune müssen repariert werden.«

Der Obstbauer denkt aber jetzt schon auch an die kommende Erdbeersaison. Zusammen mit mehreren Helfern macht er seine Gewächshäuser wieder einsatzbereit. Unter vielen meterlangen Folientunneln werden dann die neuen Erdbeerpflanzen herangezogen.

Die Landwirte quält noch eine andere Sorge: Schon im Herbst waren die Böden so nass, dass keine Gülle mehr ausgebracht werden konnte. Mit dem Grundwasserspiegel stieg auch der Güllepegel in den Sammelbehältern auf den Höfen. Schweine- und Rindviehhaltern bleibt nur die Hoffnung, dass auf den lang anhaltenden Regen endlich eine längere trockene Phase folgt, die aber nicht zu kalt sein darf. Denn: »Die geltende Düngeverordnung sieht vor, dass wir Mist und Gülle zwar ab dem 1. Februar auf unseren Feldern ausbringen dürfen. Das ist aber nur erlaubt, wenn der Boden nicht tief gefroren ist«, erläutert Hörstmeier.

Auswirkungen auf die Ernte 2018 ungewiss

Ortslandwirt Friedel Hörstmeier

Auch ihm bereitet die aktuelle Situation einiges Kopfzerbrechen: »Die Arbeit staut sich.« Ob und wie sich der verregnete Herbst und Winter auf die Ernte 2018 auswirken werden, lässt sich nach Aussage des Ortslandwirts aktuell allerdings noch nicht sagen.

Obstbauer Wendelin Jelowik steht noch vor einem anderen Problem: »Unsere Obstkulturen befinden sich zurzeit zwar in der Winterruhe. Der Jahreszeit übliche Schnitt von Obstbäumen und Sträuchern wird sich aber verzögern. Dafür muss es längere Zeit trocken sein. Ansonsten können Schnittwunden entstehen, in die Pilze eindringen können.«

Der milde und zu nasse Winter dürfte auch Folgen für Tiere und Insekten haben, die das Getreide schädigen. »Mäuse zum Beispiel finden auf den Feldern kaum noch ein trockenes Plätzchen, erkälten sich und sterben dann nicht selten«, weiß Jelowik zu berichten. Und: »Viele Insekten werden durch die milde Witterung aus ihrem üblichen Winterschlaf gerissen und suchen vergeblich nach Nahrung.«

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