Arbeitsschutz moniert Verstöße an Herzkatheter-Arbeitsplätzen Mängel beim Röntgeneinsatz

Detmold (WB). An Herzkatheter-Arbeitsplätzen in NRW werden nahezu flächendeckend Vorgaben zum Strahlenschutz nicht eingehalten. Das hat eine Überprüfung des staatlichen Arbeitsschutzes ergeben.

Von Bernd Bexte
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) habe die Anzahl der gefundenen Mängel gezeigt, dass die Kontrolle der Herzkatheter-Arbeitsplätze überfällig gewesen sei.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) habe die Anzahl der gefundenen Mängel gezeigt, dass die Kontrolle der Herzkatheter-Arbeitsplätze überfällig gewesen sei. Foto: dpa

137 der 141 untersuchten Praxen, Kliniken und Labore waren auffällig. Die

Herzkatheteruntersuchung

Die Untersuchung ist ein minimal-invasives Diagnoseverfahren zur Analyse von krankhaften Veränderungen der Herzkranzgefäße, der Herzklappen, des Herzmuskels und der Herzanlage. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch, der Herzkatheter, über Venen oder Arterien der Leiste, der Ellenbogen oder des Handgelenks eingeführt und bis zum Herzen vorgeschoben. Dabei werden die Herzkranzgefäße mittels Röntgen-Kontrastmittel auf einem Röntgen-Bildschirm sichtbar gemacht.

Arbeitsschützer leiteten 50 Verfahren ein: von Verwarngeld bis 55 Euro bis hin zu Bußgeld in Höhe von 5000 Euro. »Die hohe Anzahl der gefundenen Mängel zeigt mir, dass die Kontrolle der Herzkatheter-Arbeitsplätze überfällig war«, bilanziert NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Schließlich hatte es eine landesweite Überprüfung dieser Art zuletzt im Jahr 1995 gegeben.

Wie gut sind Patienten, Ärzte und medizinische Assistenzkräfte vor Strahlenbelastungen bei Herzkatheter-Untersuchungen geschützt? Dieser Frage war der staatliche Arbeitsschutz, angesiedelt bei den Bezirksregierungen, bei der Überwachungsaktion nachgegangen.

Kontrollen nicht zufriedenstellend

Das Ergebnis der Kontrollen stelle nicht zufrieden, moniert Laumann: Es seien zwar keine gravierenden Fehler entdeckt worden. Die Prüfer seien aber in fast allen Einrichtungen auf Mängel gestoßen. Angaben zu einzelnen Standorten macht das Ministerium »aus datenschutzrechtlichen Gründen« nicht. Der Arbeitsschutz hatte 141 Einrichtungen mit insgesamt 265 Herzkatheter-Arbeitsplätzen aufgesucht.

An etwa jedem zweiten Standort (71 Einrichtungen) entdeckten die Prüfer sogar gleich zehn Mängel und mehr. Eine sofortige Stilllegung von Röntgengeräten sei allerdings nicht erforderlich gewesen. Allerdings musste in acht Fällen die Nutzung von Geräten durch externe Mitbetreiber untersagt werden, weil diese nicht die dafür erforderliche Genehmigung besaßen.

Fehlende Fachkunde

Besondere Auffälligkeit: Etwa ein Drittel der Mängel betraf fehlende Fachkunde. So konnten zahlreiche Kardiologen nicht den entsprechenden Nachweis vorlegen. Sie verfügten lediglich über die Fachkunde für die »Notfalldiagnostik«. Diese gehört laut Ministerium im medizinischen Bereich allerdings »zur niedrigsten Gruppe« und ist für einen Herzkatheter-Arbeitsplatz nicht ausreichend. Dabei sei die Fachkunde bei der Anwendung von Röntgenstrahlen von besonderer Bedeutung.

In OWL gab es offenbar keine schweren Verstöße: Hier wurden 18 Krankenhäuser und Praxen mit 31 Herzkatheter-Arbeitsplätzen kontrolliert. Wesentlicher Mangel sei die fehlende jährliche Mitarbeiterunterweisung gewesen.

Auch gab es Verstöße gegen die »Dokumentation über die Handhabung der Einrichtung« für die Ärzte, die vor Ort Untersuchungen durchführten, erklärt die Bezirksregierung. Wie viele der 18 Standorte Mängel aufwiesen, teilte die Behörde nicht mit.

Beim Herzkathetereinsatz »müssen die Strahlenbelastungen für die Patienten und Mitarbeiter so gering wie möglich sein. Das medizinische Personal entsprechend aus- und weiterzubilden, trägt ganz wesentlich dazu bei«, mahnt Minister Laumann jetzt an.

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