Traditionsverein Teutonia Schlangen steht nach 156 Jahren vor dem Aus Das Ende vom Lied

Schlangen (WB). Im Volksglauben bedeutet Freitag, der 13., nichts Gutes: An diesem Tag sollen besonders viele Unglücke passieren, heißt es. Für den Gesangverein Teutonia Schlangen bleibt das Datum auch in keiner guten Erinnerung: Die Mitglieder haben Freitag, 13. Januar, die Einstellung des Chorbetriebs beschlossen.

Von Sonja Möller
Diese Frauen von Teutonia Schlangen wollen gerne weiter singen und sind für ihren Probenfleiß ausgezeichnet worden (von links): Gerda Müller, Renate Bernards, Regina Schäferjohann, Hildegard Joachim, Ursula Wischer, Erna Klöpping, Christel Schröder, Ingrid Teich und Brigitte Strohdiek.
Diese Frauen von Teutonia Schlangen wollen gerne weiter singen und sind für ihren Probenfleiß ausgezeichnet worden (von links): Gerda Müller, Renate Bernards, Regina Schäferjohann, Hildegard Joachim, Ursula Wischer, Erna Klöpping, Christel Schröder, Ingrid Teich und Brigitte Strohdiek. Foto: Sonja Möller

Seit 156 Jahren gibt es den Gesangverein Teutonia mittlerweile. Eine lange Tradition. Doch im vergangenen Jahr ließ die Zahl derer, die regelmäßig aktiv sangen, nach. Dies wurde auch deutlich, als die Vorsitzende Renate Bernards die Sängerinnen ehrte, die nur bis zu drei Mal bei den Proben gefehlt hatten. »Ursula Wischer fehlte als einzige bei keiner Chorprobe«, sagte die Vorsitzende, die selbst nur bei einer Probe aussetzen musste. Einmal fehlte zudem Christel Schröder. Zwei Proben verpasste Ingrid Teich. Jeweils dreimal gefehlt haben Gerda Müller, Brigitte Strohdiek (beide Sopran), Hildegard Joachim, Erna Klöpping und Regina Schäferjohann (alle Alt).

Renate Bernards sprach auch über die Fehlzeiten. Vier Sängerinnen haben mehr als 30 Mal bei den insgesamt 38 Proben und zwei Konzerten gefehlt. Zwei Sängerinnen und vier Sänger waren zudem mehr als 20 Mal nicht dabei. »Diese Zahlen haben mich auf den Boden der Tatsachen zurück geholt«, sagte die Vorsitzende: »Die Qualität unseres Singens ist gesunken. Nicht aus Altersgründen, sondern weil viele nicht regelmäßig an den Proben teilnehmen. Ich denke, dass wir deshalb unsere Singfähigkeit verloren haben.« Dies sei der Grund, weshalb die Einstellung des Chorbetriebs zur Diskussion stand.

Dies hat auch Chorleiter Dr. Martin Sabel so beobachtet. Seit nunmehr zwölf Jahren ist er bei Teutonia Schlangen. »Die Fehlquote ist ernüchternd und die Zahlen sind eindeutig«, sagte Sabel. Er hatte die Mitglieder im Vorfeld gebeten, in sich zu gehen und zu überlegen, wie es weitergehen kann. Zwei Wochen später war der Tenor eindeutig. Der Chorleiter: »Viele haben gesagt ›Wir möchten nicht mehr.‹ Das war ein klares Zeichen.«

Im Anschluss signalisierten die Mitglieder Redebedarf. Einigen fiel die Entscheidung sichtlich schwer. Doch letztendlich stimmten sie für die Schließung des Chorbetriebs. »Der Verein wird auch irgendwann aufgelöst. Dazu braucht es laut Satzung aber eine eigens zu diesem Zweck einberufene Versammlung, auf der die Auflösung mit Dreiviertelmehrheit beschlossen wird«, erläuterte Renate Bernhards das weitere Vorgehen. Ein Termin hierfür steht noch nicht fest. Die Vorsitzende will sich damit noch Zeit lassen: »Wir haben keine Eile.«

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