Als Lebensraum für Fische sind sie aber noch ungenügend Flüsse und Bäche sauber

Detmold/Paderborn (WB). In Nordrhein-Westfalen ist die Nitratkonzentration im Grundwasser vielfach zu hoch. Das steht, wie berichtet, im Nitratbericht der Bundesregierung. Aber es ist beileibe nicht alles schlecht.

Von Dietmar Kemper
Der Lippesee bei Paderborn ist ein beliebtes Erholungsgebiet für die Bevölkerung. Als das Wasser im See wärmer wurde als das im Fluss, wurde die Situation für Fische oder Krebse ein Problem. Die Lippesee-Umflut sorgte für Abhilfe.
Der Lippesee bei Paderborn ist ein beliebtes Erholungsgebiet für die Bevölkerung. Als das Wasser im See wärmer wurde als das im Fluss, wurde die Situation für Fische oder Krebse ein Problem. Die Lippesee-Umflut sorgte für Abhilfe. Foto: Jörn Hannemann

Bei Flüssen und Bächen wird zwischen dem chemischen und dem ökologischen Zustand unterschieden. »Der chemische Zustand ist in aller Regel gut«, sagt Tobias Gaul zur Situation in OWL. Gaul leitet die Geschäftsstelle Weser bei der Bezirksregierung Detmold und ist der zuständige Mann für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Gefährliche Inhaltsstoffe – von erbgutschädigend bis krebserregend – finden sich in den heimischen Gewässern nicht. Ein Problem sind die PAKs, die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die bei Verbrennungsprozessen (Holz, Kohle, Kraftstoffe) entstehen und mit dem Regen in Fließgewässer gelangen. Die Bezirksregierung stellte PAKs zum Beispiel in der Bega, Diemel, Ems, Passade und Werre fest.

Überschreitungen bei Pflanzenschutzmittelrückständen

Als ubiquitärer, also überall in der Welt auftretender Schadstoff gilt Quecksilber, das bei der Verbrennung von Kohle entsteht. »Wir haben Quecksilber bei uns in einer sehr geringen Konzentration in den Flüssen und Bächen, aber weil es Quecksilber überall gibt, wird es bei der Bewertung der Gewässergüte vor Ort ausgeklammert«, erläuterte Gaul.

Bei Pflanzenschutzmittelrückständen wurden in OWL im zweiten Quartal 2016 insgesamt 20 Überschreitungen des Grenzwerts registriert. Generell sei man beim chemischen Zustand aber auf einem sehr guten Weg, betont Gaul.

Mikroplastikteilchen bilden neue Gefahr

Das sieht auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) so. Die großen Probleme der Vergangenheit – Stichwort Schwermetalle – seien überwunden, allerdings sei ein neues an ihre Stelle getreten, sagt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia: »Das sind die Mi­kroplastikteilchen, die in Kosmetikartikeln wie Zahnpasta oder in Reinigungsmitteln wie Scheuermilch enthalten sind. Kläranlagen halten die winzigen Kunststoffteilchen häufig nicht auf, so dass sie in die Flüsse, die Mäuler von Fischen und irgendwann auf unseren Teller gelangen können.«

Eine Plastiktüte am Flussufer, die sich zersetzt, enthalte bis zu 120.000 solcher Teilchen.

50.000 Kilometer Flüsse und Bäche

Im dicht besiedelten, industrialisierten Nordrhein-Westfalen gibt es Wasser reichlich. Flüsse und Bäche erstrecken sich über mehr als 50.000 Kilometer, die Zahl der Seen beträgt 2500. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU, das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes und das Landeswassergesetz verpflichten die Bezirksregierungen dazu, einen guten Zustand herzustellen.

Was die Ökologie von Flüssen und Bächen anbelangt, ist noch viel zu tun. »Etwa zehn Prozent der Gewässerabschnitte sind in dem angestrebten guten Zustand«, weiß Tobias Gaul. In anderen Bundesländern sei das nicht anders.

Beispiel Lippesee-Umflut

Flüsse als Lebensraum für Pflanzen und Tiere werden für Landwirtschaft, Schifffahrt, Tourismus und Hochwasserschutz massiv verändert, sie werden begradigt, aufgestaut, mit Wehren, Schwellen und Abstürzen verändert. Staustufen bewirken, dass Wanderfischarten wie der Lachs nicht mehr weiterkommen, die natürliche Abflussdynamik verlorengeht und das, was ein Fluss mit sich führt, wie Sand und Kies, hängen bleibt.

Renaturierungen ermöglichen eine Zunahme des Artenreichtums. Gaul verweist als Beispiel auf die Lippesee-Umflut bei Paderborn. Hier wurde der Lippesee, dessen Wasser wärmer geworden war als das im Fluss selbst, umgangen, um die schädlichen Folgen für das Ökosystem zu vermindern und Lebewesen wie Fischen, Schnecken oder Krebsen eine Alternative zu bieten. Eine gute Biologie herrscht zum Beispiel auch im Krollbach und in der Ems bei Hövelhof, in der Beke (Altenbeken), der Heder (Salzkotten), dem Menkebach (Oerlinghausen) und dem Roten Bach (Schloß Holte-Stukenbrock).

Auch große Flüsse machen Fortschriftte. In der Ruhr darf 2017 zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder geplantscht werden. Dafür wird an einer Stelle in Essen eine Badestelle eingerichtet. Und die Wasserqualität in den NRW-Badeseen wird von der Europäischen Umweltagentur regelmäßig als »ausgezeichnet« bewertet.

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