Biologe soll im Berufungsprozess Auskunft geben – neues Verfahren gegen Rentner Streit um Maulwurfshügel

Detmold (WB). Wie erkennt man einen Maulwurfshügel? Mit dieser Frage wird sich am 24. Februar das Landgericht Detmold beschäftigen. Dann geht dort der Prozess um die angebliche Jagd auf Maulwürfe in die zweite Runde.

Von Von Bernd Bexte
Dieses Werkzeug nutzte der Rentner zur Jagd auf Kleintiere.
Dieses Werkzeug nutzte der Rentner zur Jagd auf Kleintiere.

Wie berichtet, war der Detmolder Rentner Lothar K. Ende Oktober zu einer Geldbuße in Höhe von 1500 Euro verurteilt worden. Amtsrichterin Helle Koonert sah es als erwiesen an, dass der 75-Jährige zweimal versucht habe, mit einem selbstgebauten Jagdwerkzeug einen Maulwurf aufzuspießen. Die Tiere stehen unter Naturschutz. Es ist verboten, den kleinen Grabern nachzustellen, geschweige denn, sie zu töten. Verteidiger Andreas R. Scharmer hatte bereits damals angekündigt, gegen das Urteil vorzugehen. Der Termin für die Berufungsverhandlung steht nun fest: Am Dienstag, 24. Februar, stehen sich die Kontrahenten von 10.15 Uhr an vor dem Landgericht Detmold erneut gegenüber.

Versuch der Tötung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Detmolder Eigenheimbesitzer vor, im vergangenen Juni mit der martialischen Stahlramme – eine an einem Stiehl befestigte Metallplatte, von der fast 20 je 30 Zentimeter lange Nägel ragen – zweimal auf Maulwurfjagd gegangen zu sein. Ein Mieter, der in K.s Haus wohnt, hatte ihn angezeigt und eine Tat auch fotografiert. Daraufhin war gegen K. ein Strafbefehl in Höhe von 4500 Euro erlassen worden. Diesen wollte er jedoch nicht akzeptieren. Es kam zum Prozess. Vor dem Amtsgericht konnte sich der Mieter, ein 28-jähriger Zerspanungsmechaniker, allerdings nicht mehr so genau erinnern. Er habe beobachtet, wie sein Vermieter das Werkzeug in den Boden gestoßen habe, einen toten Maulwurf habe er nicht gesehen. Somit blieb es nur noch beim Vorwurf der versuchten Maulwurfstötung.

Beim Berufungsprozess im Februar wird es jetzt vor allem um die Frage gehen, ob es sich bei den in Frage stehenden Erdhügeln im Garten des Rentners überhaupt um Maulwurfshügel handelt. Diese Frage war bei der Begutachtung von Fotos bereits bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht aufgetaucht. K.s Verteidiger hatte damals darauf verwiesen, dass es sich bei den Anhäufungen um die Arbeit von Schermäusen gehandelt habe. Das Landgericht hat deshalb zur Klärung einen Biologen beauftragt. »Der Gutachter wird zu der Frage vor Gericht Stellung nehmen«, kündigt Gerichtssprecherin Anke Grudda an. K. hatte die Taten vehement bestritten. Er sei ein Naturliebhaber. Das Nagelwerkzeug nutze er ausschließlich zur Jagd auf Ratten, Wühl- und Schermäuse sowie aus »ästhetischen Gründen zur Rasenpflege«. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile ein weiteres Verfahren gegen den Senior eingeleitet, nachdem der Mieter vor Gericht erklärt hatte, 2012 eine Maulwurf-Tötung ganz genau beobachtet zu haben. Über den Stand der Ermittlungen macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben.

Maulwürfe stehen seit 1988 unter ganzjährigem Naturschutz. Sie dürfen allerdings mit Geruchsstoffen oder durch Geräusche vertrieben werden. Auch wenn Maulwurfshügel nicht schön aussehen, so zeigen sie doch an, dass der Boden intakt und voller Leben ist. Naturschützer empfehlen, die aufgeworfene Erde als Anzuchterde oder für Topfpflanzen zu nutzen. Denn die frischen Hügel bestünden aus gesunder Erde, die weniger Krankheitserreger beinhalte als übliches Erdreich.

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