Projekt »Nahversorgungszentrum« fallen gelassen Post zieht an die Industriestraße

Warburg (WB). Die Post will bis zum 30. Juni dieses Jahres ein neues Verteilzentrum an der Industriestraße in Warburg in Betrieb nehmen. Gleichwohl hat der Projektentwickler List Development gestern erklärt, sein Projekt, auf dem Gelände der derzeitigen Post-Liegenschaft an der Kasseler Straße ein Nahversorgungszentrum zu bauen, nicht weiter zu verfolgen.

Von Ulrich Schlottmann und Ralf Benner
Die Post wird noch in diesem Jahr aus dem Gebäude an der Ecke Kasseler Straße/Bahnhofstraße ausziehen. Was aus der Liegenschaft wird, ist nach der Ankündigung von List Development, das Projekt »Nahversorgungszentrum« fallen zu lassen, völlig offen.
Die Post wird noch in diesem Jahr aus dem Gebäude an der Ecke Kasseler Straße/Bahnhofstraße ausziehen. Was aus der Liegenschaft wird, ist nach der Ankündigung von List Development, das Projekt »Nahversorgungszentrum« fallen zu lassen, völlig offen. Foto: Privat

Hier ensteht das Zentrum. Foto: Ulrich Schlottmann

Bauherr und Vermieter des neuen Verteilzentrums wird die Vereinigte Volksbank sein. Volksbank-Vorstandsmitglied Birger Kriwet bestätigte auf Anfrage, dass die Bank von der Stadt Warburg ein 5800 Quadratmeter großes Grundstück erworben hat, das sich an der Industriestraße oberhalb der Firma Schmale Logtec befindet.

1300 Quadratmeter große Halle

Mit den Bauarbeiten werde alsbald begonnen, weil der zukünftige Mieter, die Deutsche Post DHL Group, das neue Gebäude bereits zum 30. Juni beziehen wolle. Der Standort an der Industriestraße sei aus verkehrstechnischer Sicht ideal.

Auf dem Grundstück werde eine rund 1300 Quadratmeter große Halle errichtet, die Platz für 33 Verteilplätze bieten werde. Die Zusteller könnten mit ihren Fahrzeugen direkt an der Halle andocken. Zudem seien Rampen für die Lastwagen vorgesehen, mit denen die Anlieferung erfolgt. Jeder Verteilplatz werde mit einer Ladestation für Elektrofahrzeuge ausgerüstet.

Außerdem würden in dem Gebäude Büro-, Sozial- und Sanitärräume entstehen. »Das Raster ist von der Post vorgegeben und entspricht im Wesentlichen dem Projekt, das unsere Bank im vergangenen Jahr in Brakel verwirklicht hat. Das Warburger Verteilzentrum wird aber größer«, so Kriwet.

»Die Paketzustellung boomt«

Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, bestätigt die Umzugspläne des Paketdienstleisters. Die Post werde den Zustellstützpunkt an der Bahnhofstraße/Ecke Kasseler Straße aufgeben, weil er den aktuellen Anforderungen nicht mehr genüge.

»Die Paketzustellung boomt, nicht nur zur Weihnachtszeit. Das liegt vor allem am Online-Versandhandel, der für eine regelrechte Paketflut sorgt«, berichtet Ernzer. Die Tendenz sei steigend.

Der derzeitige Stützpunkt, von dem aus Briefe und Pakete im Warburger Stadtgebiet verteilt würden, sei für den anhaltenden Paket-Boom nicht nur räumlich zu klein, sondern genüge auch im Bereich der technischen Ausstattung nicht mehr den Anforderungen.

Bürgermeister begrüßt Vorhaben

Bürgermeister Michael Stickeln begrüßt das Vorhaben. Die Post/DHL-Gruppe habe schon seit längerer Zeit nach einer anderen räumlichen Lösung gesucht. Nun sei an der Industriestraße ein Standort gefunden worden, der verkehrstechnisch optimal angeschlossen sei.

Die Grundstücksgröße lasse zudem Raum für weitere Entwicklungen. »Es ist gut, dass die Post den Standort Warburg stärkt«, sagt Stickeln. Der Bürgermeister erwartet, dass sich nach dem Auszug der Post der Druck erhöht, die Liegenschaft an Ecke Kasseler Straße/Bahnhofstraße neu zu nutzen.

Die bundesweit agierende Immobiliengesellschaft List Development hatte im August 2015 öffentlich die Absicht bekundet, auf dem Gelände der Post und des Post-Parkplatzes am Straßenzug Bahnhofstraße/Kasseler Straße mit einem »zweistelligen Millionenbetrag« ein Nahversorgungszentrum mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 3500 bis 4000 Quadratmetern zu bauen.

Projektentwickler zieht zurück

Der Oldenburger Projektentwickler zieht sich nun allerdings aus dem Projekt zurück, wie die Geschäftsführung gestern auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES mitteilte.

»Der Standort ist für potenzielle Mieter unter gewissen Umständen durchaus attraktiv. Doch ist das anfangs kommunizierte Interesse von Einzelhändlern an den Flächen nicht mehr ausreichend vorhanden«, begründet Geschäftsführer Michael Garstka den Rückzug.

Aus diesem Grund könne das Projekt trotz sehr guter Zusammenarbeit von Projektentwickler, Stadt Warburg und Eigentümer nicht wie geplant verwirklicht werden. »Wir haben selbst sehr viel Zeit und Mühe in dieses Projekt investiert. Und gerade vor diesem Hintergrund tut es uns sehr leid, dass wir jetzt Abstand von dem Postgebäude nehmen müssen«, so Garstka.

Gebäude schon verkauft

Der Firmensprecher hatte bei der Vorstellung des Projekts im August 2015 noch mitgeteilt, sowohl das Gebäude als auch den Postparkplatz von der Stadt Warburg erworben zu haben. Tatsächlich handelte es sich aber in beiden Fällen um Kaufoptionen, die an die Realisierung des Vorhabens gebunden waren.

Die Post hat das Gebäude in der Tat bereits vor einigen Jahren verkauft, allerdings an die Lorac-Investmentgesellschaft in Luxemburg, die nach wie vor Eigentümerin ist. Der Verkauf des Post-Parkplatzes ist nach den Worten des Bürgermeisters formal noch nicht vollzogen.

Auf Anfrage hatten Vertreter der Immobiliengesellschaft List Development in den vergangenen zweieinhalb Jahren stets erklärt, das Unternehmen stehe mit diversen Interessenten in Verhandlungen.

Pläne wurden nicht realisiert

Unter anderem soll es sich dabei um die Drogeriemarktkette DM gehandelt haben, die sich eine Alternative sichern wollte, falls der favorisierte Standort neben dem Rewe-Markt nicht zu realisieren gewesen wäre.

List-Geschäftsführer Michael Garstka hatte im August 2015 noch gesagt, die weitere Entwicklung hänge von der Post ab, die in dem Gebäude ihr Verteilzen­trum betreibe. Dafür müsse zunächst eine neue Lösung gefunden werden.

Dies sei eine Frage von Monaten. Der Stadtrat hatte deshalb die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau eines Nahversorgungszentrums zügig geschaffen.

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