Warburger Anästhesist Volker Barth informiert über Organspende Nach dem Tod Leben retten

Warburg (WB). Manchmal liegen Leben und Tod ganz nah beieinander. Das zeigt die Geschichte von Günter Breitenberger. Der 50-Jährige aus Wetter (Ruhr) hat es einem Organspender zu verdanken, dass er heute gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen zwei Töchtern ein glückliches Leben führen kann. Von seiner Herztransplantation berichtete er kürzlich im Helios-Klinikum in Warburg.

Von Michaela Weiße
Volker Barth, Oberarzt der Anästhesie und Intensivmedizin, ist der Transplantationsbeauftragte des Warburger Helios-Klinikums. In einem Vortrag klärte der 50-Jährige kürzlich über das Thema Organspende auf.
Volker Barth, Oberarzt der Anästhesie und Intensivmedizin, ist der Transplantationsbeauftragte des Warburger Helios-Klinikums. In einem Vortrag klärte der 50-Jährige kürzlich über das Thema Organspende auf.

Das Glück, das Günter Breitenberger zuteil wurde, hat weitaus nicht jeder Patient, der händeringend auf ein Spenderorgan wartet. Das verrät ein Blick auf die Statistik der Organisation »Eurotransplant«: 10107 Menschen aus Deutschland warteten im vergangenen Jahr auf ein Spenderorgan. Dem stehen nur 769 Patienten, die eines erhalten haben, gegenüber.

Zahl der Spender auf einem historischen Tief

Dass die Zahl der Organspender auf ein historisches Tief gesunken ist, erklärt sich Volker Barth, Oberarzt der Anästhesie im Warburger Klinikum, mit einer mangelnden Aufklärung. Um dem entgegenzuwirken, informierte er in einem Vortrag über das Thema Organspende. Günter Breitenberger bereicherte die Veranstaltung, indem er als Betroffener von seinem ganz persönlichen Schicksal berichtete und dem Thema somit ein Gesicht verlieh.

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Ein Organspender kann bis zu sieben Leben retten.

Volker Barth, Oberarzt der Anästhesie

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»Ein Organspender kann bis zu sieben Leben retten«, erzählt Volker Barth, der im Klinikum auch die Funktion des Transplantationsbeauftragten übernommen hat. »Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm und beide Nieren können gespendet werden«, berichtet der Oberarzt. Zudem könne auch Gewebe, das Kranken zu einer Verbesserung der Lebensqualität verhelfen kann, transplantiert werden. Dazu zählen: Herzklappen, Haut, Blutgefäße, Knochen, Sehnen, Knorpel sowie die Hornhaut der Augen.

Doch nicht jeder Tote kann seine Organe spenden, erklärt Volker Barth. »In Frage kommen nur die Menschen, die einen Hirntod erleiden«, sagt der Mediziner. Von Hirntod spreche man dann, wenn das menschliche Gehirn seine Arbeit unwiederbringlich eingestellt hat. Auf den Eintritt des Hirntods folge innerhalb von kurzer Zeit der Ausfall der Herz-Kreislauf-Funktion. Nur durch intensivmedizinische Maßnahmen, wie die künstliche Beatmung und die Verabreichung von Medikamenten, könne der Kreislauf und die Sauerstoffversorgung für eine begrenzte Zeit aufrechterhalten werden, erklärt der Anästhesist.

Die Organspende

»In dieser Zeit, beziehungsweise wenn der Hirntod bereits zu erwarten ist, gilt es zu klären, ob der Patient einen Organspendeausweis oder auch eine Patientenverfügung besitzt. Ist dies nicht der Fall, dann wird mit den engsten Angehörigen gesprochen«, sagt Volker Barth. Diese müssten dann für den Verstorbenen entscheiden, ob Organe gespendet werden dürfen oder nicht.

Günter Breitenberger aus Wetter hat ein Spenderherz bekommen. Nun kann er wieder ein glückliches Leben führen.

Um Angehörigen diese schwere Entscheidung abzunehmen, mit der sie im Nachhinein auch in einen Gewissenkonflikt geraten könnten, rät Volker Barth jedem, einen Organspendeausweis mit sich zu tragen. Auf diesem Ausweis in Scheckkartenformat kann man der Organspende nicht nur zustimmen oder eingeschränkt auf bestimmte Organe bewilligen, sondern der Entnahme auch widersprechen.

Volker Barth weiß, dass in der Bevölkerung zum Thema Organspende oftmals große Verunsicherung herrsche. Angst vor einer vorschnellen Hirntod-Diagnostik sei aber vollkommen unbegründet. Der Mediziner erklärt, dass der exakte Ablauf der Diagnostik des unumkehrbaren Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen durch die Richtlinie der Bundesärztekammer vorgeschrieben ist.

Der Hirntod

Die dazu notwendigen Untersuchungen müssten immer von zwei Fachärzten, unabhängig voneinander, durchgeführt werden. Bei den Untersuchern handele es sich um einen Facharzt für Neurologie oder einen Neurochirurgen sowie einen erfahrenen Intensivmediziner. Bei Kindern werde ein Kinderarzt hinzugezogen, so Volker Barth. Der Hirntod könne zweifelsfrei von anderen Hirnerkrankungen unterschieden werden. Die Untersuchungen ließen eine eindeutige Abgrenzung zu, erklärt der Experte.

Der Hirntod sei immer die Folge einer schweren Hirnschädigung. Sie könne durch schwere Schädel-Hirn-Verletzungen als Folge äußerer Einwirkungen wie zum Beispiel durch einen Unfall verursacht werden, sagt der Anästhesist. »Doch anders als von vielen angenommen, ist der Unfall nur in 14 Prozent der Fälle die Todesursache des Organspenders.« Weitaus häufiger würden Hirnblutungen, Hirntumore, Schlaganfälle oder Hirnhautentzündungen schließlich zum Tode führen.

Speziell geschulte Ärzte reisen an

Hat der Transplantationsbeauftragte eines Krankenhauses den Hirntod eines Patienten festgestellt und ist der Organspende zugestimmt worden, dann muss alles ganz schnell gehen, weiß der Facharzt. Die Deutsche Stiftung für Organspende (DSO) wird hinzugezogen. Explantationsteams, speziell geschulte Ärzte, reisen an, um die Organe zu entnehmen.

»Das ist ein sehr würdevoller Eingriff. Der Verstorbene ist hinterher nicht entstellt, es bleibt nur eine Narbe zurück«, berichtet Volker Barth, der seit zweieinhalb Jahren in der Warburger Klinik arbeitet. In dieser Zeit seien bisher zwei Explantationen durchgeführt worden, zuletzt erst vor wenigen Wochen. »Vor diesen beiden Fällen lag eine Explantation im Warburger Krankenhaus schon ungefähr 20 Jahre zurück«, weiß der Mediziner.

Nach der Entnahme würden die Organe mit einer speziellen Lösung konserviert. »Ein Herz kann so bis zu sechs Stunden und die anderen Organe etwa zehn Stunden erhalten bleiben«, sagt Barth. Mit dem Rettungsdienst unter Einsatz von Blaulicht werde das Organ schnellstmöglich zum Empfänger ins Transplantationszentrum gebracht. Die Ermittlung eines geeigneten Empfängers und die Vermittlung des Organes geschieht durch »Eurotransplant«.

Ende eines langen Leidensweges

Ist der Moment gekommen, indem ein schwerkranker Patient ein neues Organ bekommt, dann geht für diesen oftmals ein langer Leidensweg zu Ende. »Ich empfinde jeden Tag aufs Neue tiefe Dankbarkeit«, sagt Günter Breitenberger, der durch die Hilfe eines Organspenders nun seinen zweiten Geburtstag feiern kann.

Die Geschichte des zweifachen Familienvaters begann im Jahr 2011 mit einer verschleppten Lungenentzündung. Diese hatte so weitreichende Folgen, dass sein Herz zwischenzeitlich nur noch zehn Prozent der eigentlichen Leistung erbringen konnte. »Ich konnte gerade noch vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer und abends wieder zurückgehen. Mehr war einfach nicht mehr drin«, erinnert sich Breitenberger an die dunklen Stunden zurück.

Heute, mit dem Spenderherz in seiner Brust, das ihm im vergangenen Jahr transplantiert wurde, führt er eine nahezu beschwerdefreies Leben. Genau das ist der Grund, warum sich Günter Breitenberger nun für die Aufklärung der Organspende einsetzt – möglichst viele schwerkranke Menschen sollen, genau wie er, die Chance auf einen Neuanfang erhalten.

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