Warburger Land könnte von neuem Ferienflieger am Flughafen Kassel-Calden profitieren Abheben soll attraktiver werden

Warburg/Kassel (WB). 20 Kilometer sind es nur von Warburg bis zum Flughafen Kassel-Calden. Allerdings hat der nordhessische Regionalflughafen seit der Eröffnung am 4. April 2013 mit einem schlechten Image zu kämpfen. Das soll sich ändern, auch mit Passagieren aus dem Warburger Land.

Von Matthias Wippermann
Ein Flugzeug wird am Flughafen Kassel-Calden beladen. Der Airport versucht in diesem Jahr einiges, um vom schlechten Image loszukommen. Ab Sommer wird ein Ferienflieger fest installiert. Zudem bieten die Warburger Reisebüros ihren Kunden gute Möglichkeiten, ab Kassel-Calden zu fliegen.
Ein Flugzeug wird am Flughafen Kassel-Calden beladen. Der Airport versucht in diesem Jahr einiges, um vom schlechten Image loszukommen. Ab Sommer wird ein Ferienflieger fest installiert. Zudem bieten die Warburger Reisebüros ihren Kunden gute Möglichkeiten, ab Kassel-Calden zu fliegen. Foto: dpa

Zu teuer, keine Auslastung, ungünstige Flugzeiten – das sind nur drei der Kritikpunkte, die immer wieder aufkommen. Um dem entgegenzuwirken, tut sich nun etwas. Das Abheben soll attraktiver werden. Im Sommer wird erstmals ein Ferienflieger fest am Flughafen stationiert. Der Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen ist zu 50 Prozent Anteilseigner der neuen deutschen Fluggesellschaft Sund­air und hat einen Sommerflugplan für Kassel-Calden veröffentlicht. Mit der Airbus-Maschine des Typs A319, die 150 Plätze hat, sollen vom 1. Juli an bis Ende Oktober 13 Flüge pro Woche ab Kassel-Calden starten. Ziele sind Mallorca, Gran Canaria, Fuerteventura, Kreta und Ägypten.

»Die Reisebüros aus der Umgebung Kassels haben uns signalisiert, dass seitens der Kunden ein großes Interesse besteht, ab Kassel-Calden zu fliegen«, erklärt Simone Feier-Leist, Sprecherin von Schauinsland-Reisen, und führt hinzu: »Wir sind mit Sundair bereits an den Flughäfen Frankfurt und Berlin stationiert und waren auf der Suche nach einem dritten Standort, mit dem wir kein Überangebot schaffen, sondern eine Nische bedienen und bestehende Lücken schließen wollten. Der Flughafen Kassel-Calden ist aktuell nicht ausreichend ausgelastet und verfügt über reichlich freie Parkplätze. Durch die konsequente Stationierung der Airline können attraktive Flugzeiten angeboten werden, sodass Reisende mehr von ihrem Urlaub haben.«

30.000 Fluggäste sollen hinzukommen

Es sollen 30.000 Fluggäste hinzukommen. Einige davon aus Warburg. Martina Bierhoff hat die Schaufenster ihres Reisebüros in der Hauptstraße mit vielen Plakaten bestückt, die Urlaube ab Kassel-Calden anpreisen. »Auch wenn der Flughafen bei vielen verschrien ist, er ist nun mal direkt vor unserer Haustür und sollte daher gepusht werden«, sagt sie.

Daher hat sich Martina Bierhoff einem Reisebüroverbund angeschlossen, der einen Katalog herausgegeben hat, der eigens Reisen ab Kassel-Calden anbietet. Neben dem Reisebüro Bierhoff sind es elf weitere aus Nordhessen und eines aus Göttingen. »Da ich viel mit dem Flughafen Kassel-Calden arbeite, haben sie auch mich angesprochen und ich habe zugesagt«, erklärt sie. Am 27. Februar startet in diesem Jahr der erste Flieger aus diesem Programm von Kassel-Calden auf die Insel Madeira. Im Angebot sind unter anderem auch Andalusien, Athen, Kalabrien und die Kanaren.

Doch wie groß ist eigentlich bei der Bevölkerung aus dem Warburger Land das Interesse, ab Kassel-Calden in den Urlaub zu fliegen? Martina Bierhoff weiß: »Es liegt in etwa bei 50/50. Diejenigen, die über den Flughafen Kassel-Calden gut informiert sind, fliegen gerne von dort. Die anderen, die eher Negatives aufgeschnappt haben, sind eher Zwiegespalten«. Das soll sich ändern, daher sagt Jo-Jo Tegethoff vom Reisebüro Tegethoff: »Wir versuchen, dem Kunden, der verständlicherweise noch die negativen Assoziationen im Kopf hat, von den innovativen Neuerungen zu überzeugen. Nur durch Passagiere kann der finanzielle Schaden abgebaut werden. Die Leute stehen dem wohlgesonnen gegenüber und buchen schon tüchtig.« Beate Wittig vom Reisebüro Wittig berichtet: »Es läuft gut an. Wir buchen gut ab Kassel-Calden. Ein Teil der Bevölkerung ist froh, dass es dort weitergeht, andere sind skeptisch, wir versuchen die Zweifel zu nehmen.«

2017 ist ein Schicksalsjahr für den Flughafen Kassel-Calden. Am 9. Januar wurde bekannt gegeben, dass Lars Ernst, seit 2014 Prokurist des Flughafens, die Nachfolge des Airport-Chefs Ralf Schustereder antritt, der auf eigenen Wunsch sein Amt vorzeitig am 1. April niederlegt. Noch in diesem Jahr will die hessische Landesregierung über die Zukunft des umstrittenen Regionalflughafens entscheiden. Immerhin hat jetzt ein Zusammenschluss von Bürgern und Unternehmen, die sich für die Entwicklung des Flughafens einsetzen, Hessens Finanzminister Thomas Schäfer eine Liste mit etwa 4000 Unterstützer-Unterschriften überreicht.

Auch die Bevölkerung aus dem Warburger Land hat Einfluss auf die Zukunft des Flughafens vor ihrer Haustür. Die Nähe ist ein Vorteil, vor allem aber müssen Preis und Service stimmen.

Kommentare

FischerS35@web.de

Der kluge Urlauber fliegt nicht ab Kassel!

Die Kunden in Warburg sollten einem wenig sachverständigen Reisebüroinhaber namens Tegethoff nicht auf den Leim gehen.
Fakt ist, dass dieser Flughafen keinem gut tut - nicht mal denen, die es bis Calden nicht weit haben.

Anders als Tegethoff behautet wird nämlich bei weiteren Buchungen ab Kassel der finanzielle Gesamtschaden erheblich für die Steuerzahler erhöht. Die paar mehr Passagiere in der Hauptsaison in Kassel verlängern nur den teuren verlustreichen Betrieb und kosten wertvolle Gewinnbeiträge an anderen Flughäfen. Calden wird nämlich auf eine mögliche, langfristig ohnehin nicht vermeidbare Rückstufung überprüft. Und die Politik sucht nur Symbolerfolge, die aber in Kassel substanzlos sind, um sich über die nächsten Wahlen in Hessen zu retten.
Denn: Es müssten etwa 20 mal so viel Passagiere geflogen werden, damit man nur ansatzweise operativ in die Gewinnzone kommt. Das ist undenkbar und nur mit neuen hohen Passagierrückgängen an Nachbarflughäfen zu machen.
Mit anderen Worten: Der Betrieb in Kassel erhöht nur die Fixkosten bei insgesamt gleichbleibend viel Passagieren. Ein schlimmes Minusgeschäft auf dem Rücken der Steuerzahler. Richtig: Das Geld für die weit über Plan teure Investition in Kassel (300 Mio. Euro) ist quasi weg. Doch jetzt sollte man dem schlechten Geld kein gutes neues Geld hinterherherwerfen. Daher ist Calden lieber sofort als später zurückzustufen - auf einen viel preiswerter betreibbaren "Verkehrslandeplatz". Der braucht nicht rund um die Uhr Polizei, Zoll, Sicherheitspersonal und Towerbesetzung! Die lange Bahn kann weiter genutzt werden. Das grosse Terminal kann wirklich in neuer Form genutzt werden.
Das heisst für die Warburger, die ja auch über den Kreis Höxter indirekt am Flughafen Paderborn beteiligt sind: Dem Flughafen Paderborn die Treue halten und den hessischen Flughafen Kassel auf jeden Fall meiden. Paderborn hat zudem ein eingespieltes Angebot mit attraktiven Airlines, die schon am Markt sind und deren Flüge auch durchgeführt werden. Paderborn hat es nicht weit in die Gewinnzone - sogar bei Berücksichtigung der Gesamtkosten. In Kassel kam es auch immer wieder für einen hohen Anteil der Passagiere zu schlimmen Überraschungen. Abgesagte Flüge, stornierte Reisen, pleite gegangene Veranstalter! Auch dieses Jahr werden da noch einige Überraschungen möglich sein. Schliesslich hat die nur auf dem Papier stehende Airlines in Kassel noch nicht einmal eine offizielle Betriebserlaubnis. Da sollte man schon Vorsicht walten lassen!

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