Leopoldshöhe: Beseitigung von Mängeln zu teuer Kirche wurde nur 16 Jahre alt

Leopoldshöhe (WB). Ein Abrissbagger knabberte am Freitag die letzten Betonteile des Turms klein, dann lag die katholische St.-Johannes-Baptist-Kirche im Ortskern von Leopoldshöhe in Trümmern.

Von Christian Althoff

Das ortsbildprägende Gotteshaus stand nur 16 Jahre. »Wir hätten die Kirche gerne gerettet, aber das wäre zu teuer gewesen. Es gab einfach zu viele Mängel«, sagt Pfarrer Michael Karsten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg soll es nur ein paar katholische Familien in Leopoldshöhe gegeben haben, doch mit dem Zuzug Heimatvertriebener wuchs ihre Zahl. Heute sind es 1500 Katholiken. 1967 wurde für die Ortsteile Greste und Asemissen die Auferstehungskirche gebaut. 2000 erfolgte im Ortszentrum der erste Spatenstich für die Kirche St. Johannes Baptist samt Pfarrzentrum. Das Grundstück gehörte der Kirche schon seit 1996. Beide Leopoldshöher Kirchen sind Filialkirchen der katholischen Gemeinde Oerlinghausen, der Pfarrer Karsten vorsteht.

Feuchtigkeitsschäden nach sechs Jahren

2002 nahm das Architekturbüro aus Münster, das die aus Beton bestehende Kirche entworfen hatte, den 2,3 Millionen Euro teuren Neubau als mängelfrei ab. Weihbischof Paul Consbruch weihte das Haus damals. Sechs Jahre später stellte die Gemeinde Feuchtigkeitsschäden an der Decke fest, doch da war die Gewährleistungsfrist abgelaufen. Ein Gutachten ergab später eine lange Liste von Mängeln. Der folgenschwerste: »Zwischen den Wänden und dem Dach drang kalte, feuchte Luft durch Lücken ein und sammelte sich über der Zwischendecke«, sagt Pfarrer Karsten.

Architekt Thomas Daum aus Bielefeld, der mit dem 100.000 Euro teuren Abriss der Kirche beauftragt ist: »Kirchen werden anders gebaut als Wohnhäuser. Sie sind nicht so gedämmt, was aber unproblematisch ist, weil wir nur eine Innentemperatur von 14 Grad anstreben. Auch Feuchtigkeit spielt in Kirchen kaum eine Rolle, weil da niemand duscht, kocht oder im Schlaf schwitzt.« In Leopoldshöhe sei es allerdings so gewesen, dass die Hülle nicht dicht gewesen sei und sich deshalb unter dem Dach Kondenswasser gesammelt habe. Pfarrer Karsten: »Das Dach hätte völlig neu aufgebaut werden müssen, was 500.000 Euro gekostet hätte.«

2014 musste Kirche wegen Schimmelbefall geschlossen werden

Thomas Troenle, Sprecher des Erzbistums Paderborn: »Wir hätten 70 Prozent der Kosten übernommen, aber der Rest hätte die Gemeinde überfordert, weil sie noch viele andere Gebäude unterhalten muss.« Versuche, die Kirche über Spenden zu retten, scheiterten. 2014 wurde das schimmelbefallene Gotteshaus aus hygienischen Gründen geschlossen, 2016 der Abriss beschlossen.

Es gelang der Kirchengemeinde, dem Architekten Thomas Daum, dem Diözesanmuseum und dem Paderborner Generalvikariat, die Einrichtung weiterzuverwerten. Die Glocken, eine Spende der Dr.-Oetker-Stiftung, gingen mit Zustimmung der Stiftung an die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bad Driburg, der Glockenstuhl wird von der St.-Johannes-Baptist-Kirche in Bielefeld-Schildesche genutzt. Die sogenannten Prinzipalien (Altar, Taufstein, Leuchter usw.) des Rietberger Bildhauers Johannes Niemeier fanden in der Kirche St. Vitus bei Bad Driburg einen neuen Platz. Die Bänke gingen an die Liebfrauen-Kirche Bielefeld-Jöllenbeck, und die Orgel wurde in die alte Wallfahrtskirche Werl vermittelt. Auf dem Grundstück soll nun eine Mehrgenerationen-Wohnanlage entstehen.

Das Architekturbüro aus Münster, das die Kirche weiterhin auf seiner Internetseite zeigt, wollte sich übrigens nicht zu dem Fall äußern.

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