Interessierte können Hedy Bohm in Detmold treffen Gespräch mit Überlebender

Detmold (WB/ca). Es ist eine seltene Gelegenheit zum Gedankenaustausch: Die Auschwitz-Überlebende Hedy Bohm (87) steht am Mittwochabend im Mittelpunkt einer öffentlichen Gesprächsveranstaltung in Detmold.

Hedy Bohm überlebte den Holocaust.
Hedy Bohm überlebte den Holocaust. Foto: dpa

Mittwoch wird der Auschwitz-Prozess gegen den ehemaligen SS-Unterscharführer Reinhold Hanning (94) aus Lage fortgesetzt. Dort wird Nebenklägerin Hedy Bohm aus Toronto als letzte Zeugin in diesem Prozess, die Auschwitz überlebt hat, aussagen. Sie will ihren ermordeten Eltern, die in den Gaskammern starben, eine Stimme geben.

Hedy Bohm wurde 1928 in Oradea (Rumänien) geboren und 16 Jahre später mit ihren Eltern nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Während sie als arbeitsfähig selektiert wurde, wurden ihre Eltern getötet. Hedy Bohm, die mit 16 Jahren das Vernichtungslager überlebte und nur durch die Abordnung in ein Arbeitslager von VW der Ermordung entging, hatte seit dem Kriegsende Deutschland nur noch auf der Durchreise betreten. »Ich konnte nicht in dieses Land zurückkehren.«

Nebenklägerin beim Prozess gegen den »Buchhalter von Auschwitz«

Die 87-jährige Jüdin trat dann aber 2015 vor dem Landgericht Lüneburg als Nebenklägerin beim Prozess gegen den »Buchhalter von Auschwitz«, den früheren SS-Mann Oskar Gröning auf. Zweimal reiste sie aus ihrer Heimatstadt Toronto nach Lüneburg. »Ich kann eine Stimme sein für meine Eltern und meine Familie, die nicht mehr hier sein können«, sagte sie. Während der Zeit in Auschwitz habe sie nichts von Gaskammern und Krematorien gewusst, sagte sie im Lüneburger Prozess. »Ich weiß nicht, wie ich so naiv sein konnte.«

Sie verspüre keine Rachegefühle, doch sie könne auch nicht vergeben. »Niemals!« Ein einfaches »Es tut mir leid« habe ihr bei Oskar Gröning gefehlt. Auch die Bestrafung Reinhold Hannings ist für Hedy Bohm zweitrangig. Wichtig ist ihr, dass der Prozess überhaupt stattfindet. Gerechtigkeit gebe es nur, wenn nicht nur Opferzahlen im Prozess genannt würden, sondern Eltern und Geschwistern eine Stimme gewährt werde.

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe zum Auschwitz-Prozess laden die Initiative »Gegen das Vergessen« und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mittwochabend zum Gesprächsabend mit Hedy Bohm in das Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38 ein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

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