Neu erstellter Gemeindeplan zeigt das ehemalige Dorf Haustenbeck anno 1939 Beitrag gegen das Vergessen

Schlangen/Bielefeld (SZ). Es ist eine ganz besondere Fleißarbeit und ein außergewöhnlicher Beitrag gegen das Vergessen: Ein neu erstellter Gemeindeplan zeigt das ehemalige Dorf Haustenbeck kurz vor seiner Aufgabe im Jahre 1939.

Von Klaus Karenfeld
Ein neu erstellter Gemeindeplan erinnert an Alt-Haustenbeck anno 1939: (von links) Wilfried Kaiser, Volksbankvorstand Wolfgang Hackauf, Thomas Braun, Dieter Kelle, Kartograf Jürgen Rosenberg und Ingeborg Kelle.
Ein neu erstellter Gemeindeplan erinnert an Alt-Haustenbeck anno 1939: (von links) Wilfried Kaiser, Volksbankvorstand Wolfgang Hackauf, Thomas Braun, Dieter Kelle, Kartograf Jürgen Rosenberg und Ingeborg Kelle. Foto: Klaus Karenfeld

Das ehrgeizige wie zeitaufwendige Geschichtsprojekt geht auf die Initiative von Jürgen Rosenberg zurück. Dem Bielefelder Kartografen war bei der Durchsicht alter Senne-Karten das ehemalige Dorf Haustenbeck ins Auge gefallen. »Mein geschichtliches Interesse war geweckt«, erinnert sich Rosenberg im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner führte ihn schließlich über Umwege zu Dieter Kelle, Vorsitzender des Fördervereins Haustenbeck. Dem ersten (Kennenlern-)Treffen im Jahr 2015 sind viele weitere gefolgt. Rosenberg selbst spricht von einer »sehr fruchtbaren« Zusammenarbeit. »Schnell kamen wir überein, einen historisch genauen Gemeindeplan anzufertigen, der Haustenbeck kurz vor Aufgabe des Dorfes im Jahre 1939 zeigt.«

Farbkarte zeigt auch Verkehrswege und topografische Besonderheiten

Die selbst gesetzte Messlatte war hoch gelegt. Auf der Farbkarte sollten nicht nur die damals 222 Wohnhäuser verzeichnet sein, sondern auch die seinerzeitigen Verkehrswege und topografischen Besonderheiten wie die weitläufige Heidelandschaft mit ihren Bachläufen und Hügeln.

Der Ehrgeiz von Dieter Kelle reichte aber noch weiter. In aufwendigen Archiv-Recherchen und mit Unterstützung ehemaliger Haustenbecker Bürger ist es ihm und Vereinsmitglied Thomas Braun gelungen, jedem Wohnhaus auch den Namen des jeweiligen Hausbesitzers zuzuordnen. Nicht selten gelang es sogar, den letzten Mieter ausfindig zu machen. Die Namen sind in Form einer Legende direkt unter dem Gemeindeplan abgedruckt.

»Bei der Arbeit an der Karte«, so Dieter Kelle, »ist mir noch einmal bewusst geworden, wie vielfältig unser Dorfleben bis zuletzt war. Wir hatten beispielsweise einen Arzt, einen Apotheker, eine Schule, einen Kindergarten, eine Kirche sowie ein gut gehendes Kolonialwarengeschäft. Und nicht zu vergessen: Unser Dorf hatte eine sehr lebendige Vereinswelt.« Das alles war ab Ende 1939 Geschichte.

Die neue Karte hat Jürgen Rosenberg schließlich an seinem Computer gezeichnet. Für den aufwendigen Druck auf hochwertigem Papier zeichnete die Firma »mediaprint – Graphisches Institut Eckmann« aus Paderborn verantwortlich.

Karte hängt in der Schalterhalle der Volksbank Schlangen zur Ansicht

Die ersten Anschauungsobjekte des Haustenbecker Gemeindeplans sind ab sofort in der Schalterhalle der Volksbank Schlangen zu sehen und können hier auch vorbestellt werden.

»Wir haben uns für zwei unterschiedliche Kartengrößen entschieden«, sagt Dieter Kelle. »Das kleinere Format im Alu-Rahmen ist 50 mal 70 Zentimeter groß und kostet 42,50 Euro. Das größere bringt es auf die Maße 70 mal 84 Zentimeter und ist für 120 Euro zu haben.«

In der Schalterhalle zu sehen ist auch eine Gemeindekarte, die Haustenbeck im Jahre 1895 zeigt. Auffällig dabei: Das lippische Dorf war am Ende des 19. Jahrhunderts noch sehr dünn besiedelt. Es gab nur überschaubar wenige Häuser und Gehöfte. »Der Vergleich der Karten macht deutlich, welche Entwicklung unser Dorf in den folgenden 40 Jahren genommen hat«, betont Dieter Kelle abschließend.

Der Erlös aus dem Verkauf der Karten soll – abzüglich der Produktionskosten – der Pflege und Erhaltung von Alt-Haustenbeck zugute kommen; insbesondere der unter Denkmalschutz stehenden Kirchenruine.

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