Frau und deren Sohn umgebracht – spektakulärer Prozess in Detmold Der fürsorgliche Mörder

Detmold (WB). Der hilfsbereite Nachbar entpuppte sich als Mörder. Erst unterstützte der Gelegenheitsarbeiter Thomas T. die bulgarische Frau bei der Einrichtung ihrer Wohnung, dann stach er zu, als sie einen Annäherungsversuch abwehrte. Um die Tat zu vertuschen, musste auch noch der Sohn (6) der Frau sterben.

Von Dietmar Kemper
Thomas T. zwischen Hauptwachmeister Reinhard Kleesiek und seinem Anwalt Helmut Wöhler. Der Angeklagte beschrieb sich als stets hilfsbereiter Mensch: »Ich kann nicht nein sagen.« Die Morde tun ihm angeblich leid.
Thomas T. zwischen Hauptwachmeister Reinhard Kleesiek und seinem Anwalt Helmut Wöhler. Der Angeklagte beschrieb sich als stets hilfsbereiter Mensch: »Ich kann nicht nein sagen.« Die Morde tun ihm angeblich leid.

Seit Donnerstag muss sich der 53-Jährige vor dem Landgericht in Detmold verantworten , die beiden Morde hat er bereits gestanden. Er habe die Frau nicht vergewaltigen wollen, betonte Thomas T. gestern mehrfach. »Ich wollte ihr einen Kuss auf die Backe geben«, erzählte er über den Abend des 9. September 2017. Als Hatidzhi B. eine abwehrende Geste gemacht habe, sei er »richtig sauer« geworden. »Ich habe sofort zugestochen«, schilderte der Angeklagte.

Das Verbrechen geschah im Keller, wohin der Mann für seine Nachbarin einen Schrank gebracht hatte. Die bewusstlose Frau brachte er in seine Wohnung im Obergeschoss. Dort wollte der durch Pornos innerlich aufgeheizte Mann die Bulgarin nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sexuell missbrauchen. Als er gemerkt habe, dass sie noch röchelte, habe er ihr mit dem Küchenmesser zusätzlich in den Hals gestochen.

Mit »erheblicher Wucht« zugestochen

Die Anwälte Murat Baspinar (links) und Remzi Yalcin vertreten die Eltern der Frau und den Vater des Sohnes. Foto: Oliver Schwabe

Die Rechtsmedizin der Uni Münster stellte an der Leiche der nur 1,54 Meter großen und 48 Kilogramm leichten Frau 15 Stich- und Schnittverletzungen fest. Oberarzt Bernd Karger sagte, der Täter habe mit »erheblicher Wucht« zugestochen. Das zeigte sich auch an der Leiche des Sohnes Achmed. Der Sechsjährige wies ebenso 15 Stichverletzungen auf, zweimal rammte ihm Thomas T. das Messer ins Herz.

»Weil er seine Mutter so nicht sehen sollte, habe ich zugestochen«, sagte der Mann gestern, der weder einen Schulabschluss, noch einen Beruf hat und glaubt, dass ihn Frauen für hässlich halten. Um Kontakt zu ihnen aufzunehmen, habe er ihnen seine Hilfe angeboten und in der Wohnung der Bulgarin zum Beispiel Gardinen aufgehängt und den Fernseher eingestellt.

Die 24-Jährige, die für einen Online-Möbelhändler arbeitete, war erst wenige Wochen zuvor in das Haus in Detmold eingezogen und litt nach Angaben einer Betreuerin unter ihrem gewalttätigen Ehemann. Thomas T. habe versprochen, sie zu beschützen, erzählte die Betreuerin: »Ich glaube aber nicht, dass sie mehr Kontakt zu ihm haben wollte.«

Ergebnisse des psychatrischen Gutachten stehen aus

Nach der Tat war Thomas T. nach Hamburg geflüchtet und dort am 14. September festgenommen worden. Die Frage des Richters Karsten Niemeyer, warum er nach der Verweigerung des Kusses sofort zugestochen habe, statt mit der Frau zu reden, konnte der Täter nicht wirklich beantworten. Auf die Frage der psychiatrischen Gutachterin Nahlah Saimeh, ob er sich gekränkt gefühlt habe, sagte er »ja«. Saimeh will ihr Gutachten am Montag vorlegen. Sollte sie zu dem Schluss kommen, dass bei dem 53-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt, kann er nicht zu lebenslang verurteilt werden. Möglicherweise verfügt das Gericht aber eine Sicherungsverwahrung.

Thomas T. ist kein unbeschriebenes Blatt: In Bad Salzuflen hatte er 2004 eine Nachbarin mit mehr als 20 Stichen niedergestreckt. Als sie das Bewusstsein verlor, glaubte er, die Frau sei tot und missbrauchte sie. Das Opfer kam zu sich und schleppte sich aus der Wohnung. Das Landgericht Detmold gestand dem Täter damals verminderte Schuldfähigkeit zu und bescheinigte ihm einer Persönlichkeitsstörung wegen Intelligenzminderung. Thomas T. erhielt eine achtjährige Haftstrafe wegen versuchten Mordes, kam aber vorzeitig frei.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.