Serie zu den Geschichtsstationen in Schlangen Erste Badeanstalt der lippischen Dörfer

Schlangen (WB). Die Gemeinde Schlangen hat im vergangenen Jahr das 90-jährige Bestehen ihres Freibades gefeiert. Die »Batze«, wie sie im Volksmund auch genannt wird, wurde zwar 1926 eröffnet, die Idee entstand aber bereits im Jahr 1900.

Von Uwe Hellberg
Die Badeanstalt im Jahr 1929: Das Wasser liefert der Strothebach. Das Becken ist an den Seiten in Beton gefasst, »Wärterhaus« und Umkleidezellen sind bei der ersten Badeanstalt einer Dorfgemeinde in Lippe ebenfalls vorhanden.
Die Badeanstalt im Jahr 1929: Das Wasser liefert der Strothebach. Das Becken ist an den Seiten in Beton gefasst, »Wärterhaus« und Umkleidezellen sind bei der ersten Badeanstalt einer Dorfgemeinde in Lippe ebenfalls vorhanden. Foto: Förderverein Ortsgeschichte

Wie der Förderverein Ortsgeschichte zu dieser Schlänger Geschichtsstation herausgefunden hat, waren es der Schuhmachermeister Heinrich Budde »und Genossen«, die anno 1900 die »Anlegung eines Badeteiches in dem Lehm auf Gemeindekosten« beantragten. Am 16. Oktober wurde eine Kommission gebildet. Sie sollte dem Gemeindevorstand einen Kostenanschlag vorlegen. Das Ergebnis führte im darauffolgenden Jahr dazu, dass der Gemeindevorstand den Bau einer Badeanstalt auf Gemeindekosten ablehnte. 762,26 Mark hatte die Kommission als erforderlichen Aufwand ausgerechnet.

Vier Jahre nach Eröffnung: Besonders für junge Leute war die Badeanstalt ein bliebter Freizeitort – auch für Alwine, Martha und Hilde. Foto: Förderverein Ortsgeschichte

Aber nur zwei Jahre später, also 1923, war das Thema erneut aktuell. Auf Anregung von Gemeindevorsteher Heinrich Ellerbrok befasste sich ein Ausschuss, den Adolf Schmidt leitete, mit Vorarbeiten zum Bau einer öffentlichen Badeanstalt. Schmidt berichtete später so über den Fortgang im Jahr 1924: »Freiwillige vor! – Jeden Abend ging es nun mit Spaten und Schüppen in den Lehm. Doch ging das Jahr ohne rechten Erfolg zu Ende. Wir legten uns deshalb auf das Geldverdienen. Die Turner turnten, die Fußballer spielten, und die Gesangvereine sangen für die Badeanstalt...«

Gemeindevorsteher Heinrich Ellerbrok stellte 1925 in einem Aufruf fest: »Selbstverständlich bedarf die Kommission der Mithilfe aller Kräfte, sei es in finanzieller Hinsicht oder durch Arbeitsleistungen in den Abendstunden.« Die Gemeinde selbst sei zur finanziellen Förderung nicht im Stande. Konzert, Tanzvergnügen und Verlosung, vieles trug dazu bei, dass genügend »Geld zusammengebettelt wurde, dass die Arbeiter bezahlt werden konnten«, so Adolf Schmidt.

Es herrschte kühle Witterung am 24. Mai 1926, dem zweiten Pfingsttag. Dennoch kamen viele Besucher, um bei der Eröffnung der ersten Badeanstalt einer Dorfgemeinde in Lippe dabei zu sein. Auch die Gesangvereine Teutonia und Harmonie sowie der Schwimmverein Paderborn wirkten mit. Zwischen 10 000 und 12 000 Mark hat die Badeanstalt schließlich gekostet, die bei der Eröffnung gepriesen wurde als »Hauptfaktor zur Förderung der Volksgesundheit und Stärkung«.

Schlänger Geschichtsstationen

Das WESTFALEN-BLATT stellt seinen Lesern in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Ortsgeschichte Schlangen in loser Folge den einzigartigen geschichtlichen Rundwanderweg in der Gemeinde vor. Er umfasst mittlerweile 40 Stationen und erstreckt sich auf alle Ortsteile: Schlangen, Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt. Die Geschichtsstationen erinnern an altes Brauchtum, historische Ereignisse und Bauten.

In den 1930er Jahren wurde für ein angenehmes Umfeld gesorgt und ausgebaut. Nahe dem Wasserbecken entstand 1934 eine Parkanlage mit Ligusterhecke und eine Fläche mit weißem Sand. Es folgten die Erneuerung der Beckenwände, der Einbau einer Mauer zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken und eine Sprunganlage mit Sprunggrube. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden begonnene Baumaßnahmen fortgeführt: ein Kassen- und Erfrischungsraum, neue Umkleiden, sanitäre Anlagen (bis 1947) und ein Planschbecken für die kleinsten Badegäste (1951).

Umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen erfolgten erneut in den 1970er Jahren. Die Aufbereitung des Wassers, das in den Anfangsjahren der Badeanstalt noch aus dem Stro­thebach kam, übernahm nun bereits moderne Bädertechnik.

Heute erfreut sich das Schlänger Freibad, für das es auch einen Förderverein gibt, ungebrochener Beliebtheit – nicht nur bei den treuen Frühschwimmern. In der Saison 2017 besuchten 23 850 Gäste das Bad.

Alle Folgen der Serie finden Sie hier

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