Auf einem Feld im Kreis Lippe blühen 50.000 Lavendelpflanzen Wie in der Provence

Horn-Bad Meinberg(dpa). Lavendel in Ostwestfalen-Lippe: Auf einem Acker bei Horn-Bad Meinberg wird der kommerzielle Anbau des Duft- und Heilkrauts mit einer ersten Ernte getestet.

Die erste kommerzielle Lavendelernte in OWL hat begonnen. Axel Meyer (links), Gründer der Duftmanufaktur Taoasis, und Landwirt Martin Meiwes prüfen ihr gemeinsam betriebenes Lavendelfeld. Wie ergiebig ist es? – so lautet die Frage.
Die erste kommerzielle Lavendelernte in OWL hat begonnen. Axel Meyer (links), Gründer der Duftmanufaktur Taoasis, und Landwirt Martin Meiwes prüfen ihr gemeinsam betriebenes Lavendelfeld. Wie ergiebig ist es? – so lautet die Frage. Foto: dpa

Die »lippische Toskana« als violettes Blütenmeer: Etwa 50.000 Lavendelpflanzen stehen auf dem steinigen Acker von Biobauer Martin Meiwes in voller Blüte. Wo die bäuerliche Konkurrenz mit Althergebrachtem zu punkten versucht, hat der Detmolder die Duft- und Heilpflanze in großem Stil angebaut. Meiwes will herausfinden, ob das Lavendelöl gegen die Konkurrenz aus dem Mittelmeerraum bestehen kann.

Auf absehbare Zeit ein Verlustgeschäft

»Wir schauen, was wir an Ergiebigkeit und Duft herausbekommen«, sagt Axel Meyer, der als Inhaber des auf natürliche Duftöle spezialisierten Unternehmens Taoasis in Detmold gut 50.000 Euro in das gemeinsame Pilotprojekt investiert hat. In absehbarer Zeit sei der Lavendelanbau in Deutschland jedoch voraussichtlich noch ein Verlustgeschäft. »In etwa fünf bis sieben Jahren könnte sich das langfristig rechnen«, hofft Meyer. Aus den erwarteten etwa zehn Tonnen Lavendelstroh könnten in einer hauseigenen Anlage voraussichtlich etwa 35 bis 40 Liter reines Öl gewonnen werden. Genutzt wird das zum Beispiel für seine beruhigende Wirkung bekannte Öl meist für medizinische oder auch für kosmetische ­Zwecke.

Bereits seit Jahren leidet der Lavendelanbau in der französischen Provence unter den Folgen von Bakterien, die von Zikaden übertragen werden und die Pflanzen innerhalb von zwei bis drei Jahren zerstören können. Düstere Prognosen gehen davon aus, dass die südfranzösischen Lavendelfelder die kommenden zehn Jahre nicht überstehen könnten. Schon in den 1970er Jahren habe die Krankheit viel Schaden angerichtet und sei in einer zweiten Welle Mitte der 2000er Jahre zurückgekehrt, berichtet Jean-Baptiste Rivoal, Ingenieur beim regionalen französischen Forschungszentrum Crieppam, in der Zeitung »Le Figaro«.

Klimawandel begünstigt Krankheits-Ausbreitung

Lavendelbauern müssten Pflanzen deshalb weiträumig vernichten oder auf zyklischen Anbau ausweichen. Daneben begünstige der Klimawandel mit zunehmenden Hitze- und Dürre-Perioden die Ausbreitung der Krankheit.

Hardy Pfanz von der Universität Duisburg/Essen bescheinigt dem Anbau mediterraner Pflanzen auch in Deutschland einige Chancen. »Die Voraussetzungen dafür waren noch nie so gut wie in diesem Jahrhundert«, berichtet der Lehrstuhlinhaber für Angewandte Botanik und Vulkanbiologie vor dem Hintergrund des drohenden Klimawandels. Erfolgreich praktiziert werde bereits Weinanbau in Südschweden, und die bis vor einiger Zeit nur im südlichen Deutschland vorkommenden echten Sommertrüffel seien nun auch im Ruhrgebiet gefunden worden.

Während der wirtschaftliche Erfolg des Pilotprojekts eher noch ungewiss ist, macht der Acker im Kreis Lippe als Besuchermagnet Karriere. Einige hundert Meter vor dem Feld sollen nun Hinweisschilder aufgestellt werden, um den Autoverkehr in den Griff zu bekommen und motorisierte Besucher rechtzeitig zu stoppen.

Auch in Salzkotten (Kreis Paderborn) betreibt der Gärtner Andreas Beine ein Lavendelfeld, das 4500 Quadratmeter groß ist. Öl herstellen möchte er nicht, die getrockneten Blüten sollen verkauft werden, zum Beispiel auf dem ­Katharinenmarkt in Delbrück Mitte September.

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