Nach Flucht vor Rebellen: Olaf Derenthal (47) hofft auf Einhaltung der Waffenruhe Eissener Pater zurück im Herzen Afrikas

Willebadessen (WB). Ende Mai vergangenen Jahres flüchtete Pater Olaf Derenthal aus Willebadessen-Eissen vor den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in der Zen­tralafrikanischen Republik über den Grenzfluss Ubangi in den Kongo. Nun kehrte er zurück in seine Pfarrei in der Provinzhauptstadt Mobaye, einer Kleinstadt im Süden des Landes.

Von Ralf Benner
Pater Olaf Derenthal mit Katecheten. Sie sind Träger des kirchlichen Lebens in den zentralafriokanischen Dörfern.
Pater Olaf Derenthal mit Katecheten. Sie sind Träger des kirchlichen Lebens in den zentralafriokanischen Dörfern.

»Es geht weiter zwischen Hoffnung und Vorsicht. Vom wahren Frieden, der uns an Weihnachten verkündet worden ist, sind wir noch weit entfernt«, berichtet Derenthal in einem Blog im Internet .

Seit gut einem Monat ist der 47-Jährige wieder zurück im zentralafrikanischen Mobaye. Nach Monaten des Stillstands, der gelegentlichen Gewaltakte und der permanenten Bedrohung hatte es im Dezember vergangenen Jahres eine große Veränderung gegeben. Es wurde ein Waffenstillstand ausgerufen, der derzeit noch hält.

Weiter zwischen Hoffnung und Vorsicht

Verkündung des Waffenstillstandes. Foto: Derenthal

»Drei Wochen lang schon leben muslimische Seleka-Rebellen, christliche Anti-Balaka-Kämpfer, Blauhelmsoldaten und wir, die Zivilbevölkerung, gemeinsam in Mobaye, ohne dass ein Schuss gefallen wäre. Zwar sind die Jagdgewehre und Kalaschnikows noch nicht zu Füßen der Blauhelmsoldaten abgelegt, aber vielleicht geschieht ja ein Wunder und die Waffenruhe bleibt stabil«, schreibt Derenthal in seinem Blog.

Sein Vater Werner Derenthal, mit dem das WESTFALEN-BLATT sprechen konnte, ist erleichtert. »Wir waren und sind als Eltern natürlich immer in Sorge, doch in Mobaye ist es jetzt relativ sicher, bleibt zu hoffen, dass der Waffenstillstand auch wirklich hält.«

Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen

Wie berichtet, waren im Mai vergangenen Jahres die Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen eskaliert, erreichte die Spirale der Gewalt auch den Süden des Landes, wo Olaf Derenthal als Priester in der Diözese von Alindao seelsorgerisch tätig war. Häuser wurden geplündert, die Zivilbevölkerung drangsaliert. Mit seiner Gemeinde floh Derenthal daraufhin über den nahen Grenzfluss Ubangi in den Kongo.

Der Eissener gehört dem Orden der Spiritaner (Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist) an. Er war 2016 zum Priester geweiht worden und zelebrierte im August 2016 seine erste Messe in der St.-Liborius-Kirche in Eissen, bevor er im Oktober als Pater in die Zen­tralafrikanische Republik ging.

Häuser wurden zerstört und geplündert

»Vieles fand Ende Mai 2017, als der größte Teil der Bevölkerung von Mobaye in den Kongo floh, ein abruptes Ende«, schreibt Deren­thal. Häuser seien zerstört und geplündert worden. Noch harrten viele Zen­tralafrikaner im Kongo aus, trauten sich nicht wieder zurück. Es fehle an Verbandszeug und Medikamenten, berichtet der Pater, der selbst über eine mobile Krankenstation verfügt. Doch noch sei die Lage im Süden des Landes zu unsicher, um damit umher zu fahren, bedauert er.

Wie unsicher die Waffenruhe ist, zeigte ein Besuch Derenthals Anfang Januar in Pengue, dem Wallfahrtsort der Gemeinde, sieben Kilometer entfernt von Mobaye. »Am Ortseingang erwartete uns eine Barriere mit einem roten, dreieckigen Wimpel. Will heißen: ›Achtung – dieses Dorf ist Anti-Balaka-Gebiet‹. An der Schranke wurden wir herzlich begrüßt. Von einem unserer jungen Pfadfinder, der jetzt zu jener bewaffneten Gruppe gehört, die das Dorf ›schützt‹«, berichtet er.

Pengue ist nicht nur ein Wallfahrtsort, sondern auch ein großes Dorf; ein Dorf wie so viele andere in Zentralafrika. Wie so viele andere Dörfer ist auch Pengue zum Opfer von Rebellion und Krieg geworden. Aus Zorn und Wut über die seit vier Jahren andauernden Schikanen der muslimischen Seleka-Rebellen hatte sich eine starke Gruppe von Anti-Balaka-Kämpfern in Pengue gebildet. Dies wiederum rief im Juli 2017 Vergeltungsaktionen hervor. Mehrfach griffen die muslimischen Rebellen den Ort an. Die Bewohner wurden vertrieben, ihre Häuser geplündert und später in Brand gesetzt.

Kämpfe im Landesinneren neu aufgeflammt

Olaf Derenthal hofft, dass der erst im Dezember 2017 ausgerufene Waffenstillstand weiterhin halten wird. Doch erst vor wenigen Tagen beschlich ihn wieder ein sehr ungutes Gefühl: »General Gaëtan, der den Waffenstillstand ausgehandelt hatte, war kurz nach seinem Besuch in Mobaye wieder ins Landesinnere aufgebrochen, weil dort Kämpfe neu aufgeflammt waren. In einem Gefecht wurde Gaëtan, einer der führenden Köpfe der christlichen Anti-Balaka-Bewegung, von den Seleka-Rebellen getötet.«

Nun sei die Angst natürlich bei allen groß, dass die Anti-Balakas an den Seleka-Rebellen Rache nehmen, auch in Mobaye. »Gott sei Dank ist es aber weiterhin ruhig, und die Führer beider Seiten beschwichtigen die Gruppen, den Waffenstillstand einzuhalten«, berichtet der Pater aus Eissen erleichtert aus dem Herzen Afrikas.

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