Nach Unwetter-Schäden: Ansturm auf mobile Sammelstelle Versicherer macht die Hagelprobe

Warburg (WB). Das starke  Unwetter mit taubeneigroßen Hagelkörnern, das vor mehr als einer Woche über Warburg hinweg gezogen ist, hat Autofahrer besonders hart getroffen. Die Versicherungen rechnen mit Schäden in Millionenhöhe.

Von Ralf Benner
Mit einem speziellen Dellen-Reflektor nimmt LVM-Sachverständiger Hans-Josef Gockeln diesen Renault Kangoo genau unter die Lupe. Nicht nur auf der Motorhaube entdeckt der Experte zahlreiche Beulen, die eindeutig vom Unwetter herrühren.
Mit einem speziellen Dellen-Reflektor nimmt LVM-Sachverständiger Hans-Josef Gockeln diesen Renault Kangoo genau unter die Lupe. Nicht nur auf der Motorhaube entdeckt der Experte zahlreiche Beulen, die eindeutig vom Unwetter herrühren. Foto: Ralf Benner

Die LVM Versicherung erwartet zum Beispiel bundesweit insgesamt 11.000 Schadensmeldungen und geht davon aus, dass der endgültige Aufwand in der Kfz-Versicherung bei über 20 Millionen Euro liegen wird.

Um die hohe Zahl an Schäden möglichst schnell regulieren zu können, hat die LVM gestern in einer Werkshalle des Busunternehmens Reifer Reisen an der Anton-Böhlen-Straße in Warburg eins von landesweit acht mobilen Hagelzentren eingerichtet. »Allein im Warburger Land haben bislang 400 LVM-versicherte Autofahrer Dellen an ihren Fahrzeugen gemeldet«, berichtet Kfz-Sachverständiger Hans-Josef Gockeln. Die Betroffenen können ihre Wagen nun im Hagelzentrum begutachten und den entstandenen Schaden regulieren lassen.

Spezieller Dellen-Reflektor

Gemeinsam mit zwei weiteren Gutachtern sowie drei Sachbearbeitern der Versicherung nimmt Hans-Josef Gockeln in den kommenden drei Wochen die gemeldeten Fahrzeuge genau unter die Lupe. »Wir können bei genauerem Hinsehen sofort erkennen, ob es sich bei den Schäden um Hageldellen oder andere Beulen handelt, die etwa beim Parken entstanden sind«, sagt der Experte.

Mit Hilfe eines speziellen Dellen-Reflektors, der alle Unebenheiten im Blech widerspiegelt, erkennt Gockeln jeden noch so kleinsten Einschlag auf Dach, Motorhaube oder Autotür. »Das Oberlicht in der Halle hier ist ideal«, freut sich der LVM-Sachverständige über optimale Bedingungen für die Begutachtung der Fahrzeuge.

Nach Angaben von Gockeln ist es durchaus kein Zufall und hängt auch nicht von der Marke oder vom Baujahr ab, ob ein Auto durch die taubeneigroßen Hagelkörner, die in der Hansestadt vom Himmel prasselten, in Mitleidenschaft gezogen wurde oder nicht. »Hochverdichteten Blechen, die speziell wärmebehandelt wurden, kann der Hagel in der Regel nichts anhaben«, erläutert Gockeln. Es gebe allerdings Autohersteller, die aus Kostengründen bei einigen Modellen auf diese aufwändig produzierten Bleche verzichten würden. »In diesen Fällen ist es dann auch sehr wahrscheinlich, dass Hagelkörner Dellen im Blech hinterlassen«, ist Gockeln überzeugt.

Ein Fall für die Teilkaskso

Er deutet auf die Motorhaube eines Renault Kangoo, die mit etlichen Dellen übersät ist. »Das ist eindeutig ein Fall für die Teilkasko-Versicherung – wie jeder Hagelschaden«, sagt Gockeln. Eine Rückstufung und damit höhere Beiträge müsse der Versicherte dabei allerdings nicht befürchten.

Nach der Begutachtung durch den Sachverständigen können die Versicherten frei wählen, ob sie den Schaden in einer Fachwerkstatt reparieren lassen oder ihn fiktiv abrechnen. »In diesem Fall wird die Schadenssumme unmittelbar ausgezahlt«, so die LVM.

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den Schaden direkt vor Ort am mobilen Hagelzen­trum reparieren zu lassen. Hierfür ist ab heute, Dienstag, ein speziell dafür ausgebildeter Experte anwesend, der sich auf das sanfte Beseitigen der Hageldellen spezialisiert hat – der Dellendrücker.

Versicherte, die sich noch nicht für eine Begutachtung im Warburger Hagelzentrum angemeldet haben, können das in den örtlichen LVM-Versicherungsagenturen nachholen. Die Hagel-Sachverständigen sind noch bis zum 22. Juli in der Werkshalle von Reifer Reisen im Einsatz.

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