Obduktion des Jungen ergibt keine eindeutige Todesursache – Ertrinken ist aber wahrscheinlich Nach Tod bei Schwimmkurs: Aufsichtspersonen schweigen

Bad Oeynhausen/Kalletal/Vlotho (WB). Das Schicksal des sechsjährigen Jungen, der am vergangenen Samstag nach einem Unglücksfall im Rehmer Hallenbad gestorben ist, bewegt die Menschen in Bad Oeynhausen und im Kalletal.

Von Claus Brand und Jürgen Gebhard
Im Hallenbad an der Hermann-Löns-Straße in Rehme ist es am Samstagvormittag zu dem tragischen Unglücksfall gekommen. Der Leichnam des Jungen ist im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden von Gerichtsmedizinern aus Münster obduziert worden.
Im Hallenbad an der Hermann-Löns-Straße in Rehme ist es am Samstagvormittag zu dem tragischen Unglücksfall gekommen. Der Leichnam des Jungen ist im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden von Gerichtsmedizinern aus Münster obduziert worden. Foto: Angelina Zander

Die Obduktion des Kindes ergab noch keine eindeutige Todesursache. Die Gerichtsmediziner fanden Anzeichen für einen Ertrinkungstod. Die weiteren Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei sind schwierig, da die beiden Aufsichtspersonen im Rehmer Hallenbad von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.

Staatsanwalt gibt weitere Untersuchungen in Auftrag

Nach der Obduktion des am Samstag verstorbenen Jungen (6) aus dem lippischen Kalletal steht eine eindeutige Todesursache noch nicht fest. Die Gerichtsmediziner der Universitätsklinik Münster fanden aber Anzeichen für einen Ertrinkungstod. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwalt Bielefeld und der Polizei Minden-Lübbecke hervor.

Staatsanwalt Christoph Mackel gab daher weiterführende Untersuchungen durch die Experten in Auftrag. Äußerliche Verletzungen weise das Kind nicht auf. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung habe es nicht gegeben. Wie lange sich der Junge am Samstagvormittag während des Schwimmkurses unter Wasser befand, steht nach Angaben von Christoph Mackel noch nicht fest.

Die Untersuchungen der Gerichtsmediziner erfolgten im Beisein des Staatsanwalts und einer Kriminalbeamtin der Polizei Minden-Lübbecke im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden.

Bei der DLRG nachgefragt

Beim Kurs am Samstag im Rehmer Hallenbad umfasste die Gruppe zwölf Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren. Als Betreuer ist nach Informationen dieser Zeitung neben dem Schwimmlehrer auch ein Schwimmmeister im Bad gewesen. Die Eltern hielten sich, wie berichtet, in einem Vorraum auf. Durch eine Scheibe hatten sie die Möglichkeit, Sichtkontakt zu den Kindern zu haben. Dies ist in der Regel aber nicht gewünscht, da die Mädchen und Jungen sonst vom Kurs abgelenkt seien.

Wie viele Aufsichtspersonen müssen bei einem Schwimmkurs mit ganz unerfahrenen Kindern dabei sein? Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gibt es zur Zahl der Aufsichtspersonen bei einem solchen Kurs keine allgemeingültige Verordnung. Wohl aber klare Meinungen. »Es sollten möglichst viele ausgebildete Aufsichtspersonen dabei sein.« Das stellen übereinstimmend der Vlothoer DLRG-Vorsitzende Jens Bögeholz und der Vlothoer DLRG-Geschäftsführer Norbert Grewe fest.

Grewe war bis Ende vergangenen Jahres bei der Turngemeinde Herford Leiter der Schwimmabteilung. »Bei uns im H 2 O sind maximal 15 Kinder im Seepferdchen-Kurs, dazu haben wir mindestens drei Aufsichtspersonen. Mit weniger würde ich nicht arbeiten.« Mindestens eine der Aufsichtspersonen habe den Ausbilderschein, die anderen mindestens DLRG-Bronze. Bei drei Aufsichtspersonen habe man die Kinder gut im Blick. »Einer ist vorne, der andere in der Mitte, der dritte hinten. Dann kann man ganz schnell eingreifen.« Auch mit einem erfolgreich bestanden »Seepferdchen« sei das Kind noch kein sicherer Schwimmer. Idealerweise sollten die Kinder danach weiter mindestens einmal wöchentlich unter Aufsicht üben.

Ähnlich werde auch im Waldfreibad Vlotho ausgebildet. Die von den Vlothoer Stadtwerken angebotenen Kurse werden von den Schwimmmeistern geleitet, unterstützt werden sie von ausgebildeten DLRG-Rettungsschwimmern. Die Seepferdchenkurse seien generell im Nichtschwimmerbecken.

Im Freibad Kalletal-Hohenhausen findet der Schwimmunterricht in sehr kleinen Gruppen von »sechs bis sieben Kindern« statt, sagte Olaf Kapelle, zuständiger Fachbereichsleiter. Die Gruppe werde von einer Schwimmmeisterin betreut, während sich die andere dann um den übrigen Badebetrieb kümmere.

Das sagen die Stadtwerke

»Wir sind mit den Gedanken bei der Familie des Jungen. Das gilt für alle Mitarbeiter.« Das erklärte Andreas Schwarze, Vorstand der Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO), gestern auf Anfrage, Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Polizei wollte er sich zum eigentlichen Vorfall am Samstag nicht äußern. Der Kurs, bei dem der Junge gestorben ist, war eine Woche zuvor gestartet.

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