DJH-Jahresbilanz: Übernachtungszahlen in OWL steigen entgegen dem Bundestrend Erste Jugendherbergen nehmen Flüchtlinge auf

Detmold (WB). Jugendherbergen sind keine Übernachtungsbetriebe wie andere. Deshalb sind sie manchem gewerblichen Mitbewerber ein Dorn im Auge. Deshalb nehmen sie aber auch Flüchtlinge auf – parallel zum laufenden Betrieb.

Von Bernd Bexte
»Wir bieten mehr als Bett und Brötchen«: DJH-Chef Bernd Dohn, hier am Bielefelder Haus, freut sich über mehr Mitglieder.
»Wir bieten mehr als Bett und Brötchen«: DJH-Chef Bernd Dohn, hier am Bielefelder Haus, freut sich über mehr Mitglieder. Foto: Oliver Schwabe

»Wir bieten mehr als Bett und Brötchen«, sagt Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH) mit Sitz in Detmold. Das zeigt sich aktuell bei der stetig wachsenden Zahl von Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen. Derzeit seien in Jugendherbergen etwa 150 bis 200 Asylbewerber untergebracht, in NRW in Solingen, Monschau, Kevelaer und Wuppertal. »Die Kommunen haben uns angesprochen. Dieser gesellschaftlichen Verantwortung fühlen wir uns verpflichtet«, erklärt Dohn. Anfragen in Westfalen gebe es derzeit nicht.

Städte bringen bei Raumnot Flüchtlinge gelegentlich auch in gewerblichen Hotels unter. Dazu mieten sie meist das gesamte Haus an. Anders beim DJH, in dessen Herbergen die Asylbewerber neben den Jugendgruppen und Familien leben.

Bereits seit Ende 2013 waren in einzelnen Häusern 40 bis 115 Flüchtlinge für jeweils sechs bis zwölf Wochen aufgenommen worden, so etwa in Bremen, Sandhatten bei Oldenburg und in Worpswede. »Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Insbesondere im Kontakt zu Schulklassen hat das gut funktioniert. Wir haben entsprechende Rückmeldungen von Lehrern.«

Die Zahl der Übernachtungen in Jugendherbergen ist 2014 bundesweit um 84.000 auf gut zehn Millionen zurückgegangen. Das liege aber vor allem am Schulfahrtenboykott in Niedersachsen. Aus Protest gegen vom Land verordnete Mehrstunden hatten viele Lehrer auf Klassenfahrten verzichtet. In OWL stieg die Zahl der Übernachtungen in den neun Häusern gegen den Bundestrend um 2,7 Prozent auf 140.500. Die Jugendgästehäuser in Horn-Bad Meinberg, in der Wewelsburg bei Büren und in Petershagen legten zu. Aufwärts geht es auch bundesweit mit den Mitgliederzahlen: knapp 2,4 Millionen sind 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

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