Im Warburger Stadtwald sind 30.000 Festmeter Holz umgestürzt Schäden größer als bei »Kyrill«

Warburg (WB). Der Orkan »Friederike« hat im Warburger Stadtwald größere Schäden hinterlassen als der Jahrhundertsturm »Kyrill« vor zehn Jahren. Diese Bilanz haben jetzt die Warburger Revierförster gezogen.

Von Ulrich Schlottmann
Sie haben über die Schäden im Warburger Stadtwald informiert (von links): die Förster Andreas Becker, Uwe Müller und Hans-Jürgen Engemann sowie Stadtkämmerer Klaus Weber vor einer Schadensfläche im Scherfeder Wald.
Sie haben über die Schäden im Warburger Stadtwald informiert (von links): die Förster Andreas Becker, Uwe Müller und Hans-Jürgen Engemann sowie Stadtkämmerer Klaus Weber vor einer Schadensfläche im Scherfeder Wald. Foto: Ulrich Schlottmann

»Derzeit liegen rund 30.000 Festmeter Holz flach, bei ›Kyrill‹ waren es nur 22.000, also rund ein Drittel weniger«, informierte in einem Pressegespräch der Leiter des für den 2350 Hektar großen Stadtwald zuständigen Gemeindeforstamtsverbandes Willebadessen, Forstdirektor Andreas Becker. Insgesamt seien 15.000 bis 20.000 Bäume umgestürzt.

Schwerpunkt der Schäden in Scherfede-Rimbeck

Ein großer Schwerpunkt der Waldschäden liegt nach Beckers Worten im Revier Scherfede-Rimbeck, wo einige Hektar komplett am Grund liegen. Während die Laub- und Mischwaldbestände weitgehend verschont blieben, hat es nach Angaben des Försters vor allem die Bestände der flach wurzelnden Fichten getroffen. »Der durch den Starkregen aufgeweichte Boden hat dazu beigetragen, die Standfestigkeit der Fichten zu reduzieren«, erläuterte der Warburger Revierförster Hans-Jürgen Engemann. Glück im Unglück sei jetzt aber, dass es weniger Bruch gegeben habe, sondern die meisten Bäume komplett umgestürzt seien. »Das verbessert jetzt die Vermarktungschancen«, so Engemann.

Rund ein halbes bis ein dreiviertel Jahr wird es nach Ansicht von Andreas Becker dauern, bis die Schäden aufgearbeitet sind. Das Holz zu bergen und zu schneiden ist aber nur die ein Seite der Medaille, die andere ist die Vermarktung: »Wir haben bereits mit unseren Abnehmern im Umkreis von 100 Kilometern gesprochen. Die Bereitschaft, uns das Fichtensägeholz abzunehmen, ist durchaus vorhanden, denn die Baukonjunktur ist derzeit gut«, so Becker. Zur Entlastung der Situation trage auch bei, dass die Nachbarregionen nicht so stark betroffen seien. Vermarktet werden muss in diesem Jahren nach Angaben des Försters gut das Zweifache des sonst üblichen Holzeinschlages. Wie sich dies auf die Preise auswirken wird, ist nach seinen Worten derzeit noch nicht abzusehen. Für die kommenden Jahre rechnet Becker mit einem etwas geringeren Hiebsatz. »Aber natürlich muss trotz der jetzt entstandenen Lücken im Waldbestand auch weiterhin geerntet werden, weil die Bestände gepflegt und durchforstet werden müssen«, erläutert der Förster.

Land soll bei Schadensbeseitigung helfen

Auch für Kämmerer Klaus Weber ist die Rechnung noch offen. »Wir haben für 2018 im Haushalt Umsatzerlöse in Höhe von 1,15 Millionen Euro und einen Gewinn von 350.000 Euro eingeplant. Wie das letztlich in der Endabrechnung aussehen wird, ist noch gar nicht abzusehen«, so Weber.

Bürgermeister Michael Stickeln rechnet nicht nur mit hohen Kosten für die Beseitigung der Waldschäden, sondern auch mit Folgekosten beispielsweise durch Schäden an den Waldwegen. »Wir hoffen, dass uns das Land unterstützt, ähnlich wie das bei ›Kyrill‹ geschehen ist«, so Stickeln.

Mit welchen Bäumen die jetzt kahl geschlagenen Flächen wieder aufgeforstet werden, steht nach den Worten von Förster Uwe Müller noch nicht fest. Dabei seien je nach Fläche viele Faktoren zu bedenken. Gedacht werden müsse auch daran, in den stark betroffenen Gebieten die Wildbestände zu reduzieren, um den Verbiss an Setzlingen zu minimieren.

Borgentreich am stärksten betroffen

Groß sind die durch den Sturm entstandenen Waldschäden auch in den Stadtwäldern von Borgen­treich und Willebadessen, für die ebenfalls der Gemeindeforstamtsverband zuständig ist. »Rund um den Fernsehturm Willebadessen liegen rund 7500 Festmeter flach«, informierte Forstdirektor Andreas Becker.

Relativ am stärksten getroffen habe es den Borgentreicher Stadtwald. Dort seien auf 400 Hektar rund 20.000 Festmeter Bäume umgestürzt. Auch in den Staats- und Privatforsten im Altkreis Warburg seien die Schäden immens.

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