Bürgerinitiative steht Windkraftplänen ablehnend gegenüber »Gegenwind am Greinberg«

Willebadessen (WB). Die Pläne, auf dem Greinberg zwischen Willebadessen und Altenheerse 200 Meter hohe Windkraftanlagen zu errichten, rufen in der Bevölkerung Widerstand hervor.

Von Ulrich Schlottmann
Schon die bestehenden Windkraftanlagen (Ansicht von Westen) beeinträchtigt nach Ansicht der Bürgerinitiative das Landschaftsbild.
Schon die bestehenden Windkraftanlagen (Ansicht von Westen) beeinträchtigt nach Ansicht der Bürgerinitiative das Landschaftsbild.

Im Dezember hat sich die Bürgerinitiative »Gegenwind am Greinberg« gebildet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, über das Projekt zu informieren und die Planungen kritisch zu begleiten. Notfalls sollen auch juristische Wege beschritten werden. Der Initiative gehören derzeit 15 Personen an. Sprecher ist Konstantin Freiherr von Wrede.

Ende August war der Willebadessener Stadtrat über das Projekt informiert worden. Danach will die GLS Energie AG (Genossenschaftsbank mit Hauptsitz in Bochum) ihre 14 bestehenden Windkraftanlagen abbauen und gegen sechs leistungsstärkere austauschen. Durch das sogenannte Repowering soll die Windkraftfläche effizienter genutzt werden.

Jede der neuen Anlagen hat eine Leistung von 3,3 Megawatt und ist mit einer Gesamthöhe von 200 Metern etwa doppelt so groß wie die bestehenden. Die Investitionssumme soll 35 Millionen Euro betragen.

Windpark seit 2003 in Betrieb

Der aktuell bestehende Windpark war 2003 in Betrieb genommen worden. Auf einer Fläche von etwa 58 Hektar stehen 14 Windkraftanlagen mit einer Höhe von 100 Metern. Insgesamt werden derzeit 8,4 Megawatt Strom eingespeist. Künftig sollen es 19,8 Megawatt sein.

Die Bürgerinitiative »Gegenwind am Greinberg« ist gegen diese Pläne. Sie befürchtet eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und negative Folgen für die Natur.

»Die geplanten neuen Anlagen würden doppelt so hoch sein wie die bestehenden, das gesamte Ortsbild überragen und den Charakter der Kleinstadt grundlegend verändern«, stellt die Bürgerinitiative in einer Pressemitteilung fest. Nach ihren Informationen liegen zudem bereits Pläne für eine Erweiterung des Windparks über die sechs jetzt geplanten Anlagen hinaus schon in der Schublade.

Fernsehturm auf dem Eggekamm wäre der kleine Bruder

Bei der Errichtung der 200 Meter hohen Windräder wäre der Fernsehturm auf dem Eggekamm nur noch der kleine Bruder der Windräder, denn deren Naben wären auf einer Höhe angebracht, die die Gesamthöhe des Senders noch übersteigt, so die Windparkgegner.

Die barocken Zwillingsdachreiter über der Pfarrkirche St. Vitus, die seit annähernd drei Jahrhunderten so unvergleichlich die Silhouette des Ortes prägen, würden von Westen gesehen geradezu geduckt unter den »monströsen Maschinen« erscheinen, Willebadessens Wahrzeichen wäre zur Winzigkeit verkommen.

Sorge um Natur

Die Bürgerinitiative sorgt sich auch um die Natur: »Für die Örtlichkeit haben die Windkraftinvestoren offensichtlich kein Auge. Sonst wäre ihnen aufgefallen, dass es große Vorkommen des äußerst seltenen Schwarzstorches und besonders gefährdeten Rotmilans gibt. Außerdem sind weitere geschützte Arten wie Uhu, Grau-, Grün- und Schwarzspecht hier heimisch.«

Das geplante »Windindustriegebiet« liege exakt zwischen den Schutzgebieten südlich von Kleinenberg und jenen am Gradberg zwischen Dringenberg und Siebenstern. Dort lebten die Vögel, befänden sich Nist- und Balzplätze und dazwischen, in den eigens mit viel Geld angelegten Schutzgebieten um Willebadessen herum, entlang der Nethe und Ricke, fänden die Tiere ihre Nahrung.

Der Lebensraum der Tiere würde zusätzlich durch Infraschall – Schallfrequenzen zwischen 16 und 20 Hz , unhörbar für das menschliche Ohr – beeinträchtigt. Unter solchen Schallwellen leide auch der Mensch.

»Disco-Feeling zwischen Altenheerse, Willebadessen und Fölsen«

»Nachts werden Blinklichter an den Windrädern für ein optisches Disco-Feeling zwischen Altenheerse, Willebadessen und Fölsen sorgen. Einen Vorgeschmack liefert bereits heute die abendliche Fahrt von Paderborn nach Willebadessen über Lichtenau«, sagt die Initiative.

In Willebadessen würden insbesondere Gäste im Hotel und die Bewohner des darunter liegenden Weinbergs nachts um die Erholsamkeit ihres Schlafs fürchten müssen.

»Um den Einfluss, den der Windindustriepark auf den Tourismus in Willebadessen haben wird, sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Willebadessen ist für Touristen attraktiv, wegen seiner Landschaft, wegen des Erscheinungsbildes seiner Denkmäler und wegen der ungestörten Naturerlebnisse Das ist die einzige Ressource, weitere Standortfaktoren zur Entwicklung der Zukunftsfähigkeit des Ortes gibt es nicht«, betont die Bürgerinitiative.

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