Frühjahrstagung in Langenholzhausen plant Zukunft der Gemeinden Landeskirche stellt sich neu auf

Kalletal (WB/epd). Die Lippische Landeskirche will zum Erhalt ihrer Eigenständigkeit stärker regional zusammenarbeiten. Gemeinden sollen ermutigt werden, in »Erprobungsräumen« Ungewohntes auszuprobieren, sagte der lippische Landessuperintendent Dietmar Arends am Freitag vor der Synode in Langenholzhausen.

Landessuperintendent Dietmar Arends kritisierte die Beschränkung des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus.
Landessuperintendent Dietmar Arends kritisierte die Beschränkung des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus.

In diesen Erprobungsräumen sollten neben regionaler Zusammenarbeit auch neue Modelle in den Bereichen Diakonie und Kirchenmusik getestet werden können. Künftig werden Gemeinden nicht alles mehr alleine wahrnehmen können, wohl aber in Gemeinschaft mit anderen. Die Synode beauftragte den Landeskirchenrat, zur Herbstsynode im November Beschlüsse zur Umsetzung vorzulegen.

Statt dringend nötige Reformen zu verordnen, sollten Gemeinden Freiraum erhalten, Strukturveränderungen selber auszuprobieren, erläuterte Arends. Die Landeskirche werde für die Modellprojekte die Voraussetzungen schaffen und sie auch finanziell fördern.

Modelle zur Nachahmung entwickeln

In den Erprobungsräumen sollten beispielsweise Modelle entwickelt werden, wie die Kirche etwa Menschen unterschiedlicher Generationen und Milieus erreichen könne. Es solle auch untersucht werden, wie die Modelle anschließend für andere nutzbar gemacht werden könnten.

Mit Beschlüssen zur Herbstsynode soll der 2015 beschlossene Diskussionsprozesses »Kirche in Lippe – auf dem Weg bis 2030« zum Abschluss kommen. Er wird mit der Perspektive geführt, unter welchen Bedingungen die Landeskirche selbstständig bleiben kann, wie Landessuperintendent Arends betonte.

Zahl der Pfarrer wird bis 2030 erheblich schrumpfen

Hintergrund sind die Herausforderungen, denen sich die drittkleinste Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen gegenüber sieht. Insbesondere Kirchengemeinden im Norden und Osten Lippes werden stark von diesen Veränderungen betroffen sein. Außerdem wird sich die Zahl der Pfarrer bis 2030 erheblich reduzieren. Ab Mitte der 2020er Jahre werden nicht mehr alle freien Pfarrstellen besetzt werden.

Ein weiteres Schwerpunktthema der Landessynode waren Fragen zu Asyl und Menschenrechten. Mit einem Beschluss forderte die Synode die Bundesregierung auf, den Rechtsanspruch auf Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz wieder einzuführen. Der Landessuperintendent führte aus: »Dass Familien über Jahre auseinandergerissen werden, das können wir nicht hinnehmen.«

Scharfe Kritik an Anker-Zentran

Die von der Bundesregierung geplante Begrenzung des Familiennachzuges komme der endgültigen Abschaffung gleich, sagte der Landespfarrer der Lippischen Landeskirche für Flucht und Migration, Dieter Bökemeier. Die vorgesehene Begrenzung auf 1000 Menschen pro Monat mache aus dem Rechtsanspruch eine Art Gnadenrecht. Das werde niemals reichen, kritisierte Bökemeier.

Scharf kritisierte das Kirchenparlament auch die geplanten Anker-Zentren zur zentralen Unterbringung von Flüchtlingen. Es sei zu befürchten, das in den Zentren grundlegende Rechte der Schutzsuchenden gefährdet seien.

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