Elmar Brok hält zu Beginn der Dreikönigstagung ein Plädoyer »Ohne ein geeintes Europa geht es nicht«

Hardehausen (WB). Zum Auftakt der viertägigen Dreikönigstagung in der Landvolkshochschule Hardehausen hat Festredner Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments, gestern ein leidenschaftliches und mitreißendes Plädoyer für Europa gehalten.

Von Ralf Benner
Bei der Eröffnung der traditonsreichen Dreikönigstagung in Hardehausen (von links): EU-Parlamentarier Elmar Brok, Tagungsleiterin Teresa Gockeln und Monsignore Uwe Wischkony.
Bei der Eröffnung der traditonsreichen Dreikönigstagung in Hardehausen (von links): EU-Parlamentarier Elmar Brok, Tagungsleiterin Teresa Gockeln und Monsignore Uwe Wischkony. Foto: Ralf Benner

Unter dem Titel »Alte Mauern – neue Zeiten« wurde bei der Libori-Landvolkkundgebung 2014 in Paderborn die Frage aufgegriffen: Brauchen wir ein geeintes Europa für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt? Das Dreikönigstreffen in Hardehausen hat sich traditionell dieses Themas angenommen und entfaltet es in vielfältigen Aspekten. Elmar Brok, Festredner der Liborikundgebung und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der EU, beantwortete zu Beginn der Tagung vor etwa 60 Zuhörern die eingangs aufgegriffene Frage mit einem entschiedenen »Ja«.

Die Strahlkraft der Europäischen Union, der mittlerweile 28 Staaten angehörten, sei ungebrochen in der Welt, sagte Brok. Es gebe zur EU keine Alternative, um Stabilität, Frieden, Freiheit und Wohlstand zu erhalten, betonte er. »Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen«, zitierte Brok den Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker. Der Spitzenpolitiker mahnte, bei allen kleinlichen Streitereien der EU-Mitgliedsstaaten untereinander das Miteinander stärker zu schätzen.

Dies sei besonders wichtig angesichts der besorgniserregenden Herausforderungen innerhalb und außerhalb Europas, denen sich die EU stellen müsse, unterstrich der Europaparlamentarier. Elmar Brok zeichnete ein düsteres Szenario. »Es geht derzeit so unfriedlich zu wie seit Jahrzehnten nicht«, unterstrich er. So gebe es erstmals seit dem Balkan-Krieg in den 90er Jahren wieder Krieg in Europa. Die militärischen Aggressionen Putins auf der Krim und in der Ukraine bezeichnete Brok in diesem Zusammenhang wörtlich als »Krieg«, der von globaler Bedeutung sei, weil es sich bei Russland schließlich um eine Atommacht handeln würde.

Bedrohlich sei auch das Wüten der IS-Milizen in Syrien und im Irak oder der dramatisch wachsende Einfluss der Taliban in Pakistan, ebenfalls eine Atommacht. Allein acht Millionen Menschen seien durch den Krieg im Nahen Osten derzeit auf der Flucht. Brok appellierte, diesen Flüchtlingen die Türen zu öffnen und sie als Gastarbeiter zu schätzen: »Wer weniger Migration will, soll einen Beitrag zum Frieden leisten in anderen Ländern, zum Beispiel durch faire Handelsbedingungen oder Entwicklungshilfe.«

Weitere Vorträge und Diskussionen wollen bei der traditionsreichen Dreikönigstagung, die am Donnerstag endet, dazu anregen, über ein durchaus nicht immer spannungsfreies Verhältnis zum Europagedanken nachzudenken und miteinander zu debattieren: Welche Möglichkeiten bietet Europa mittelständischen Unternehmen und jungen Menschen? Wohin führt die gemeinsame Agrarpolitik? Welche Perspektiven ermöglicht der europäische Integrationsprozess? Tagungsleiterin Teresa Gockeln hat wieder ein anspruchsvolles, an den aktuellen Zeitfragen orientiertes Programm zusammengestellt.

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