Hauskaninchen treten in drei Klassen an – Kritik einiger Tierschützer Und »Hopp«

Lage (dpa). Kleine Hürde, kurze Pfoten: Beim Kanin-Hop springen Kaninchen über kleine Hindernisse. Manchmal werden sie dabei locker an der Leine gehalten. Meist allerdings geht es ans freie Springen – dann bewältigen die Kaninchen die Strecke und die Hürden ganz alleine ohne Führung.

Von Katja Wallrafen
Einmal in der Woche trainiert Tahira Paul mit ihren Kaninchen das Hopsen über Hürden.
Einmal in der Woche trainiert Tahira Paul mit ihren Kaninchen das Hopsen über Hürden. Foto: dpa

Das Tier, das seine Strecke in der kürzesten Zeit bei geringster Fehleranzahl bewältigt, gewinnt. Als Fehler gelten das Reißen einer Querlatte oder drei leichte Korrekturen durch den Kaninchenhalter. Auch Tahira Paul (12) aus Lage widmet sich mit ihrem Tier diesem Hobby.

Kanin-Hop gibt es in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen: In der leichten Klasse müssen acht Hindernisse, die maximal 25 Zentimeter hoch sind, bewältigt werden. In der höchsten Klasse sind es zwölf Hindernisse mit bis zu 45 Zentimetern Höhe. »Der Gedanke dahinter ist, dass sich die Kaninchen gerne bewegen und Spaß dabei haben, wenn sie aus dem Käfig kommen und mal was anderes erleben«, erzählt Tahira Paul. Sie bedauert es, wenn sie an langen Schultagen nachmittags spät nach Hause kommt und ihren Lieblingen Astrid, Fluffy und Halva kaum Aufmerksamkeit widmen kann.

Tahira Paul (12) aus Lage mit ihrem Kaninchen Astrid, das ebenfalls über Hindernisse springt.

Kanin-Hop!

Vor einigen Jahren hat sie auf einem Ostermarkt ein Kanin-Hop-Turnier gesehen und war gleich begeistert. Mit viel Hartnäckigkeit hat sie ihre Eltern schließlich davon überzeugt, Kaninchen anzuschaffen.

Diese große Ausdauer benötigt Tahira auch für ihr Hobby, für das sie einmal wöchentlich in einer Gruppe trainiert. »Man braucht vor allem Verständnis und Geduld.« Denn das Tier darf nicht dazu gedrängt werden, über ein Hindernis zu hopsen.

Etwa 100 Vereine

Nicht nur Kinder und Jugendliche lassen ihre Kaninchen sportlich über Hindernisse springen. »Es gibt etwa 100 Vereine, die Kanin-Hop betreiben«, sagt Kai Sander aus Lemgo vom Zentralverband Deutscher Rasse Kaninchenzüchter (ZDRK). Im Normalfall ist eine Kanin-Hop-Gruppe einem Rassekaninchenzuchtverein angeschlossen. Ursprünglich kommt Kanin-Hop aus Skandinavien. Das Regelwerk wurde weitgehend übernommen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gebe es hier aber strengere Regeln und mehr Passagen zum Tierschutz. Man wolle eine Überforderung der Tiere vermeiden, sagt Sander.

Kritik von Tierschutzverbänden

Trotzdem gibt es kritische Stimmen wie vom Verein Kaninchenschutz und dem Deutschen Tierschutzbund, die sich gegen Kanin-Hop ausgesprochen haben. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hat Bedenken. »Grundsätzlich finden wir es gut, dass Halter von Tieren nach Möglichkeiten suchen, ihnen Abwechslung vom Leben im Käfig zu bieten«, sagt Diplom-Biologe Jürgen Hirt von der TVT. »Der Transport und die Wettkampfatmosphäre ist nach unserer Auffassung für die Gruppen- und Fluchttiere aber ein massiver Stressfaktor.« Kaninchen überquerten die Hindernisse vor allem deshalb, weil sie gelernt hätten, dass sie danach wieder in ihre sichere Höhle dürften. Das Anlegen von Geschirr und Leine lehnt Hirt ab. »Freiwillige Leistung ohne Leinendruck, das ist okay.«

Kai Sander vom ZDRK lädt alle Kritiker dazu ein, sich persönlich ein Bild zu machen. Von Hirts Ansatz, zu Hause mit den Tieren zu üben, hält er wiederum nichts: »Man sollte nicht im stillen Kämmerlein üben, sondern bei erfahrenen Kanin-Hop-Sportlern. Beim Training im Verein wird nicht nur vermittelt, wie man die Kaninchen zum Springen animieren kann. Eine regelmäßige Kontrolle der Tiere, Tipps und Tricks zur Pflege, Haltung und Fütterung gehören ebenfalls dazu.«

Sander beteuert, dass von der ersten Trainingsstunde an jedem Kanin-Hopper vermittelt werde, wie mit den Tieren umzugehen sei. »Die Leine dient lediglich dazu, um Kontakt zwischen Tier und Mensch zu halten. Wer daran zerrt, wird disqualifiziert.«

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