Landgericht Detmold setzt Prozess um Doppelmord an Frau und Kind fort Zeugin: »Der war nett«

Detmold (WB/ca). Als nett, zuvorkommend und ruhig hat eine Sozialarbeiterin am Montag den Mann beschrieben, der im September in Detmold seine Nachbarin (24) und deren Sohn (6) niedergemetzelt hatte. »Das hätte ich ihm nie zugetraut«, sagte die Zeugin (31) vor dem Landgericht Detmold.

Thomas T. wird von Justizwachtmeister Reinhard Kleesiek in den Gerichtssaal geführt.
Thomas T. wird von Justizwachtmeister Reinhard Kleesiek in den Gerichtssaal geführt. Foto: Althoff

 Thomas T. (53) hatte die Morde zum Prozessbeginn in der vergangenen Woche gestanden. Die Nachbarin habe sterben müssen, weil sie ihn nicht habe küssen wollen, sagte er. Und den Jungen habe er getötet, damit der seine blutüberströmte Mutter nicht habe sehen müssen.

Oberstaatsanwalt schließt Planung der Tat nicht aus

Die »Herberge zur Heimat« ist eine Einrichtung in Lippe, die Menschen in sozialen Notlagen hilft. »Thomas war jemand, der Hilfe bei Behördengängen brauchte – zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen an das Jobcenter«, sagte die Sozialarbeiterin. Sie habe sich eineinhalb Stunden pro Woche mit ihm befasst. »Wir hatten ein gutes Verhältnis und haben über alles gesprochen. Thomas war ein hilfsbereiter Mensch, der sich um seine Nachbarn kümmerte.« Sie sei auch mal in seiner Wohnung gewesen, sagte die Zeugin. »Aber er hat bei mir nie etwas versucht.« Dass er vorbestraft gewesen sei, (T. hatte 2004 in Bad Salzuflen versucht, eine Frau umzubringen und das Opfer vergewaltigt) habe sie nicht gewusst.

Tage vor den Morden erzählte Thomas T. der Sozialarbeiterin und anderen Menschen, er werde bald nach München fahren. Tatsächlich aber floh er nach der Tat per Bahn nach Hamburg. Oberstaatsanwalt Christopher Imig schließt nicht aus, dass Thomas T. den Mord an der Frau und seine Flucht geplant hatte und eine falsche Spur legen wollte.

»Eingeschränkte Intelligenz«

Allerdings ging dem 53-Jährigen in Hamburg schnell das Geld aus. Fünf Tage nach dem Doppelmord rief er seine Sozialarbeiterin aus einer Telefonzelle an. Während die Frau mit ihm sprach, veranlasste sie geistesgegenwärtig eine Kollegin, die Polizei zu alarmieren. Die Sozialarbeiterin fragte Thomas T., wo er gerade sei, und er antwortete: »St. Pauli.« Auf Bitten der Sozialarbeiterin verließ er die Telefonzelle kurz, um Passanten nach seinem genauen Standort zu fragen. Den gab er durch, und wenig später nahmen Hamburger Polizisten den gesuchten Doppelmörder in der Nähe fest.

Gutachterin Dr. Nahlah Saimeh übergab dem Gericht am Montag ihr vorläufiges schriftliches Gutachten. Danach soll Thomas T. wegen eingeschränkter Intelligenz nicht in der Lage sein, auf Zurückweisungen von Frauen angemessen zu reagieren. Für den Mord an der Nachbarin könne verminderte Schuldfähigkeit deshalb nicht ausgeschlossen werden, meint Dr. Saimeh. Als Thomas T. das Kind umgebracht habe, sei er jedoch voll schuldfähig gewesen.

Der Prozess soll am Dienstag zu Ende gehen. Oberstaatsanwalt Imig sagte am Rande der Verhandlung, er werde voraussichtlich lebenslange Haft, die Feststellung der besonders schweren Schuld und Sicherungsverwahrung fordern.

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