Oliver (8) aus Schlangen packt 50 Päckchen mit Mutmach-Botschaften Geschenke für krebskranke Freunde

Schlangen (WB). Weihnachten im Krankenhaus zu verbringen, ist nicht schön, besonders wenn man ein Kind ist. Oliver aus Schlangen weiß das nur zu gut: Der krebskranke Achtjährige hat schon zweimal das Fest in der Klinik erlebt. Dieses Jahr feiert er zuhause, doch für seine Freunde auf der Kinderkrebsstation hat er sich eine Überraschung ausgedacht.

Von Sonja Möller
Ein Karton voller Hoffnung: Der achtjährige Oliver aus Schlangen hat Geschenke für die Kinder auf seiner Kinderkrebsstation gekauft. Er selbst feiert Weihnachten dieses Jahr Zuhause.
Ein Karton voller Hoffnung: Der achtjährige Oliver aus Schlangen hat Geschenke für die Kinder auf seiner Kinderkrebsstation gekauft. Er selbst feiert Weihnachten dieses Jahr Zuhause. Foto: Sonja Möller

Ein Herz und eine Seele: Nina Grassow hat mit ihrer Aktion, ein Spendenkonto zu eröffnen, viele Herzenswünsche für Oliver möglich gemacht. Jetzt hofft sie auf weitere Spender. Foto: Sonja Möller

Vor Kurzem kam ihm nämlich eine Idee: »Mama, kann ich Geld vom Spendenkonto nehmen und den Kindern, die über Weihnachten im Krankenhaus bleiben müssen, Geschenke kaufen?«, fragte Oliver seine Mutter, deren Name der Redaktion bekannt ist. Sie möchte ihn nicht veröffentlichen.

Vor einigen Monaten hatte Nina Grassow, eine Freundin der Familie, ein Spendenkonto eröffnet, damit sich Oliver seine Wünsche erfüllen kann. Oliver hat ein Neuroblastom im Endstadium. Die Ärzte haben den Eltern keine Hoffnung auf Heilung gemacht.

Mit Hilfe vieler Leser dieser Zeitung und weiterer Spender konnte Oliver sich seitdem einige Herzenswünsche erfüllen. »Ich war im Urlaub und hab zum ersten mal das Meer gesehen«, erzählt er und lächelt. Außerdem hat er mit seiner Familie Disneyland besucht und fährt regelmäßig mit seinem eigenen Quad. Das hatten ihm die Quadfahrer OWL ermöglicht, die ihn immer noch regelmäßig besuchen.

Er strotzt vor Lebensenergie und Tatendrang

Mit den Reisen und Erlebnissen kam auf einmal der Appetit zurück. Oliver ließ sich im Urlaub alles schmecken, worauf er Lust hatte. Mittlerweile ist er kaum wiederzuerkennen. Er hat zugenommen, durch eine siebenwöchige Chemopause sind seine Haare wieder ein bisschen gewachsen und er strotzt vor Lebensenergie und Tatendrang. »Dieses Jahr schaffe ich das nicht mehr. Aber nächstes Jahr besiege ich den Krebs«, ist er sich sicher. Der Lebenswille des Achtjährigen ist ungebrochen.

»Oliver lehrt seine Ärzte gerade, an Wunder zu glauben. Seine Immunwerte sind so hoch wie seit drei Jahren nicht«, sagt seine Mutter im Gespräch mit dieser Zeitung: »Die Psyche bewegt eben Wunder.« Für sie ist klar: Ihr Sohn ist mit Hilfe der Spender dem tristen Klinikalltag entflohen und hat einfach mal gelebt wie ein normaler Achtjähriger. Ohne den großen Medikamentenschrank, der in der Wohnung steht. Er hat Sandburgen am Meer gebaut und in Disneyland Mickey Mouse und Co. getroffen.

Oliver hat die Idee mit den Geschenken für die K8, die Kinderkrebsstation im Klinikum Bethel in Bielefeld, seiner Freundin Nina vorgetragen. Mit dem Spendengeld hat er dann mehr als 50 Geschenke gekauft. »Lego, Autos, Kratzbilder, Socken, Malbücher und Schreibsets. Und Notizbücher für die Älteren«, zählt Oliver auf, was er alles verschenken will.

»Du schaffst das«

In jedem Päckchen steckt ein Zettel mit einem Mutmach-Spruch. »Du bist schön, so wie Du bist«, »Du schaffst das« und »Ich glaube an Dich« steht zum Beispiel darauf. Die Zettel hat Olivers Mama beschriftet, während der Achtjährige seinen Namen auf Sticker geschrieben hat.

»Ein Paket ist für eine Person. Wir haben den Karton mit den Geschenken der Ergotherapie gegeben, die die Päckchen dann an die Kinder verteilt«, erzählt die Mutter. Und Oliver ergänzt: »Ein Paket haben wir auch zu einer Person nach Münster geschickt, die dort auf der Transplantationsstation liegt.«

Oliver möchte seinen Freunden Mut machen an Weihnachten und eine kleine Freude. An Heiligabend geht er wieder mit Oma und Opa in die Kirche. »Letztes Jahr haben wir Kerzen angezündet im Dom in Paderborn für die Kinder auf der Transplantationsstation.« Nach dem Kirchenbesuch geht es früh ins Bett, und am nächsten Morgen werden die Weihnachtsgeschenke ausgepackt. »Mittags kocht Oma für uns«, sagt er.

Im neuen Jahr stehen weitere Untersuchungen an. »Ein Neuroblastom ist unberechenbar«, weiß Olivers Mutter: »Es kann von einer Sekunde auf die andere umschwenken.« Doch jetzt will die Familie erst mal gemeinsam Weihnachten feiern. Für 2017 hat sich Oliver dann noch einiges vorgenommen: »Ich möchte ins Sealife Oberhausen und Haie füttern. Und ich will ins Legoland.«

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