Nobelpreisträger liest in Detmold – Seine Tochter Helene ist mit dem Musikchef des Landestheaters verheiratet Grass auf Familienbesuch in Lippe

Detmold (WB). Die Karten waren innerhalb weniger Stunden vergriffen: An diesem Sonntag liest der Literaturnobelpreisträger Günter Grass in Detmold in zwei Veranstaltungen aus seinem jüngsten Roman »Grimms Wörter«.

Von Manfred Stienecke
Günter Grass hat familiäre Bindungen nach Lippe. Die Einladung des Literaturbüros Detmold zur Lesung nahm er gerne an.
Günter Grass hat familiäre Bindungen nach Lippe. Die Einladung des Literaturbüros Detmold zur Lesung nahm er gerne an. Foto: dpa

Mehr als 1200 Literaturfreunde werden ihm lauschen. Dr. Brigitte Labs-Ehlert, die Leiterin des OWL-Literaturbüros in Detmold, hat den kapitalen Butt im literarischen Karpfenteich »an die Angel bekommen«. Dazu war nicht einmal ein besonderer Köder nötig. »Er hat von selbst angebissen«, sagt die Organisatorin der alljährlich beschrittenen »Wege durch das Land« erfreut. Die frühsommerliche Literatur- und Konzertreihe kann jetzt ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Den Auftakt ins Jubiläumsjahr gestaltet Günter Grass mit einer Matinee im Landestheater und einer abendlichen Lesung im Detmolder Konzerthaus.

Schon vor einiger Zeit habe der 87-Jährige Interesse an einem Leseauftritt in Detmold geäußert, berichtet Labs-Ehlert. Die Qualität und die besondere Lese-Atmosphäre an ganz unterschiedlichen Orten seien auch ihm zu Ohren gekommen und hätten ihn den Kontakt suchen lassen.

Längst gibt es aber für den aus Danzig stammenden Dichter, der 1959 mit dem Roman »Die Blechtrommel« die Wohlstandsrepublik nachhaltig aufweckte, auch persönliche Gründe, ins beschauliche Lippe zu reisen. Hier nämlich lebt seine mit Lutz Rademacher, dem Generalmusikdirektor des Landestheaters, verheiratete Tochter Helene (40). So nutzt Günter Grass die Gelegenheit, sich heute gemeinsam mit seiner Ehefrau Ute im Landestheater die Richard-Strauss-Oper »Salome« anzuschauen, die sein Schwiegersohn dirigiert. Morgen wird das Ehepaar dann Helene Grass – sie entstammt einer früheren Beziehung des Dichters mit der Hamburger Architektin Veronika Schröter – auf der Bühne erleben. Helene Grass übernimmt in dem Trauerspiel »Herzog Theodor von Gothland« des Detmolder Dichters Christian Dietrich Grabbe sogar eine Doppelrolle.

Am Sonntagabend wird übrigens auch Grass' Tochter mit einer Lesung zu erleben sein: Sie ist um 18 Uhr in der Detmolder Christuskirche in der Reihe »Endzeit-Wälder« zu Gast. Eine schöne Möglichkeit für Literaturfreunde, die für die Veranstaltungen ihres Vaters keine Karte mehr ergattert haben.

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