Interview mit dem Kalletaler Bürgermeister Mario Hecker »Zusammenhalt in den Dörfern ist das A und O«

Kalletal (WB). Mario Hecker (42) ist seit Herbst 2015 parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Kalletal. Im Interview mit Redaktionsleiter Jürgen Gebhard spricht er über aktuelle und zukünftige Projekte, über die Stärkung der Dörfer und darüber, ob er einmal Karnevalsprinz werden möchte.

Mit 52,2 Prozent aller abgegebenen Stimmen ist Mario Hecker im September 2015 zum Kalletaler Bürgermeister gewählt worden.
Mit 52,2 Prozent aller abgegebenen Stimmen ist Mario Hecker im September 2015 zum Kalletaler Bürgermeister gewählt worden. Foto: Jürgen Gebhard

Was haben Sie sich für das Jahr 2018 vorgenommen?

Mario Hecker: Rat und Verwaltung haben im vorigen Jahr und bereits mit der Verabschiedung des Haushalts 2016 gemeinsam eine Menge auf den Weg gebracht. Wir haben vieles vorbereitet und angestoßen. Die Fachbereiche waren sehr aktiv, Fördermittel zu akquirieren. Die Förderbescheide liegen inzwischen vor. 

Jetzt wollen wir die Maßnahmen umsetzen. Zu den größeren Projekten, die wir uns vorgenommen haben und die auch schon sehr weit gediehen sind, gehören der Neubau des Bauhofes, die energetische Sanierung der Dreifachsporthalle Hohenhausen und  der Turnhalle Bavenhausen. Ein anderes großes Projekt ist die Sanierung der Gemeinschaftsschule in Hohenhausen einschließlich des Bürgerbegegnungszentrums.

Gibt es auch private Ziele für 2018?

Hecker: Die Zeit, die ich habe, möchte ich mit meiner Familie verbringen. Man hört zu oft, dass Leute gesagt haben: Das mache ich später mal – und dann war es zu spät.

Sind Sie ein Familienmensch, ein Vereinsmensch oder ist für Sie die Arbeit das Wichtigste im Leben?

Hecker: Die Familie ist definitiv das Wichtigste in meinem Leben. Arbeit ist zeitlich begrenzt und Familie ist  24 Stunden am Tag.

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»Als Superheld fühle ich mich nicht.«

Mario Hecker

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Ihr Profilbild bei Facebook zeigt Super Mario. Haben Sie dieses Videospiel früher gerne gespielt oder fühlen Sie sich als Superheld?

Hecker:  Das ist einfach die Begeisterung für dieses Spiel, das ich früher gerne gespielt habe. Die Liebe für dieses Spiel hat sich auf meinen Sohn vererbt, wir spielen häufig gemeinsam. Als Superheld fühle ich mich nicht.

Sie haben eine Maurerlehre gemacht und sind jetzt Verwaltungschef. Würden Sie nicht lieber ein Bauunternehmen leiten?

Hecker: Ich leite ja auch ein Bauunternehmen, ich habe ja gerade die Maßnahmen aufgezählt. Von daher ist mein Job die ideale Kombination von Bauen und Verwaltung.

Kommt Ihnen als Bürgermeister Ihre Handwerkslehre zugute?

Hecker: Wenn man aus der Praxis kommt, kann man bei Wünschen oder Begehrlichkeiten, die an einen herangetragen werden, relativ schnell beurteilen, ob das überhaupt praktisch umsetzbar ist – ganz unabhängig davon, ob man dem zustimmen kann oder möchte.

Praktische Erfahrungen helfen im Amt

Als Leiter des Fachbereichs  Planen und Bauen und als Demografiebeauftragter der Gemeinde Kalletal sind Sie im September 2015 zum Bürgermeister gewählt worden. Wie einfach war der Wechsel?

Hecker: Der Wechsel von einem Büro in ein anderes Büro und die neuen Aufgabengebiete waren nicht so schwierig für mich. Die neue Aufgabe ist viel zeitintensiver. Es gibt viele öffentliche Termine, die es früher so nicht gab. Diese Umstellung musste erst einmal mit der Familie koordiniert werden und es hat gut geklappt.

Meine Frau und meine Kinder sind ein großer Rückhalt, ohne den das alles nicht funktionieren würde. Und auch Oma und Opa sind da, wenn Unterstützung gebraucht wird.

Früher gab es die Doppelspitze: den hauptamtlichen Stadtdirektor als Verwaltungschef und den ehrenamtlichen Bürgermeister mit Repräsentationsaufgaben. Seit 1994 gibt es nur noch den hauptamtlichen Bürgermeister. Welche Variante halten Sie für die bessere?

Hecker: Beide haben Vor- und Nachteile. Ich persönlich halte die jetzige Variante für die bessere. Für mich als Bürgermeister ist es wichtig, auch zu Vereinsveranstaltungen zu gehen, um das Ohr bei den Bürgern zu haben. Ohne diese direkten Kontakte wäre die Distanz zu groß.

Sie sind in Bavenhausen aufgewachsen und leben dort auch heute. Ist das Dorfleben nicht sehr langweilig?

Hecker: Das kommt drauf an, was man daraus macht.

Haben Sie nie Sehnsucht gehabt, in eine größere Stadt zu ziehen?

Hecker: Nein. Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes sagen würde. Wenn ich nach dem Einkaufen in Bielefeld oder im Werre-Park zurück ins Kalletal fahre, bin ich froh,  wieder nach Hause zu kommen. Ich glaube, dass das Landleben sehr viele Vorzüge hat.

Welche Vorzüge sind das?

Hecker: Man geht raus und lebt in der Natur. Und man kennt die Leute, die hier leben.

Kreisübergreifendes Projekt mit Vlotho angedacht

Im Jahr 2017 ist im Kalletal sehr viel erreicht worden, um die Dörfer zu stärken. Kann das 2018 noch getoppt werden?

Hecker: Ja. Eine Herausforderung besteht ganz sicher darin, erfolgreiche Projekte weiter zu optimieren. Darüber hinaus habe ich mir auch für dieses Jahr einiges vorgenommen, was man in den Dörfern gemeinsam gestalten könnte, möglicherweise über LEADER oder andere Förderangebote. Im Rahmen der REGIONALE könnte ich mir in unserer Region gemeinsam mit Vlotho, also ein kreisübergreifendes Projekt, zum Beispiel ein Gründernetzwerk wie das Herforder Denkwerk vorstellen.

Die Stärkung der Dörfer ist für Sie ein Kernanliegen…

Hecker: Ja, absolut. Das ist das Wichtigste von allem. Der Zusammenhalt in den Dörfern ist das A und O und der Schlüssel für ein gemeinsames Miteinander in unserer Gesellschaft.

Wie kann man es schaffen, die jungen Leute in den Dörfern zu halten?

Hecker: Das hängt in erster Linie vom Angebot der Arbeitsplätze ab. Mit dem Ausbildungsatlas versuchen wir, die jungen Leute in der Nähe zu behalten, die einen Ausbildungsplatz suchen. Es gibt leider sehr wenige, die nach ihrem Studium wieder zurückkehren, um in der Umgebung einen Job zu bekommen. Das mag sich zukünftig aber durchaus ändern.

Telemedizin und Home-Office als Chance für die Dörfer

Welche Chancen und Möglichkeiten bringt die Digitalisierung für die Dörfer?

Hecker:  Man wird zukünftig mehr von zuhause aus arbeiten können. Damit wird dann auch das Wohnen auf dem Dorf attraktiver: Man kann in der Natur leben und gleichzeitig für die Firma arbeiten. Auch die Telemedizin ist in diesem Zusammenhang ein großes Thema. Warum sollte man den Arzt bei einfacheren Problemen nicht auch am Bildschirm um Rat fragen? Ich könnte mir vorstellen, dass unsere Gemeinde an einem entsprechenden Pilotprojekt teilnimmt.

Wie ist der aktuelle Stand der Digitalisierung? Wann ist der letzte Hof ans schnelle Internet angeschlossen?

Hecker: Zurzeit läuft das Ausschreibungsverfahren des Kreises, um in absehbarer Zeit die wenigen letzten weißen Flecken des Kalletals zu beseitigen. Ansonsten sind wir mit dem Ausbau weit vorangeschritten. Wir werden weitere 170.000 Euro Fördermittel im Gewerbegebiet Echternhagen für Glasfaserleitungen bis an die Firmentore investieren. Gerade für Betriebe sind schnelle Breitbandleitungen unverzichtbar.

Wie ist der Stand der PCB-Sanierung in der Gemeinschaftsschule?

Hecker:  Wir haben durch die Probesanierung eines Raumes festgestellt, dass eine Sanierung möglich ist. Die Fördermittel stehen bereit. Bis Ende 2019 sollen die Arbeiten fertiggestellt sein.

Integration der Flüchtlinge bleibt eine wichtige Aufgabe

Sind die Flüchtlinge weiterhin ein großes Thema?

Hecker: Das wird uns noch lange begleiten. 2015/2016 ging es darum, für die Unterbringung zu sorgen. Jetzt geht es um die Integration. Wir sind sehr froh, dass sich unser Verein »Gemeinsam im Kalletal« so stark ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagiert.

Ganz neu ist das Projekt zum Neubau der Feuerwache Stemmen. Dort soll auch die AWO einen Platz haben. Wie kommt man auf diese ungewöhnliche Kombination?

Hecker:  Die Kombination macht absolut einen Sinn. Beide Gebäude stehen eng beieinander und beide Gebäude sind abgängig. Ich könnte mir gut vorstellen, in diesem multifunktionalen Gebäude auch ein Beratungsangebot für Alleinerziehende zu verankern.

Kalletal und Karneval: Sind die Kalletaler besser drauf als ihre Nachbarn?

Hecker: Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass wir unbedingt lustiger sind als die Menschen anderswo. Dass wir Karneval feiern, hängt damit zusammen, dass es in Kalldorf viele Leute gibt, die das organisieren. Wenn sich die Karnevalsabteilung zurückziehen würde, dann wären wir auch keine karnevalistische Hochburg mehr.

Unser Karneval steht und fällt, wie so vieles andere auch in unserer Gemeinde, mit dem ehrenamtlichen Engagement der Bürger. Womit wir wieder beim Zusammenhalt und der Zukunft unserer Dörfer wären.

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»Ich glaube nicht, dass wir unbedingt lustiger sind als die Menschen anderswo.«

Mario Hecker

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Könnten Sie es sich vorstellen, eines Tages wie Alt-Bürgermeister Klaus Fritzemeier Karnevals-Prinz zu werden?

Hecker: Alles zu seiner Zeit. Ich möchte erst einmal etwas für Kalletal erreichen. Über die Zukunft mache ich mir wenig Gedanken. Die Leute haben mich vor zwei Jahren gewählt, damit sich was im Kalletal bewegt.

In zwei Jahren bei der nächsten Bürgermeisterwahl stellen Sie  sich natürlich wieder zur Wahl…

Hecker:  Das entscheide ich erst dann, wenn die Frage tatsächlich ansteht.

Also planen Sie nicht, in einigen Jahren vielleicht in Detmold oder in Düsseldorf Karriere zu machen?

Hecker: Die Erfahrung hat gezeigt, dass Karrieren nicht planbar sind.

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