Nirgendwo in NRW stehen so viele Anlagen – Vergütung sinkt Windland OWL

Detmold (WB). In OWL steht ein Viertel (26 Prozent) aller Windräder in NRW, sie stellen 27 Prozent der landesweit installierten Gesamtleistung bereit. Das belegt die am Donnerstag veröffentlichte Bilanz der Bezirksregierung Detmold. Die Behörde rechnet mit einem weiteren Ausbau.

Von Bernd Bexte
In keiner anderen Region NRWs stehen so viele Windräder wie in Ostwestfalen-Lippe. Es sind fast 1000. Auf Platz zwei folgt das das Münsterland mit etwa 850 Windenergieanlagen.
In keiner anderen Region NRWs stehen so viele Windräder wie in Ostwestfalen-Lippe. Es sind fast 1000. Auf Platz zwei folgt das das Münsterland mit etwa 850 Windenergieanlagen. Foto: dpa

Zum Stichtag 1. Januar standen 953 Windenergieanlagen (WEA) mit einer Leistung von 1456 Megawatt in der Region. Mehr als die Hälfte der Windräder drehen sich im Kreis Paderborn: Die 489 Anlagen erzeugen etwa 61 Prozent der in OWL installierten Gesamtleistung. Es folgen die Kreise Höxter (19 Prozent WEA / 16 Prozent Gesamtleistung) und Lippe (13 Prozent WEA / 11 Prozent Gesamtleistung). »Für OWL ist auch weiterhin mit einem Zubau von Windrädern und vor allem von neu installierter Windenergieleistung zu rechnen«, sagt Michael Ganninger von der Bezirksregierung. Es geht vor allem um Kapazitätssteigerungen pro Windrad, das sogenannte Repowering. Viele in den 1990er Jahren aufgestellte Rotoren seien jetzt abgeschrieben, würden durch deutlich leistungsstärkere ersetzt.

Und auch die Kommunen sind rege: Laut Bezirksregierung bereiten aktuell zwölf Kommunen die Überarbeitung ihrer Bauleitung zur Ausweisung von Windkraftflächen vor, 23 befänden sich im Planungsprozess. 22 Kommunen hätten ihre Überarbeitung bereits abgeschlossen, sechs verfolgten diese allerdings nicht weiter. 63 der 70 Städte und Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe hatten ursprünglich geplant, ihre bestehenden Pläne zu überarbeiten.

Ausschreibungsverfahren für den Bau neuer Windräder

Statistisch ist die Zahl der Windräder in OWL 2017 eigentlich gesunken: 2016 zählte die Behörde noch 1060 Anlagen mit eine Leistung von 1575 Megawatt. »Bislang haben wir auch die bereits genehmigten, aber noch nicht errichteten Anlagen eingerechnet«, erläutert Ganninger. Davon sehe man jetzt ab. Grund ist die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu Beginn des Jahres 2017. Seitdem gibt es ein Ausschreibungsverfahren für den Bau neuer Windräder. Damit sollte der rasante Anstieg der EEG-Umlage eingedämmt werden. Sie erhöhte sich von 2 Cent (2010) auf fast 7 Cent (2017). Aktuell sind es 6,8 Cent je Kilowattstunde.

»Jeder, der sich jetzt bewirbt, muss bereits die Genehmigung für eine Anlage vorweisen können«, erläutert Ganninger. Da aber nicht alle Bewerber einen Zuschlag erhalten, würden letztlich nicht mehr alle genehmigten Anlagen auch gebaut. »Deshalb die neue, realitätsnahere Zählung.« Bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur setzt sich jetzt durch, wer die geringste Einspeisevergütung verlangt. »Da werden teilweise nicht mehr auskömmliche Preise angeboten«, sagt Ganninger. Viele Bieterverfahren seien überzeichnet.

»Viele noch 2016 genehmigte Anlagen wurden erst 2017 gebaut«

Laut Bundesnetzagentur lag die durchschnittliche Vergütung pro eingespeister Kilowattstunde zuletzt bei 4,7 Cent für Windkraftanlagen an Land. Ein halbes Jahr zuvor hatte sie bei 4,28 Cent gelegen, Anfang 2017 deutlich über 5 Cent. »Durch die gesetzliche Neuregelung wird die Vergütung insgesamt sinken«, sagt Olaf Peter Eul, Sprecher der Bundesnetzagentur.

Bürgergesellschaften von lokalen Privatleuten werden bei den Ausschreibungen bevorzugt, um sie verstärkt an der Energiewende zu beteiligen. Trotz der zu erwartenden sinkenden Vergütung war 2017 erneut ein Rekordjahr für den Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland. »Viele noch 2016 genehmigte Anlagen wurden erst 2017 gebaut«, erklärt Ganninger. Der Bundesverband Windenergie, größter Fachverband der Branche, bemängelt die Umsetzung des neuen Ausschreibungsverfahrens. Es sei anfangs »zu massiven Fehlsteuerungen« gekommen, weil zwischen Projekten, die eine Genehmigung nachweisen mussten und solchen, die ohne Genehmigung teilnahmeberechtigt waren, »kein fairer Wettbewerb gegeben war«. Jetzt laufe es aber besser.

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