Polizeiseelsorger Johannes Insel kümmert sich um Einsatzkräfte – Hilfe für Angehörige »Ich leiste Erste Hilfe für die Seele«

Warburg (WB). Unfälle, Katastrophen, Gewalttaten: Polizeibeamte sind oft an vorderster Front im Einsatz. Bei dem, was sie dabei erleben, steht ihnen Johannes Insel zur Seite. Der Pfarrer ist Polizeiseelsorger in der Hansestadt. Er unterstützt die Beamten vor Ort. »Ich leiste Erste Hilfe für die Seele«, erklärt Insel.

Von Daniel Lüns
Ein Notfallseelsorger kümmert sich bei einer Veranstaltung um einen Besucher. Die Helfer sind unter anderem bei Unfällen und Katastrophen im Einsatz. Sie helfen dabei, traumatische Erlebnisse oder ­Krisen zu überwinden.
Ein Notfallseelsorger kümmert sich bei einer Veranstaltung um einen Besucher. Die Helfer sind unter anderem bei Unfällen und Katastrophen im Einsatz. Sie helfen dabei, traumatische Erlebnisse oder ­Krisen zu überwinden. Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Einsatzkräfte seien geschult und hätten in ihrem Berufsleben viele Dinge erlebt. »Das kann auch jahrzehntelang gut gehen. Aber dann springt die Nadel plötzlich über die Platte«, weiß der Seelsorger. Besonders belastend seien zum Beispiel Unfälle mit jungen Menschen. »Wenn zum Beispiel ein Familienvater bei der Bergung einer Kinderleiche dabei ist, das ist eine Achterbahnfahrt für die Seele.«

Auch Notfallseelsorger der Feuerwehr

Insel versucht, die Einsatzkräfte in dieser Situation nicht alleine zu lassen und zu unterstützen. Neben den Beamten der Polizei hilft der 63-Jährige seit fünf Jahren auch den Warburger Feuerwehrleuten. Als Notfallseelsorger der Feuerwehr kümmert er sich dabei zudem um Angehörige oder Freunde von Unfallopfern.

Je nachdem, welchen Job er übernimmt, wechselt Insel sogar seine Kleidung: Wenn vor allem Floriansjünger seine Hilfe brauchen, erscheint er im Feuerwehr-Dress am Einsatzort. Im Kleiderschrank hängt neben der Notfallseelsorger-Jacke aber auch eine Polizeiuniform.

»Eine Uniform bietet einen gewissen Schutz. Ich solidarisiere mich damit aber auch mit jemandem, etwa der Polizei«, erklärt Johannes Insel. »Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr – untereinander sind wir sehr gut vernetzt. Mit der Uniform kann ich vor Ort zeigen: Ich bin einer von euch. Durch die Uniform habe ich also auch einen Zugang zu den Menschen.«

Etwa 60 bis 70 Einsätze pro Jahr

Etwa 60 bis 70 Einsätze bewältigt der 63-Jährige pro Jahr. Gerade Polizeibeamte wolle er dabei im Blick behalten. Nach außen sichtbar sei oft nämlich nur die nüchterne

Johannes Insel Foto: Daniel Lüns

Ermittlungsarbeit, nicht aber der Zustand des Menschen in der Uniform. Natürlich nehme jeder Beamte das Gesprächsangebot anders wahr. »Aber harte Hunde gibt es bei der Polizei eigentlich nicht. Ich würde sagen, das ist ein Mythos«, sagt der Pfarrer. Manche Einsätze machten nun mal betroffen. »Ich bin dann da, um etwas auszuhalten.«

Über einen Pieper werde der Pfarrer alarmiert und mit ersten Informationen versorgt. »Wenn dann ich vor Ort eintreffe, wende ich mich an den Einsatzleiter. Der kann mir Näheres zur Lage sagen«, erklärt Insel. »Ich stelle mich den Leuten vor und erkläre, was ich mache. Dann sage ich: ›Ich bin jetzt für dich da.‹ Seelsorge funktioniert nur mit Einfühlungsvermögen.« Glaube und Vertrauen seien weitere, wichtige Pfeiler der Arbeit Seelsorgerarbeit.

Ausgleich findet der Pfarrer bei der Musik

Auch eine Begegnung auf Augenhöhe sei sehr wichtig. »Wenn die Leute im Regen auf der Straße knien, dann knie ich mich daneben.« Gewisses organisatorische Geschick und die Bereitschaft, Aufgaben zu übernehmen, spielten auch eine Rolle. »Wo und wen ruft man an? Müssen Kinder von irgendwo abgeholt werden? Um diese Dinge muss sich ja auch jemand kümmern.«

Manchmal sei die Hilfe des Seelsorgers am Einsatzort aber auch nicht mehr nötig. Zum Beispiel dann, wenn Angehörige oder Freunde eintreffen und sich um den Betroffenen kümmern. Dann kann sich Insel selbst um die Bewältigung des Erlebten kümmern. Dabei hilft ihm das Gespräch mit anderen Seelsorgern, aber auch seine Liebe zur Musik. An der Violine oder Bratsche kann er die Einsätze verarbeiten. »Ich darf so viel Schönes im Leben erleben, das hilft mir. Man darf das Erlebte nur nicht in sich hineinfressen«, sagtJohannes Insel.

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