Mindener Stichlinge halten überzeugende Generalprobe ihres neuen Programms in der Deele Brosen ab So scharfzüngig wie nie

Kalletal (WB). Ein fester Termin im Angebot des Kalletaler Kulturvereins ist die Generalprobe der Mindener Stichlinge. In diesem Jahr starten die Kabarettisten mit ihrem Programm »Früher war alles aus Holz« in die Saison.

Von Reiner Toppmöller
Kirsten Gerlof und Birger Hausmann beweinen das »arme Deutschland«.
Kirsten Gerlof und Birger Hausmann beweinen das »arme Deutschland«. Foto: Reiner Toppmöller

Eines kann man schon vorab sagen: Den Zuschauern wird in diesem Jahr wieder ein Spitzen-Kabarett geboten. Scharfe Dialoge und unglaublich gute, satirischbösartige und hintergründige Songs bestimmen das neue Programm des bekannten Amateur-Kabarettensembles.

»Verträgt ein Veganer Fleischtomaten?«, »Gibt es bald auch Friedhöfe für Nichtraucher?« oder »Heute kann man nicht mehr einfach so in den Wald sch...« als Ausdruck der Vorschriftenwut: Scharfzüngig wie in den beschworenen guten alten Zeiten starten die Stichlinge in ihr Programm.

Birger Hausmann sitzt derweil wie gewohnt im Vorraum der voll besetzten Deele und schmunzelt zufrieden über die Reaktionen des Publikums, das von Beginn an richtig mitgeht.

Steigende Mieten zwingen zum Rückzug in die Höhle

Reichlich Steilvorlagen bieten da wie immer die aktuellen Themen. Da heißt es zum Beispiel bei den derzeitigen Mietpreisen »Zurück in die Höhle«. Aber auch der türkische Ministerpräsident Erdogan mit einem von Frank Osterwinter im perfektem sächsischen Dialekt vorgetragenem Song oder Türken, die nachts vor Angst nicht in den Schlaf kommen, weil sie nicht wissen, ob sie am nächsten Morgen von der Polizei geweckt werden, werden auf die satirische Lanzenspitze genommen.

Die Stichlinge wären nicht die Stichlinge, wenn sie nicht auch für dieses Thema eine Lösung hätten: Deutschkurse nicht nur für Integrationswillige in kabarett-typischer Manier. Diese sollten dann auch »Vater Ronny und Mutter Sindy« besuchen, was Kirsten Gerlhof gekonnt und mit der nötigen Ignoranz jeglicher Grammatikregeln präsentiert.

Wenn »Mutti« Merkel zu »Easy Rider« rockt

Sie glänzt auch, wie schon im vergangenen Jahr, in ihrer Paraderolle als Bundeskanzlerin: diesmal sogar  kabarettistisch rockend mit dem Song »Ich bin dann mal weg«, der auf dem Easy-Rider-Song »Born to be wild« basiert.

Großen Spaß gibt es beim Sketch »Ein Auto sieht rot«. Eine frustrierte Andrea Nahles (Kirsten Gerlof) steht mit ihrer alten Karre (SPD) vor dem TÜV-Prüfer (Rolf Berkenbrink) und muss sich anhören, wie kaputt sie ist. Auch Nahles »Bätschi« und das Absingen des Pippi-Langstrumpf-Liedes werden aufgenommen.

Satirisches Spitzentreffen der internationalen Politiker-Riege

Ein Highlight des Abends ist der »Rollator Song« zur Altersarmut, zu dem der Regisseur der Truppe selbst auf die Bühne kommt. Das Klima wird also rauer! Auch in der großen Weltpolitik, die natürlich nicht unbeachtet bleibt: Die Gipfeltreffen der Politiker werden zur Personality-Show. Wer explodiert zuerst? Der große Doofe oder der kleine Dicke?

Da stöhnt so mancher Zeitgenosse: »Früher war alles besser, denn früher war alles aus Holz.« Ein tolles, ja wirklich großartiges Programm 2018 wartet also auf die sicher voll besetzten Veranstaltungsräume in dieser Saison.

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