Sportwagen statt Erbe: Gericht hält Vertrag für sittenwidrig Zahnarzt wollte Sohn austricksen

Detmold (WB/bex). Ein Zahnarzt aus Detmold hat seinen Sohn beim Erbe austricksen wollen. Vor Gericht erlitt er eine Niederlage.

Ein solcher Nissan GTR fasziniert Vater und Sohn.
Ein solcher Nissan GTR fasziniert Vater und Sohn.

Er hatte ihm zum 18. Geburtstag versprochen, er könne seinen Sportwagen Nissan GTR X bekommen. Zunächst sollte der Sohn aber 25 Jahre alt werden und eine Zahntechnikerausbildung mit Bestnote abschließen. Im Übrigen sollte er auf sein Erbe verzichten.

Ein Paderborner Notar besiegelte den Vertrag 2013. Doch der Sohn zog vor Gericht. Das Landgericht Detmold und das Oberlandesgericht (OLG) Hamm gaben ihm Recht. Der Plan des Vaters sei sittenwidrig.

Der 1995 geborene Sohn wuchs bei seiner Mutter im Rheinland auf, nachdem die Ehe der Eltern 1997 geschieden worden war. Im Sommer 2013 verließ er vorzeitig die Schule, zog zum Vater nach Detmold und begann dort eine Ausbildung zum Zahntechniker. Zu dieser Zeit erwarb der Zahnarzt für 100.000 Euro den Nissan-Sportwagen, für den sich auch sein Sohn begeisterte. Gelegentlich saß er selbst am Steuer.

Schnelle Reue nach Vertragsabschluss

Wenige Tage nach dem 18. Geburtstag des Sohnes fuhr der Vater mit ihm zu einem Notar nach Paderborn. Dort vereinbarten sie einen notariell beurkundeten Erb- und Pflichtteilsverzicht des jetzt Volljährigen beim Tod des Vaters.

Zur Abfindung sollte er zum 25. Geburtstag den Sportwagen bekommen. Dies aber nur, wenn er bis dahin eine Ausbildung zum Zahntechnikergesellen und Zahntechnikermeister mit »sehr gutem Ergebnis« abgeschlossen haben sollte.

Schon kurz nach der Beurkundung bereute der Sohn den Vertragsabschluss. Er brach seine Ausbildung in Detmold ab, kehrte zur Mutter zurück und klagte gegen den Erbverzicht. Dieser sei sittenwidrig und damit nichtig.

Gericht: Vater nutzte Unerfahrenheit aus

Das sah zunächst das Landgericht Detmold so, jetzt auch das OLG in Hamm. Außerdem werde der Sportwagen bis zur möglichen Übergabe erheblich an Wert verlieren. Die Bedingung einer erfolgreichen Ausbildung knebele den Kläger bei der Berufswahl. »Der geschäftsgewandte Beklagte hat die Unerfahrenheit seines Sohnes zu seinem Vorteil ausgenutzt«, urteilt das Gericht.

Der Vater habe zudem bewusst den Eintritt der Volljährigkeit seines Sohnes abgewartet, wohlwissend, dass die Mutter dem Geschäft zuvor nicht zugestimmt hätte und es vom Familiengericht nicht genehmigt worden wäre. Mit der Wahl des Beurkundungstermins habe er den Eindruck erweckt, es handele sich um ein Geburtstagsgeschenk. (Z 10 U36/15)

Kommentare

@Barney Gumble
Offensichtlich hat er seinem Vater ja nicht vertraut, sonst hätte er den Vertrag nicht im Nachhinein angefochten.

@Mark C.
Nur weil ein Kind seinem leiblichen Vater vertraut hat, und der dieses Vertrauen missbrauchte, lässt es sich leicht manipulieren?

Wenn sich ein 18 Jahre alter junger Mann so plump manipulieren lässt, sollte man vielleicht mal drüber nachdenken das Wahlalter hochzusetzen.

3 Kommentare

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