Neujahrskonzert des Kulturforums entführt ins 20. Jahrhundert – Tanzclub tritt auf Musikshow wird zum Tanzball

Warburg (WB). Ein besonderes Musikerlebnis hat das Kulturforum am Samstag 400 Besuchern bei seinem fünften Neujahrskonzert im Pädagogischen Zentrum beschert. Erstmals trat das »ResiDance Orchester Cassel« auf und nahm das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Von Verena Schäfers-Michels
Dirigent Kai-Michael Schirmer und Sopranistin Christiane Winning präsentierten sich im Duett. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz – sehr zur Freude des Publikums, das den außergewöhnlichen Neujahrsauftakt genoss.
Dirigent Kai-Michael Schirmer und Sopranistin Christiane Winning präsentierten sich im Duett. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz – sehr zur Freude des Publikums, das den außergewöhnlichen Neujahrsauftakt genoss. Foto: Verena Schäfers-Michels

Stilecht in Glitzerrobe, Federboa und mit Federschmuck bekränzt betraten die Musikerinnen die Bühne. Die Herren trugen zeitlose schwarze Anzüge, wobei Orchesterleiter Kai-Michael Schirmer im Frack alle Blicke auf sich zog.

35 Jahre Kulturforum

Lena Volmert vom Kulturforum wünschte den Gästen in ihrer Begrüßung, dass diese die gute Laune des Konzerts mit in das neue Jahr nehmen würden. Seit 35 Jahren bestehe das Kulturforum nun. Volmert nutzte die Gelegenheit um ihrem Team zu danken, welches an 20 Wochenenden im Jahr die Veranstaltungen in Warburg ausrichtet.

Mit der »Petersburger Schlittenfahrt« wurde das Konzert eröffnet. Das »ResiDance Orchester Cassel« bestach durch die authentische Wiedergabe von Kompositionen der 1920er- bis 1940er-Jahre.

Auswahl aus 2500 Stücken

Das ein oder andere Stück, wie etwa »Bel Ami« oder »Am Sonntag will mein Süßer…« haben die Jahrzehnte überlebt und sind noch heute geläufig. Aus einem Fundus von 2500 Originalfassungen hat das Ensemble aber auch wunderschöne eher unbekannte Perlen präsentiert.

Das Residenz-Café in der Kasseler Königsstraße, das in den 1920er-Jahren unter der Leitung von Bernard Etté stand und im Zweiten Weltkrieg im Bombenhagel zerstört wurde, ist ihr Vorbild. Das spiegelt sich sogar im Namen wieder: Bis 1927 wurde Kassel mit C geschrieben und das Orchester behielt diese Schreibweise bei.

»Trostloses Ostwestfalen«

»Stellen Sie sich vor, es sei nicht Januar, sondern Juli und wir wären nicht im trostlosen Ostwestfalen.« Diese flapsigen Worte des Trompeters und Moderators Florian Pulver lösten bei den Zuhörern einen Sturm der Entrüstung aus, als er das Stück »Schön ist der Tag, den du mir schenkst, Marie Luise« ankündigte.

Doch das Bekenntnis des Tenors Rainer Nentwig (»Ich liebe Ostwestfalen«) beruhigte die Gemüter – und Nentwigs Gesang brachte die Herzen zum Schmelzen.

Flotte und frische Darbietung

Die flotte und frische Darbietung von Musikern und Sängern spiegelte sich im gut gelaunten Publikum wieder. Das Duett von Sopranistin Christiane Winning und dem Dirigenten Kai-Michael Schirmer peitschte die Stimmung der ersten Konzerthälfte auf den Höhepunkt.

Die zweite Hälfte sorgte für Überraschungen. Beim Betreten des Pädagogischen Zentrums etwa fiel sofort die untere Ebene auf, die unbestuhlt war. Gleich wurde im Publikum sinniert, was die Freifläche wohl zu bedeuten habe.

Tanzclubs Warburg tritt auf

Die Auflösung folgte zum Stück »Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein«, als mehrere Tanzpaare des Tanzclubs Warburg die Bühne betraten und das Tanzbein schwangen. Zugleich forderte das Orchester das Publikum auf, sich einzubringen.

Das Konzert wurde von einem Stück zum anderen zu einem Neujahrsball – eine Wendung, die es bisher nicht gegeben hatte.

Foxtritt auf der Tanzfläche

Zum Foxtrott beim »Black Bottom« herrschte dann reges Treiben auf der Tanzfläche. Selbst ein langsamer Walzer lockte ein paar Mutige, die meisten Besucher genossen die Musik dann aber wieder von ihren Plätzen aus.

Auch Saxofonist Benjamin Karaca sorgte beim Jig Walk mit dem »Lindy Hop« und »La Cumparsita« schließlich für einen außergewöhnlichen Neujahrsauftakt.

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