Anträge nach Neuregelung in NRW – 14.000 Waffen insgesamt im Kreis registriert Jäger dürfen Schalldämpfer nutzen

Höxter/Brakel/Warburg (WB). Das NRW-Innenministerium hat den Erwerb von Schalldämpfern erlaubt – allerdings nur für die Jagdausübung. »Das Bedürfnis für den Erwerb und den Besitz von Schalldämpfern wird nur für Jagdlangwaffen in schalenwildtauglichen Büchsenkalibern anerkannt«, sagt Expertin Isabell Witzik von der Kreispolizeibehörde Höxter.

Von Harald Iding
Diese ausrangierten Waffen – vom Gewehr eines Jägers (so genannter Drilling mit verschiedenen Kalibern) bis zu Pistolen – kommen in die Verschrottung. Isabell Witzik (Direktion Zentrale Aufgaben »Waffenrecht«) und Polizeisprecher Andreas Hellwig klären auf.
Diese ausrangierten Waffen – vom Gewehr eines Jägers (so genannter Drilling mit verschiedenen Kalibern) bis zu Pistolen – kommen in die Verschrottung. Isabell Witzik (Direktion Zentrale Aufgaben »Waffenrecht«) und Polizeisprecher Andreas Hellwig klären auf. Foto: Harald Iding

Wer bei einem Schalldämpfer spontan an den berühmten Geheimagenten James Bond alias »007« denkt, der lautlos Schüsse mit seiner Kurzwaffe abgibt, der liegt eher falsch. Denn erstens dürfen hier im zivilen Leben keine Kurzwaffen wie Pistolen damit ausgestattet werden und zweitens bleibt der Knall immer noch deutlich hörbar – nur eben nicht mehr ganz so laut wie ohne Schutz.

Voreintrag in die Waffenbesitzkarte

Es gibt viele Auflagen zu beachten. So muss vor dem Erwerb eines Schalldämpfers für Langwaffen ein Voreintrag in die Waffenbesitzkarte des Jägers bei der zuständigen Waffenrechtsbehörde erfolgen. Auch die sichere Aufbewahrung wie bei einer Waffe in einem dafür zugelassenen Waffenschrank ist vorgegeben. Der Schalldämpfer wird also gesetzlich einer Waffe gleichgestellt (mit Eintragung der Seriennummer und der genauen Typbezeichnung). Büchsenmachermeister Ralf Krekeler (Höxter) klärt auf Nachfrage über eine weitere Feinheit bei der Nutzung auf: »Sind Umbauten an der Langwaffe, wie das Schneiden eines Gewindes am Lauf, erfolgt, machen sie einen Neubeschuss notwendig!« Das werde aber meist von den Fachleuten gleich mit in Auftrag gegeben. Die Prüfung erfolgt dann separat im entsprechenden Beschussamt. Grundsätzlich ist nämlich in Deutschland jede Waffe einem »Instandsetzungsbeschuss« zu unterziehen, »wenn an einem wesentlichen Teil der Waffe materialschwächende oder -verändernde Arbeiten vorgenommen worden sind.«

Mündungsknall wird reduziert

Ein Schuss aus der Büchse kann sogar über 160 Dezibel laut sein (Flugzeugstart liegt bei 140 dB) und ist abhängig vom Kaliber, der Laborierung und Lauflänge. Ein Schalldämpfer kann den reinen Mündungsknall maximal um 20 bis 30 Dezibel reduzieren. Dabei gilt das physikalische Gesetz (logarithmische Einheit): Zehn Dezibel weniger entsprechen in etwa eine Reduktion des Schalls um die Hälfte. Der Einsatz ist also gut für die Gesundheit des Jägers und auch gut für die des Begleithundes. Manche Nutzer schwören sogar auf einen Schalldämpfer, weil durch den geringeren Rückstoß die erzielten Schussergebnisse deutlich besser ausfallen sollen.

So sehen Schalldämpfer für Langwaffen aus. Sie müssen eine Seriennummer haben für die behördliche Eintragung. Foto: Harald Iding

Dennoch nutzen nicht alle Jäger im Kreis diese technische Einrichtung, manche verzichten wegen des zusätzlichen Gewichts gerne darauf. »Wir haben seit November etwa 30 Schalldämpfer eingetragen. Derzeit erreichen uns nur vereinzelt Anträge«, betonte die Verwaltungsfachangestellte Isabell Witzik vom »Dezernat ZA 1.2« im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Sie kümmert sich um alle Anträge nach dem Waffengesetz und wird von Sachbearbeiterin Simone Schneider im Team unterstützt.

Im Kreis Höxter sind aktuell etwa 14.000 Waffen behördlich registriert und eingetragen. Es gibt etwa 1400 Waffenbesitzkarten von Jägern und 670 von Sportschützen. Die beiden engagierten Damen geben auch immer gerne Bürgern Auskunft, wenn es um die Abgabe von alten Waffen geht, die beispielsweise auf dem Dachboden gefunden worden sind. »Diese sollten sicher verschlossen bei uns abgegeben werden. Wir reichen sie dann für die spätere Verschrottung weiter«, sagte Witzik.

Amnestie bis Juli

Übrigens: Noch bis Juli 2018 haben Bürger die Möglichkeit, Waffen und Munition, die sie widerrechtlich besitzen, straffrei abzugeben. Das könne bei allen drei Polizeiwachen im Kreis erfolgen.

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