32-Jähriger interessiert sich für Kalaschnikow – Waffenhändler informiert das LKA »Preuße« wird freigesprochen

Warburg/Paderborn (WB). Er wollte eine Kalaschnikow. Bekommen hat der Warburger einen SEK-Einsatz und eine Anklage wegen des versuchten Erwerbs einer Kriegswaffe. Dennoch wurde der Elektro-Techniker am Freitag vom Landgericht Paderborn freigesprochen.

Von Ingo Schmitz
Der Angeklagte (32), vertreten durch Rechtsanwalt Matthias Cramer, zeigte sich am Freitag kamerascheu.
Der Angeklagte (32), vertreten durch Rechtsanwalt Matthias Cramer, zeigte sich am Freitag kamerascheu. Foto: Jörn Hannemann

Klein, drahtig, blonder Haarschopf und nicht besonders gesprächig: So präsentierte sich der selbst ernannte Angehörige des Freistaats Preußen auf der Anklagebank. Weder wollte er sich zu dem angeklagten versuchten Waffengeschäft, noch zum Freistaat Preußen äußern.

Dafür lieferte ein Beamter des Landeskriminalamts (LKA) ein paar Hintergrundinformationen aus den 20 Aktenordnern, die der Fall inzwischen füllt.

Etwa 50 Personen bekannt

Die Angehörigen des selbst ausgerufenen Freistaats Preußen erkennen nach Angaben des LKA die Bundesrepublik und ihre Gesetze nicht an. Etwa 50 Personen sind in OWL bekannt. Sie zahlen mitunter keine Steuern und ignorieren amtliche Schreiben. Sie stellen sich eigene Ausweise aus.

Es gebe eine klar strukturierte Hierarchie, der Zusammenhalt sei aber nur locker. Hinweise auf Gewalt gebe es nicht. Der Angeklagte sei in der »Provinz Westfalen« zuständig für »äußere Angelegenheiten«, berichtete das LKA.

Waffenhändler bringt Sache ins Rollen

Ein Waffenhändler aus Luxemburg hatte das Verfahren gegen den Warburger ins Rollen gebracht. Anders als in Deutschland dürfe in Luxemburg auch mit umgerüsteten Kriegswaffen gehandelt werden, berichtete der 42-Jährige. Er erhalte die Gewehre aus Militärbeständen. Allerdings sei es verboten, diese Waffen nach Deutschland oder in die Schweiz zu exportieren. Der Warburger habe sich im September 2014 zum ersten Mal telefonisch in Luxemburg gemeldet. Er habe nach einer »AK 47« (Kalaschnikow, Kaufpreis 500 Euro) erkundigt.

Der Händler habe ihn aufgeklärt, dass er keine Kriegswaffen nach Deutschland verkaufen dürfe. Der Warburger habe ihm berichtet, dass er nicht Deutscher, sondern Preuße sei. Der Händler solle sich beim Justizministerium erkundigen, ob ein Verkauf möglich sei. Er habe dem Händler sogar in Aussicht gestellt, dass er noch Pistolen brauchen werde, wenn er die Polizei des Preußenstaates bewaffnen werde. Doch der Händler lehnte ab.

»Ich hielt es für einen Witz«

Wochen später, so berichtete der Luxemburger, habe ihm der Angeklagte Dokumente des Freistaats Preußen zugeschickt. Es handelte sich unter anderem um einen Waffen- und einen Staatsangehörigkeitsschein. »Die hatten eine alte Schrift. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich hielt es für einen Witz«, sagte der Händler. Wieder reagierte er nicht. Als dann der Angeklagte im Dezember 2014 in einem Telefonat ungeduldig geworden sei, habe der Waffenhändler das LKA eingeschaltet.

Daraufhin wurde der Warburger wochenlang überwacht: Sämtliche Telefonate und Mailkontakte wurden vom LKA ausgewertet, bevor im März 2015 zeitgleich Razzien in Borgentreich und Warburg erfolgten. Dabei wurden Luftgewehre, zwei Patronen sowie eine Marihuana-Plantage gefunden.

Der Bruder des Angeklagten sagte vor Gericht aus, dass man sich lediglich informiert habe, ob ein Waffenkauf in Luxemburg möglich sei. Eine tatsächliche Kaufabsicht habe es nicht gegeben.

Haftstrafe gefordert

Das sah Staatsanwalt Dietmar Sauerland anders: Er forderte eine Haftstrafe von zehn Monaten. Das Gericht unter Vorsitz von Bernd Emminghaus kam zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte zwar beabsichtigt habe, eine Waffe zu kaufen.

Allerdings habe es sich dabei lediglich um Vorbereitungen gehandelt. Den Versuch des Kaufs habe man nicht nachweisen können. Daher wurde der 32-Jährige freigesprochen. Die Ermittlungen zur Drogen-Plantage sind noch nicht abgeschlossen.

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