Boris Reitschuster über einen Machtmenschen und sein System Putin-Kritiker eröffnet Semester

Willebadessen (WB). Der Journalist Boris Reitschuster, bekannt als scharfer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, eröffnet am Sonntag, 5. Februar, in der Ackerscheue in Willebadessen das neue Semester der Volkshochschule »Diemel-Egge-Weser«. Der Titel seines Vortrages lautet »Wladimir Putin – ein Machtmensch und sein ­System«.

Von Ulrich Schlottmann
Wladimr Putin – hier vor dem Moskauer Kreml – ist ein Machtmensch.
Wladimr Putin – hier vor dem Moskauer Kreml – ist ein Machtmensch. Foto: dpa

In seinem jüngst erschienenen Buch »Putins verdeckter Krieg – wie der Kreml den Westen destabilisiert« befasst sich Boris Reitschuster mit dem russischen Präsidenten, seinen politischen Zielen und seiner Persönlichkeit.

Putins Einfluss auf den Westen

Mit Blick auf die jüngeren Ereignisse kommt Reitschuster zu dem Schluss, dass Putin mit der Besetzung der Krim die gegenwärtige Ordnung Europas in ihren Grundfesten erschüttert hat. Für den Journalisten kam diese Aggression jedoch nicht überraschend.

Der Einfluss des russischen Präsidenten im Westen sei groß. Putin unterhalte europaweit engste Kontakte zu rechts- und linksextremen Szenen, behauptet Reitschuster. »Es gibt heute kaum noch ein Land, in dem Putin seinen Einfluss nicht geltend macht. Dabei bedient er sich manipulativer Methoden. Mit Parteispenden, Propaganda und Geheimdiensteinsätzen werden Entscheidungsträger unter Druck gesetzt und erpresst«, so der Autor.

In seinem Buch zeichnet Boris Reitschuster ein beunruhigendes neues Bild: Europa wird von Putin unterwandert. Reitschuster sieht seine Bestandsaufnahme als alarmierend an. Sie zeige, wie gefährlich Putin mit seinen KGB-Methoden für unsere Demokratie sei.

Einer der bekanntesten deutschen Russland-Experten

Boris Reitschuster ist einer der bekanntesten deutschen Russland-Experten. Nach dem Abitur 1990 zog er als Student nach Moskau und lernte Stadt und Land abseits der Ausländer-Ghettos in einer Gastfamilie kennen.

Im Anschluss an eine Dolmetscher-Ausbildung arbeitete er als Deutschlehrer und Übersetzer. Gleichzeitig berichtete er für verschiedene deutsche Tageszeitungen aus Russland.

Ab 1995 absolvierte Reitschuster ein Volontariat bei der »Augsburger Allgemeinen« und arbeitete dann für die Presseagenturen dpa und AFP in München.

Als Leiter des Moskauer Büros des Magazin »Focus« kehrte er 1999 zurück in das Land, das seine zweite Heimat geworden ist. Nach Anfeindungen und Drohungen musste er 2012 Russland aber verlassen und leitete das Moskauer Focus-Büro bis August 2015 von Berlin aus.

Boris Reitschuster ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen, unter anderem in Talkshows wie »Hart aber fair«, »Anne Will«, »Markus Lanz« und der »Phoenix-Runde«.

Mit Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet

2008 wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit, »sein außerordentliches Engagement, mit dem er sich seit vielen Jahren kritisch mit dem politischen System Russlands auseinandersetzt und vor Ort mit hohem persönlichem Einsatz für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit und damit für die Wahrung von Bürger- und Menschenrechten kämpft«, wie es in der Auszeichnungsbegründung heißt.

Boris Reitschuster setzt die Tradition von Russlandvorträgen zu Semestereröffnungen der Volkshochschule fort. Lang und prominent ist die Reihe der Redner die in diesem Rahmen schon über Russland und die ehemalige Sowjetunion referiert haben: Lew Kopelew, Klaus Bednarz, Lois Fisher-Ruge, Wolfgang Leonhard, Valentin Falin, Peter von Zahn und Dirk Sager.

Zu dieser Eröffnungsfeier lädt die Volkshochschule alle interessierten Bürger am Sonntag, 5. Februar, um 11 Uhr ein. Einlass ist ab 10 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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