Kreisjägertag 2018: Wie sich das Image des Traditionswesens ändern soll Nachhaltig und naturverbunden

Brakel (WB). Die Jäger im Kreis Höxter wollen den Imagewandel – weg vom Trophäensammler und hin zum Naturschützer. »Es muss nicht jeder Jäger werden. Aber unsere Arbeit sollte in der Gesellschaft akzeptiert werden«, machte Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW, am Samstag die Problematik beim dritten Kreisjägertag in Brakel deutlich.

Wollen den Imagewandel schaffen (von links): Landrat Friedhelm Spieker, Britta Freifrau von Weichs (Kreisjägerschafts-Vorsitzende), Hermann Temme (Bürgermeister Stadt Brakel) und Ralph Müller-Schallenberg (Präsident LJV NRW).
Wollen den Imagewandel schaffen (von links): Landrat Friedhelm Spieker, Britta Freifrau von Weichs (Kreisjägerschafts-Vorsitzende), Hermann Temme (Bürgermeister Stadt Brakel) und Ralph Müller-Schallenberg (Präsident LJV NRW). Foto: Timo Gemmeke

Immer mehr Deutsche mit Jagdschein

Schlecht – so der Tonus unter den in der Brakeler Stadthalle versammelten Jägern – scheint es der Szene nicht zu gehen. Der Nachwuchs stehe bereit, die Anmeldezahlen für das »grüne Abitur«, die Jägerprüfung, seien zufriedenstellend. »Von 1990 bis heute ist die Zahl der Deutschen mit Jagdschein um 20 Prozent gestiegen«, bilanzierte Müller-Schallenberg. NRW führe die bundesweite Statistik mit insgesamt 91.000 angemeldeten Jägern sogar an. Außerdem, so Müller-Schallenberg, sehe man sich »mit der neuen Regierung auf dem richtigen Weg«. Das jüngst novellierte Jagdgesetz aus dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz werde zwar ein »Artikelgesetz«, sei grundsätzlich aber »nachhaltig und praxisorientiert«.

Jäger-Beruf wird verkannt

Trotz der »guten Nachrichten« sieht der LJV-Präsident in einem Themenfeld noch Nachholbedarf: dem öffentlichen Image des Jagdwesens. »Pro Jahr investiert der LJV 300.000 Euro in die Öffentlichkeitsarbeit – das ist gut und richtig so.«

Die Bevölkerung müsse die Jagd akzeptieren. Die Devise »Natur leben, lieben, schützen« (Bürgermeister Hermann Temme) werde oft verkannt. »Es sollte unser Ziel sein, der Naturentfremdung entgegenzuwirken und Vorurteile gegenüber Jägern abzubauen«, so Landrat Friedhelm Spieker.

»Nachhaltigkeit sollte im Mittelpunkt des Jagens steht«

Ein Schritt in diese Richtung soll mit einem Pilotprojekt des Deutschen Jagdverbandes und des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg gelingen: »Fellwechsel« heißt es bezeichnend. Dabei soll die Nutzung von Fellen ökologisch, nachhaltig und transparent gestaltet werden.

»Nachhaltigkeit sollte im Mittelpunkt des Jagens stehen«, betonte auch Frederik Daniels, 39 Jahre alt und Leiter der »Fellwechsel GmbH«. Derzeit stellt der leidenschaftliche Jäger, Ranger und gelernte Kaufmann das neue Projekt bundesweit vor – so auch beim Kreisjägertag in Brakel.

Echte Felle mit ID-Nummer

Bei »Fellwechsel« werden geschossene Tiere gesammelt; 230 Sammelstellen gibt es derzeit bundesweit. In Rastatt bei Baden-Württemberg werden die Tierkörper geprüft und abgebalgt (gehäutet), anschließend wird das Fell gegerbt. Grundlegend für die Arbeit sei die Kennzeichnung jedes Felles mit einer ID-Nummer: »Wir wollen verhindern, dass Felle aus unsicheren Quellen auf den Markt kommen«.

Nach dem Prozess werden die Felle verkauft – an Kürschner oder auch Designer. Zweifel an dem besonders in der Modeindustrie kritisierten Handel mit echten Fellen hat Frederik Daniel keine: »Es kann nicht sein, dass man im Supermarkt auf Plastik verzichten soll, wenn der Pelz an der eigenen Jacke daraus besteht«.

Alles rund ums Jagen boten am Samstag die 20 Aussteller in den Nebenräumen der Stadthalle. Vom Büchsenmacher bis zum Präparator war jedes jagdliche Metier vertreten. Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit stand auch bei Projekten wie der Waldschule Modexen im Mittelpunkt

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