Verkehrsdienstleiter spricht über das Blitzen – junge Fahrer oft erwischt So wird im Warburger Land geblitzt

Warburg (WB). Er entscheidet, wo geblitzt wird: Polizeihauptkommissar Ingo Schröder koordiniert als Leiter des Verkehrsdienstes des Kreises Höxter unter anderem die mobilen Geschwindigkeitskontrollen. Im Interview mit Daniel Lüns erklärt er, wer erwischt wird – und ob die Polizei auch mal ein Auge zudrücken darf.

Polizeihauptkommissar Ingo Schröder ist der Leiter des Verkehrsdienstes des Kreises Höxter. Er ist unter anderem für die Verkehrsüberwachung zuständig. Auch im Südkreis erwischte sein Team im vergangenen Jahr diverse Raser.
Polizeihauptkommissar Ingo Schröder ist der Leiter des Verkehrsdienstes des Kreises Höxter. Er ist unter anderem für die Verkehrsüberwachung zuständig. Auch im Südkreis erwischte sein Team im vergangenen Jahr diverse Raser. Foto: Daniel Lüns

An welchen markanten Orten haben Sie 2017 im Südkreis blitzen lassen?

Ingo Schröder: Markante Orte haben wir hier nicht. Wir haben im Südkreis aber zwei sogenannte Unfallhäufungspunkte. Das sind Stellen, an denen innerhalb von zwölf Monaten mehrere Unfälle des gleichen Typs geschehen. Die Unfallkommission – eine Zusammensetzung aus Polizei, des Straßenbaulastträgers und der Straßenverkehrsbehörde – schaut sich diese Stellen bei einem Ortstermin an. Gemeinsam prüft man, wie es zu diesen Unfällen kam.

Wo liegen diese beiden Unfallhäufungspunkte?

Schröder: Der größte im Südkreis liegt bei Borgentreich an der B 241, an der Ecke zur L 763. Dort wurden bereits stationäre Blitzer installiert – seltsamerweise bleibt die Stelle dennoch ein Unfallhäufungspunkt. Ein zweiter, der eigentlich sehr unscheinbar ist, liegt in Warburg. Und zwar an der Papenheimer Straße an der Ecke Kuhtrift. Das ist eine Nebenstrecke. Dennoch sind hier in relativ kurzer Zeit mehrere Unfälle des gleichen Typs passiert.

Welche Unfalle geschahen an diesen Stellen?

Schröder: An beiden Stellen kommt es zu Unfällen mit dem Kreuzungsverkehr. In der Straße Kuhtrift gilt Tempo 30, zudem ist es eine Anliegerstraße. Dort fährt man nicht so schnell. Daher sind die Folgen der Unfälle dort auch nicht so schwerwiegend. Anders ist das an der B 241. Dort ist 70 erlaubt, oft wird aber schneller gefahren. Das sieht man etwa an den heftigen Bremsspuren vor den Starenkästen. An der B 241 haben wir schon Tote gehabt.

Wonach entscheiden Sie noch, wo kontrolliert wird?

Schröder: Im Kreis Höxter liegen 90 Prozent aller Straßen außerorts, wo schneller gefahren wird. Und je schneller ich fahre, desto schlimmer können die Folgen eines Unfalls sein. Daher kontrollieren wir vor allem auf Kreis- und Landesstraßen. Regelmäßig kontrollieren wir auch an schutzwürdigen Zonen, wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Seniorenheimen. Also dort, wo schwache Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Zudem hatten wir im vergangenen Jahr 45 sogenannte Beschwerdestellen. Dabei haben sich etwa Anwohner bei der Polizei gemeldet, die der Meinung waren, das bei ihnen deutlich zu schnell gefahren wird.

Wie kontrolliert die Polizei vor Ort?

Schröder: Wir haben drei verschiedene Messsysteme. Bei zwei Systemen werden die Verkehrsteilnehmer nach dem Verstoß direkt angehalten. Dazu zählt etwa das Messen per Laserpistole. Diese Art der Kontrolle bevorzugen wir, da man dabei den Verstoß erklären kann und auch, warum wir die Geschwindigkeit gemessen haben. Beim dritten System wird jemand von einem Messwagen geblitzt, der an der Straße geparkt wird. Derjenige bekommt dann nach einiger Zeit Post von uns.

Was machen Sie, wenn jemand bei so einer Kontrolle nicht anhält, sondern abhaut?

Schröder: Wir werden sofort versuchen, den Fahrer zu verfolgen. Zudem wird eine Fahndung eingeleitet.

Warum haut jemand nach einer Kontrolle ab?

Schröder: Man entfernt sich eigentlich nicht, nur weil man zu schnell gefahren ist. In aller Regel steckt dann mehr dahinter, wie zum Beispiel eine Trunkenheitsfahrt, eine Fahrt unter Drogeneinfluss oder dass der Fahrer keinen Führerschein hat.

Was war 2017 das außergewöhnlichste Messergebnis?

Schröder: Kreisweit wurde das in Höxter gemessen. Dort ist jemand innerorts auf der B 64 gefahren, wo 50 erlaubt ist. Ich selbst habe dort einen Fahrer mit 122 km/h brutto gemessen. Vier km/h wurden an Toleranz abgezogen, wir hatten dann eine Geschwindigkeitsüberschreitung um 68 km/h. Der Fahrer ist zu drei Monaten Fahrverbot und knapp 1000 Euro Geldbuße verurteilt worden. Das tut weh. Im Südkreis hatten wir mehrere Fälle, bei denen außerorts, wo Tempo 100 erlaubt ist, 170 gefahren wurde. Fahrverbote stehen gar nicht so selten im Raum, wie man denkt.

Wer wird von der Polizei geblitzt?

Schröder: Das geht querbeet durch die ganze Gesellschaft. Angefangen beim 18-jährigen Fahranfänger bis hin zum 85-jährigen Senior. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen fährt allerdings, im Verhältnis zu allen anderen Gruppen, deutlich schneller. Die sind auch eher an Unfallgeschehen beteiligt.

Dürfen Polizisten auch mal jemanden laufen lassen?

Schröder: Nein, natürlich nicht. Wir haben einen Eid geschworen, alle Menschen gleich zu behandeln. Etwas anderes ist aber ein sogenannter übergesetzlicher Notstand. Der gilt etwa dann, wenn eine Schwangere unterwegs ist, die dringend ins Krankenhaus muss, weil die Gesundheit oder das Leben gefährdet ist. Solche Fälle sind sehr selten und die ­absolute Ausnahme. Sie liegen letztlich im Ermessen des Beamten vor Ort. Er darf das entscheiden – und fährt dann manchmal auch mit Blaulicht vorweg.

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