Flüsse werden wieder natürlicher, aber Mikroplastik bleibt ein Problem Gewässerschutz: Jeder kann helfen

Detmold (WB). Tobias Gaul hat das Duschgel gewechselt. »Denn in vielen Kosmetika wie Peelings, Shampoos oder Sonnencremes sind kleinste Kunststoffteile«, sagt er.

Von Bernd Bexte
Der Furlbach im Bereich der Senne in Schloß Holte-Stukenbrock hat sich natürlich entwickelt und zeigt nahezu unbeeinflusste Strukturen. Die Wasserqualität des etwa 15 Kilometer langen Nebengewässers der Ems ist gut. Der »gute ökologische Zustand« ist jedoch noch nicht erreicht: Fischen stehen bei ihren Wanderungen noch Hindernisse im Weg.
Der Furlbach im Bereich der Senne in Schloß Holte-Stukenbrock hat sich natürlich entwickelt und zeigt nahezu unbeeinflusste Strukturen. Die Wasserqualität des etwa 15 Kilometer langen Nebengewässers der Ems ist gut. Der »gute ökologische Zustand« ist jedoch noch nicht erreicht: Fischen stehen bei ihren Wanderungen noch Hindernisse im Weg. Foto: Rolf Timmermann

Der Mikroplastik-Ratgeber

In Industrieländern wie Deutschland sind es nicht die Plastiktüten, die zur Verschmutzung der Meere beitragen. Es sind kleinste Plastikteilchen, die aus Duschgels und anderen Pflegeprodukten stammen, und den Weg in die Meere finden. Mehrere Hersteller haben bereits den Verzicht auf Mikroplastik angekündigt. Der BUND hat einen Einkaufsratgeber zusammengestellt. Er listet alphabetisch Produkte auf, die solche Kunststoffe enthalten. Der Ratgeber kann hier heruntergeladen werden:

Tobias Gaul ist der für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Ostwestfalen-Lippe zuständige Mitarbeiter der Bezirksregierung Detmold. »Die Gefahr haben wir erst in den vergangenen Jahren wirklich erkannt.« Mikroplastik belaste auch die heimischen Gewässer.

Doch wie gut ist deren Qualität überhaupt? Darüber informierte Gaul jüngst den Regionalrat in Detmold, das politische Gremium bei der Bezirksregierung. Hintergrund: Laut der im Jahr 2000 erlassenen Wasserrahmenrichtlinie der EU müssen alle Gewässer bis spätestens 2027 in einem »guten Zustand« sein. Zehn Prozent sind es derzeit aber erst, trotz vieler Fortschritte: Vor zwei Jahren waren es noch acht Prozent. »Es ist bereits viel geschehen, aber insgesamt ist es noch ein weiter Weg«, sagt Gaul.

Dabei wird viel investiert: 130 Millionen Euro Fördergeld sind in den vergangenen zehn Jahren in die Renaturierung von Gewässern und die Verbesserung des Hochwasserschutzes in OWL geflossen. In der Regel werden damit 80 Prozent der Kosten vor Ort gedeckt. Den Rest tragen zumeist die Kreise. Gaul sieht allerdings auch die Verbraucher in der Pflicht, beim Kosmetikakauf Produkte mit Mikroplastik zu meiden.

Projektbeispiel ist die Dalke in Gütersloh

Eine jetzt von der Bezirksregierung aufgelegte Broschüre »Gewässerentwicklung mit Mehrwert« gibt einen Überblick über zehn beispielhafte Projekte aus der Region. Was wurde getan? Welche Probleme wurden gelöst? Wie sieht das Gewässer heute aus? Antworten gibt es auf 36 Seiten. Außerdem stellen sich die drei Gewässerentwicklungsprojekte vor: »Weser-Werre-Else« in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford, »Wasser im Fluss« im Kreis Lippe und das »Gewässerentwicklungsprojekt im Kulturland Kreis Höxter«. Sie beschäftigen Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt und verbinden so ökologischen Nutzen mit Beschäftigungsmaßnahmen.

Ein Projektbeispiel ist die Dalke in Gütersloh: Vor zehn Jahren verlief der Fluss schnurgerade durch die Gütersloher Innenstadt. Seitdem hat ihn die Kommune an mehreren Stellen ökologisch umgestaltet. Gütersloher Bürger gründeten zudem eine Umweltstiftung und legten einen Wassererlebnispfad an. Heute nutzen Grundschulen die renaturierten Gebiete als »grünes Klassenzimmer«.

Finanziert durch das Wasserentnahmeentgelt

Eine ökologische Umgestaltung verbessert auch den Hochwasserschutz. Beispiel Lemgo: Die Bega fließt mitten durch das Lemgoer Stadtgebiet. Dies hatte beim Hochwasser 1946 zur Überflutung der Innenstadt geführt. 50 Millionen Euro – das wäre laut Hochwasseraktionsplan der zu erwartende Schaden für die Lemgoer im Falle eines erneuten »Jahrhunderthochwassers« der Bega. Durch Gewässerumgestaltungen in sechs Bauabschnitten wird die Stadt zukünftig vor Überschwemmungen geschützt.

Finanziert werden all diese Maßnahmen durch das sogenannte Wasserentnahmeentgelt. Es regelt, dass Wassernutzer für das Entnehmen und Ableiten von Grund- und Oberflächenwasser eine Gebühr in Höhe von 0,35 bis 5 Cent pro Kubikmeter zahlen müssen. Zu den Zahlungspflichtigen gehören zum Beispiel große Industriebetriebe und Kraftwerke.

Durch Nährstoffeinträge belastet auch die Landwirtschaft die Gewässer. Sieben von landesweit 31 Modellbetrieben erproben deshalb in Ostwestfalen-Lippe gewässerschonende Landwirtschaft, unter anderem mit bestimmten Düngeverfahren.

Seit Juni beraten zudem drei Fachleute aus den Bereichen Wasserwirtschaft und Bodenordnung Kommunen bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

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