Hochschule OWL bietet Insekten im Botanischen Garten Höxter Platz Wildbiene nistet in Schneckenhäusern

Lemgo/Höxter (WB). Bienen kommen aktuell aus den Schlagzeilen nicht heraus. Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe versucht zu dem Thema fortlaufend zu informieren. In ihrem Botanischen Garten in Höxter findet die Zweifarbige Mauerbiene ungewöhnliche Nistplätze: Sie legt ihre Eier in leere Schneckenhäuser.

Die Zweifarbige Mauerbiene nutzt für ihre Brutzellen die leeren Schneckenhäuser von Schnirkelschnecken.
Die Zweifarbige Mauerbiene nutzt für ihre Brutzellen die leeren Schneckenhäuser von Schnirkelschnecken.

Immer mehr Pflanzenschutzmittel und immer weniger Blütenpflanzen in Gärten und auf Wiesen machen Bienen das Leben schwer. Doch wenn es weniger Bienen gibt, gerät auch die Bestäubung der Pflanzen ins Stocken. »Das ist ein sehr fein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen den Blütenpflanzen und den Insekten«, sagt Dr. Mathias Lohr vom Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der Hochschule OWL.

Er vermittelt diese Zusammenhänge nicht nur in Lehrveranstaltungen des Fachbereichs, sondern auch in jährlich stattfindenden Fortbildungsveranstaltungen zur »Einführung in die Bestimmung und Ökologie von Wildbienen«. Im Fokus stehen dabei die rund 550 Wildbienen-Arten, die es in Mitteleuropa gibt. Als Anschauungsort dient neben dem Botanischen Garten vor allem der Bielenberg in Höxter.

Ausgefallener Nistplatz

Im Botanischen Garten konnten die Teilnehmer eine besondere Beobachtung machen: Sie fanden die Zweifarbige Mauerbiene beim Nestbau. Das Einzigartige an dieser Bienenart: Die Weibchen nutzen für ihre Brutzellen die leeren Schneckenhäuser von Schnirkelschnecken. Sie legen ihre Eier in das Schneckenhaus und versorgen sie mit einem Pollenvorrat als Nahrung.

Dann verschließen sie die Brutzellen und tarnen das Schneckenhaus mit einem Pflanzenmörtel, den sie durch das Abnagen von Pflanzen gewinnen. Anschließend baut die Biene einen Haufen aus Pflanzenteilen und Stängeln rund um das Schneckenhaus, um es vor Feinden zu schützen.

»Die Zweifarbige Mauerbiene braucht Flächen mit vielfältigen Standortbedingungen: je kalkhaltiger der Untergrund, desto mehr Schneckenhäuser finden sich. Außerdem mögen sie eine hohe Sonneneinstrahlung und nicht zu dichten Bewuchs. Alles das bietet unser Botanischer Garten«, sagt Mathias Lohr.

Bienen brauchen Nahrung

Was Bienen sonst noch benötigen, vermittelt das Seminar. »Alle Bienen brauchen Nahrung. Einerseits benötigen sie Nektar als Kraftstoff für ihren energieaufwendigen Flug. Andererseits brauchen sie den eiweißreichen Pollen, um ihren Nachwuchs zu ernähren«, erläutert Lohr. Beides finden die Bienen in Blütenpflanzen. »Die meisten auf Insekten spezialisierten Blütenpflanzen produzieren Nektar, aber bei Pollen gibt es Unterschiede. Rund 30 Prozent der Wildbienen sind auf den Pollen von ganz bestimmten Pflanzen spezialisiert. Das macht sie abhängig«, sagt Lohr.

Geht nun die Vielfalt der Pflanzen zurück, sind die Bienen in Gefahr. Was hilft? »Weniger mähen, weniger düngen und Raum für Blütenpflanzen lassen, also weniger Gartenfläche mit Steinen verbauen«, fasst Lohr die wichtigsten Tipps zusammen.

Verschiedene Kurse

Das Wochenendseminar ist Teil eines Weiterbildungskonzeptes für die Vermittlung von Biodiversität am Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, bei dem sich Studierende, Alumni, Berufstätige und Ehrenamtliche zu Themen rund um den Naturschutz und die Artenvielfalt fortbilden können. Partner der Veranstaltung ist die Natur- und Umweltschutzakademie NRW.

Es werden auch Kurse zu Libellen, Laufkäfern und zur Naturfotografie angeboten. Aktuell arbeitet der Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung daran, solche Angebote auszubauen.

Botanischer Garten lädt ein

Den Botanischen Garten der Hochschule OWL können alle Interessierten am 9. und 10. Juni kennenlernen: Dann beteiligt er sich am Tag der Gärten & Parks in Westfalen-Lippe. Die Besucher erwarten Führungen, Vorträge, Spaziergänge, Ausstellungen und Vorführungen. Angebote für Kinder und Tipps für die heimische Gartenarbeit runden das Programm ab. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Am Samstag um 16 Uhr lädt Mathias Lohr zu einer Führung zum Thema »So viel Leben in meinem Garten! Von Schmetterlingen, Wildbienen und anderen wilden Bewohnern« ein. Weitere Informationen gibt es im Internet (www.hs-owl.de/fb9).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.