Ärztekammer entzieht lippischer Ärztin die Facharztbezeichnung – Medizinerin klagt Schwere Mängel in Röntgenpraxis

Detmold (WB). Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat einer Röntgenärztin aus dem Kreis Lippe 2014 die Facharztbezeichnung entzogen. Eine Kontrolle hatte schwere Mängel hinsichtlich des Strahlenschutzes von Patienten und Mitarbeitern ergeben.

Von Christian Althoff

Praxen für Nuklearmedizin werden engmaschig von der Ärztekammer überprüft, die dazu die sogenannte »Ärztliche Stelle Strahlenschutzverordnung« unterhält. In der Regel wird jede Praxis einmal im Jahr kontrolliert, was jeweils mehrere Stunden dauert. Ist alles in Ordnung, findet die nächste Überprüfung nach zwei Jahren statt, sonst nach sechs Monaten. Neben der Qualitätssicherung geht es um den bestmöglichen Strahlenschutz für Patienten. Überprüft wird etwa, ob bestimmte Untersuchungen gerechtfertigt waren und die verwendeten Geräte den Vorschriften entsprachen.

In der Praxis der lippischen Ärztin wurden wiederholt Mängel festgestellt. Deshalb informierte die Ärztekammer zuletzt die Bezirksregierung Detmold als Aufsichtsbehörde. Es wurde eine gemeinsame Kontrolle durchgeführt, deren Ergebnis eindeutig war. In Protokollen heißt es: »In zahlreichen Untersuchungen liegen Abweichungen von den Standards in der Nuklearmedizin vor. Eine Gefährdung der Patienten ist nicht auszuschließen.« Es bestünden »erhebliche Zweifel« an der Fachkunde der Ärztin. Sie habe den sachgerechten Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen nicht darlegen können. Es bestünden schwere organisatorische Mängel, die Praxis dürfe so aus Gründen des Strahlenschutzes von Personal und Patienten nicht weitergeführt werden. Zu der Frage, ob es bei Patienten bereits zu Schäden gekommen ist, äußerten sich die Prüfer nicht.

Auf Anordnung der Bezirksregierung Detmold nahm die Medizinerin 2014 noch einmal an einer Prüfung zur Fachkunde im Strahlenschutz teil. Die Kommission stellte in etlichen Bereichen fehlende Kenntnisse fest und bewertete die Prüfung mit »nicht bestanden«. Drei Tage später entzog die Ärztekammer der Nuklearmedizinerin die Facharztbezeichnung. Dagegen klagte die Ärztin vor dem Verwaltungsgericht Minden, verlor aber. Die Erkenntnisse, die die Kontrolleure in der Praxis gewonnen hätten, habe die Ärztin nicht widerlegen können. Die Maßnahme der Ärztekammer sei im Hinblick auf den Patientenschutz auch verhältnismäßig, entschied das Gericht im Januar.

Die Ärztin hat ihre Praxis in Lippe geschlossen und arbeitet jetzt als angestellte Medizinerin in einer großen niedersächsischen Gemeinschaftspraxis – als »Fachärztin für Nuklearmedizin«, wie es auf der Homepage heißt. Volker Heiliger, Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe: »Die Frau hat Berufung gegen das Mindener Urteil eingelegt. solange der Richterspruch nicht rechtskräftig ist, kann sie ihre Facharztbezeichnung weiterhin führen.«

Die Bezirksregierung Detmold will sich zu dem Fall nicht äußern.

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